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Berkshire Hathaway : Buffett wettet auf amerikanische Fluggesellschaften

  • -Aktualisiert am

Im Anflug: Eine Boeing 737 von Southwest vor der Landung in Los Angeles. Bild: Reuters

Aktien von Fluggesellschaften galten jahrelang als Geldvernichter. Das hat sich aber mittlerweile geändert – glaubt zumindest Warren Buffett. Analysten rechnen mit einer zweistelligen Milliardenakquisition.

          3 Min.

          Börsianer an der Wall Street spekulieren auf die Übernahme einer großen amerikanischen Fluglinie durch Berkshire Hathaway, der Holdinggesellschaft des Starinvestors Warren Buffett. „Wir halten die komplette Übernahme einer Fluggesellschaft für möglich, besonders wenn die Aktienkurse schwächer werden“, schreibt Analyst Rajeev Lalwani von der Investmentbank Morgan Stanley. Beflügelt werden diese Gedankenspiele von den jüngsten Beteiligungen Berkshires, mit der die in Omaha beheimatete Holding zu einem der größten Einzelaktionäre bei den vier führenden amerikanischen Fluglinien wird.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Berkshire hatte bereits im dritten Quartal 2016 Aktien von Fluglinien erworben. Im vierten Quartal hatte Buffett die Beteiligungen an Delta Air Lines, United Continental, American Airlines dann deutlich aufgestockt und erstmals Aktien von Southwest Airlines gekauft. Das gab Berkshire in der vergangenen Woche in einer Pflichtmitteilung bekannt. Am Ende des vergangenen Jahres waren die Beteiligungen insgesamt 9,3 Milliarden Dollar wert. Große Anleger müssen Positionen im Wert von mehr als 100 Millionen Dollar 45 Tage nach Ende eines Quartals offenlegen. Die Aktienkurse reagierten auf die Meldung mit deutlichen Kursgewinnen - wie häufig, wenn die Strategie einflussreicher Investoren öffentlich wird. In den vergangenen sechs Monaten sind die Aktienkurse der vier Fluglinien um durchschnittlich 45 Prozent gestiegen - fast sechsmal so stark wie der breit gefasste Aktienindex S&P 500.

          Parallele zu Frachteisenbahnen?

          Buffetts Wette auf Fluggesellschaften überraschte Kenner an der Wall Street allerdings, weil der auch als „Orakel von Omaha“ bekannte Investor in der Vergangenheit regelmäßig von dieser Branche abgeraten hatte. Die Papiere galten jahrelang als Geldvernichter. Man könne „Millionär werden, wenn man als Milliardär anfange und dann Aktien von Fluggesellschaften kauft“, lautet ein klassischer Börsenwitz.

          Nach der starken Konsolidierung der Luftfahrtbranche scheinen Buffett und sein Geschäftspartner Charlie Munger nun aber anders zu denken. Munger zog in der vergangenen Woche eine Parallele zur Konsolidierung bei den amerikanischen Frachteisenbahnen. „Es war etwa achtzig Jahre lang ein schreckliches Geschäft“, räumte Munger auf einer Veranstaltung ein. „Aber schließlich gab es nur noch vier große Bahngesellschaften und es wurde ein besseres Geschäft. Und etwas Ähnliches geschieht gerade bei Fluggesellschaften“, zeigte sich Munger überzeugt.

          Southwest ist möglicher Übernahmekandidat

          Berkshire hatte im Jahr 2010 die Bahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe (BNSF) für 26 Milliarden Dollar übernommen. Vor dieser Übernahme hatte Buffetts Gesellschaft schon Minderheitsbeteiligungen an BNSF und deren Konkurrenten Union Pacific und Norfolk Southern erworben. Nach der Übernahme hatte Berkshire die Papiere der Konkurrenten dann wieder verkauft. Analyst Brandon Oglenski von der britischen Bank Barclays verwies in einem aktuellen Kommentar auf diese Vorgeschichte und rechnet deshalb nun mit einem „starken Interesse“ von Investoren an der Flugbranche.

          Bild: F.A.Z.

          Über die Mittel für den Erwerb einer kompletten Fluggesellschaft verfügt Berkshire, die zuletzt auf Barmittel von rund 80 Milliarden Dollar kam. Die gemessen am Börsenwert größte amerikanische Fluggesellschaft ist mit knapp 38 Milliarden Dollar Delta, gefolgt von Southwest (35 Milliarden Dollar) sowie von American (24 Milliarden Dollar) und United Continental (23 Milliarden Dollar). Morgan-Stanley-Analyst Lalwani hält die fast ausschließlich auf inneramerikanische Routen spezialisierte Billigfluglinie Southwest für den „plausibelsten“ Übernahmekandidaten.

          Berkshire hat mehr als 80 Tochtergesellschaften

          Buffett selbst hatte in einem Fernsehinterview Ende Januar noch Vergleiche zwischen Flug- und Bahngesellschaften relativiert. Es sei für neue Wettbewerber vergleichsweise einfach, Flugzeuge zu erwerben und zu bewegen. Die Kosten für den Aufbau eines eigenen Schienennetzes über Tausende von Meilen seien dagegen deutlich höher. Buffett legt bei Beteiligungen Wert darauf, dass ein Geschäftsmodell nicht leicht kopiert werden kann. In seinem Aktionärsbrief für das Jahr 2007 hatte er geschrieben, dass es in der Luftfahrtbranche seit den „Tagen der Gebrüder Wright“ nicht gelungen sei, einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil zu erzielen. Buffett veröffentlicht am heutigen Samstag seinen Aktionärsbrief für das Jahr 2017.

          Im vergangenen Jahr hatte Berkshire eine weitere Wette auf das Wachstum der Flugbranche abgeschlossen. Für 37 Milliarden Dollar erwarb Berkshire Hathaway den Zulieferer Precision Castparts, der Teile für den Flugzeugbau herstellt. Auch im Fall von Precision Castparts hatte Berkshire zunächst nur eine Minderheitsbeteiligung erworben, bevor dann die vollständige Akquisition erfolgt ist.

          Unter dem Dach von Berkshire tummeln sich mittlerweile mehr als 80 Tochtergesellschaften, darunter neben BNSF und Precision Castparts große Versicherer wie Geico. Dazu verwaltet Buffetts Holdinggesellschaft ein Aktienportfolio im Wert von mehr als 100 Milliarden Dollar. Darin befinden sich große Beteiligungen wie die am Getränkekonzern Coca-Cola, dem Technologiekonzern IBM sowie den Finanzdienstleistern American Express und Wells Fargo.

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