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Analyse : Was Trumps Wahl für die Finanzmärkte bedeutet

„Fondsmanager und Analysten müssen jetzt sortieren, wo mögliche Gewinner und Verlierer sind“, sagt Bruns und gibt einige Hinweise. Amerikanische Rüstungs- und Waffenhersteller etwa dürften gefragt sein. Tatsächlich legten Smith & Wesson und Sturm Ruger zunächst mehr als 5 Prozent zu. Am Nachmittag jedoch fielen die Kurse in Amerika mit mehr als zehn Prozent ins Minus. Grund dürfte gerade die vermutete künftig laxe Waffenpolitik sein. Jede drohende Verschärfung der Waffengesetze hatte den Herstellern Extra-Umsätze gebracht. Mit denen dürfte es jetzt vorbei sein.

Dagegen ist die Aktie des Rüstungsunternehmens Northrop Grumman mit einem Plus von knapp sechs Prozent stärker gefragt als dies noch am Vormittag in Europa der Fall war.

Boeing dagegen notieren mit einem Plus von 2,7 Prozent wenig verändert. „Boeing ist ein amerikanischer Exportstar“, sagt Bruns. „Gut möglich, dass am Ende gar Airbus mehr profitiert.“

Jim Leaviss, Leiter des Rententeams bei M&G, erwartet am amerikanischen Anleihenmarkt eine steilere Zinskurve, also Kursrückgänge bei länger laufenden Anleihen. Er vergleicht Trumps voraussichtliche Politik mit Ronald Reagans erster Amtszeit. Trump werde wohl Konjunkturanreize durch Steuersenkungen und Infrastrukturinvestitionen geben und damit dürfte die Staatsverschuldung mittelfristig steigen.

Auf der anderen Seite liege ein großer Teil der amerikanischen Anleihen in Ländern, über die Trump unfreundliche Aussagen getätigt habe. Schon in den vergangenen sechs Monaten hätten ausländische Investoren, vor allem aus China, amerikanische Staatsanleihen verkauft.

Nicht nur abwarten

Leaviss versucht zu dem über Trump hinauszuschauen. „Da es für die meisten Industrienationen der Welt seit der großen Finanzkrise kein Einkommenswachstum gab werden die etablierten Parteien und ihre Kandidaten in den Wahlen heftig abgestraft. Diese Entwicklung endet nicht mit den amerikanischen Wahlen.“ Er verweist auf das Verfassungsreferendum in Italien und stellt die Frage, ob im kommenden Jahr die neue französische Präsidentin vielleicht Marine Le Pen heißen könnte.

65 Prozent der Eltern in den G7-Ländern glaubten, dass es ihren Kindern einmal schlechter gehen werde als ihnen selbst. Er hält es daher für möglich, dass die Wahl der vergangenen Nacht das Ende des weltweiten Sparkurses einläutet – mit entsprechenden Konsequenzen für Staatsanleihen.

Bruns rät nicht dazu, nicht einfach abzuwarten, sondern auch über Chancen nachzudenken. „In Krisen lohnt es sich zu kaufen, um die langfristigen Vorteil der Aktienanlage zu nutzen. Es gibt zudem Aktien, bei denen nicht einzusehen ist, wieso sie unter dem Wahlergebnis leiden sollten.“

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