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Analyse : Was Trumps Wahl für die Finanzmärkte bedeutet

Die Unsicherheit ließ sich zunächst am deutlichsten am Goldpreis ablesen. Dieser legt zwischenzeitlich bis zu fünf Prozent zu. Von einer Fluchtbewegung zu sprechen wäre zwar etwas übertrieben, aber das denken „Sicher ist sicher“ war durchaus erkennbar. Ob sich Gold dafür eignet, ist zwar heftig umstritten und es gibt auch einige strukturellen Schwächen am Goldmarkt. Am Nachmittag allerdings gingen die Kursgewinne zurück und letztlich blieb nur noch ein kleines Plus von 0,8 Prozent übrig.

USD/MXN

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Scharfe Reaktionen gab es indes in einigen Teilgebieten des Kapitalmarkts, vor allem aus den Schwellenmärkten. Peter Hensman, Stratege bei der zu BNY Mellon gehörenden Investmentboutique Newton, zeigt sich wenig überrascht. „Die Welt sich nun auf einen stärker ‚insular‘ denkenden amerikanischen Präsidenten einstellen. Es scheint wahrscheinlich, dass der Dollar zu den Schwellenländerwährungen aufwertet, da das amerikanischen Kapital nun aus dem Rest der Welt zurückgezogen wird.“

Am härtesten traf es Mexiko, das während des Wahlkampfs fast dauernd im Fadenkreuz trumpscher Entgleisungen stand. Um 8 Prozent wertete die Landeswährung Peso gegenüber dem Dollar ab und kehrte dabei schon wieder von den Tiefständen zurück. Knapp 20 Peso werden für den Dollar bezahlt, so viel wie seit der Peso-Krise in den frühen Neunziger Jahren nicht mehr.

NIKKEI

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Claudia Calich, Managerin eines Schwellenländeranleihenfonds bei der britischen Gesellschaft M&G gibt sich dennoch entspannt. Die Risiken seien schon eingepreist. Mexiko habe zwar gelitten und auch Zentralamerika könnte in Mitleidenschaft gezogen werden. Falls Trump tatsächlich alle illegalen Einwanderer ausweisen lasse, so fielen deren Überweisungen in ihre Herkunftsländer weg – mit starken Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft. In Honduras etwa machten diese mehr als ein Siebtel des Bruttoinlandsprodukts aus.

Doch es gebe auch Chancen. Eher abgeschottete Volkswirtschaften mit vergleichsweise niedrigen Handels- und Einwanderungsverbindungen zu den Vereinigten Staaten, wie etwa Indien und Brasilien, dürften weniger getroffen werden. Und die Länder Osteuropas seien viel stärker von Europa abhängig als von Amerika.

Dollar dürfte gegen Leitwährungen abwerten

Anders dürfte das Verhältnis zwischen dem Dollar und Euro, Yen oder Franken werden Da Hensman wie viele nicht mehr mit einer Zinserhöhung im Dezember rechnet, geht er von einer Abwertung des Dollar gegenüber den anderen Leitwährungen aus. Insbesondere der japanische Yen könnte von einer Flucht in sichere Häfen profitieren. Dieser wertete am Mittwoch schon deutlich auf. Doch auch diese Aufwertung hielt nicht. Zum Tagesende wurden mit knapp 105 Yen für den Dollar so viel bezahlt wie vor der Wahlentscheidung.

Auch die Kurse japanischer Aktien fielen. Doch dass dies eher weniger den Sorgen um die künftige Handelspolitik geschuldet ist, zeigte sich darin, dass das Kursminus etwa von Toyota und Honda an den Auslandsbörsen nicht auf Dauer nachvollzogen wurde. Die vorübergehend deutliche Aufwertung des Yen war dann wohl der wesentlichere Grund, warum der japanische Nikkei-Aktienindex am Mittwoch um mehr als fünf Prozent gefallen ist.

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