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Ruhiger Großaktionär : Wells-Fargo-Skandal wird zum Politikum

  • -Aktualisiert am

Die Vorgänge bei der amerikanischen Großbank Wells Fargo sorgen an der Börse für Unruhe. Bild: AFP

Warren Buffetts Beteiligung an der amerikanischen Großbank Wells Fargo verlor in den vergangenen Wochen fast zwei Milliarden Dollar an Wert. Am Dienstag wird es nicht nur für den Großaktionär spannend.

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          Warren Buffett schweigt bislang zum Skandal bei Wells Fargo. Aber die Vorgänge bei der amerikanischen Großbank sind zweifellos auf dem Radarschirm des Multimilliardärs, dessen Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway 10 Prozent ihrer Anteile hält. Die Bank aus San Francisco hatte zuletzt in einem Vergleich mit mehreren Aufsichtsbehörden einer Strafe von 185 Millionen Dollar zugestimmt, weil Angestellte in den vergangenen Jahren rund 2 Millionen fiktive und gebührenpflichtige Konten für Kunden der Bank eröffnet hatten.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Mitarbeiter standen nach amerikanischen Medienberichten unter hohem Druck, ambitionierte Vertriebsziele zu erreichen. Obwohl die Geldbuße vergleichsweise niedrig ausgefallen ist - bei der Deutschen Bank fordert das amerikanische Justizministerium in einem anderen Fall 14 Milliarden Dollar - gab der Aktienkurs von Wells Fargo an der New Yorker Börse kontinuierlich nach. Seit Bekanntwerden der Strafe ist der Kurs um fast 8 Prozent gefallen, viermal so stark wie das Branchenbarometer KBW Nasdaq Bank Index. Allein die Beteiligung von Berkshire hat in diesem Zeitraum fast 2 Milliarden Dollar an Wert verloren. Wells Fargo ist angesichts der Kursverluste auch nicht mehr die nach Börsenwert größte amerikanische Bank. Diese Position gab das Institut wieder an den Konkurrenten JP Morgan Chase ab.

          WELLS FARGO

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          An der Börse wird befürchtet, dass die Strafzahlung nicht das Ende der Schwierigkeiten für Wells Fargo bedeutet. Nach Medienberichten hat das amerikanische Justizministerium mit Ermittlungen begonnen, die möglicherweise strafrechtliche Konsequenzen für die Bank oder Mitarbeiter haben könnten. Die beiden Bundesaufsichtsbehörden, die den zivilrechtlichen Vergleich mit Wells Fargo ausgehandelt hatten, waren die Bankenaufsicht OCC und die auf Finanzfragen spezialisierte Verbraucherschutzbehörde CFPB. Als regionale Behörde war zudem die Stadt Los Angeles an dem Vergleich beteiligt.

          Es geht um mehr als nur eine Bank

          Die CFPB (Consumer Financial Protection Bureau) wurde erst vor ein paar Jahren im Zuge des Dodd-Frank-Finanzmarktreformgesetzes ins Leben gerufen. Mit dem Gesetz hatte der Kongress auf die schwere Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 reagiert, die unter anderem durch zu lockere Bankenstandards für die Vergabe von Immobiliendarlehen ausgelöst worden war. Der Skandal bei Wells Fargo beginnt daher zu einem Politikum zu werden. Konservative Kritiker, darunter der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump, wollen das Dodd-Frank-Gesetz zu Fall bringen.

          Erst letzte Woche verabschiedete der Finanzdienstleister-Ausschuss im von Republikanern dominierten amerikanischen Repräsentantenhaus einen Gesetzesentwurf, mit dem wichtige Elemente von Dodd-Frank ausgehöhlt werden sollen. Unter anderem sollen die Befugnisse der CFPB beschnitten werden. Im Senat dürfte der Gesetzentwurf keine Chance haben, aber er gilt als Blaupause für die kommende Legislaturperiode, sollten die Republikaner bei den Präsidenten- und Kongresswahlen im November gewinnen.

          Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, der im Vorwahlkampf zu enge Beziehungen zur Wall Street vorgeworfen wurden, hat die CFPB für ihre „entschiedene Reaktion“ im Fall Wells Fargo gelobt und deren Notwendigkeit für den Schutz von Verbrauchern vor „unfairen und betrügerischen“ Geschäftsmethoden betont. Unterdessen hat der Bankenausschuss des Senats den Vorstandsvorsitzenden von Wells Fargo, John Stumpf, für kommenden Dienstag zu einer Anhörung nach Washington zitiert. Kritische Fragen und negative Schlagzeilen dürften ihm sicher sein.

          Ein prominentes Mitglied des Ausschusses ist die Bankenkritikerin und ehemalige Juraprofessorin Elisabeth Warren, die in einer beratenden Rolle stark an der Entstehung der Verbraucherschutzbehörde beteiligt war. Warren hat Stumpf bereits attackiert. „Man kann keinen Skandal dieses Ausmaßes aufdecken, ohne dass Spitzenmanager persönliche Verantwortung übernehmen“, sagte Warren im Wirtschaftssender CNBC. Stumpf hatte im gleichen Sender die laut gewordenen Rufe nach seinem Rücktritt zurückgewiesen. „Das Beste, was ich jetzt machen kann, ist, dieses Unternehmen in die Zukunft zu führen“, sagte Stumpf.

          Der Wells-Fargo-Chef ist in den vergangenen Tagen in die Offensive gegangen und hat die Verantwortung für die illegalen Kontoeröffnungen auf Mitarbeiter geschoben, welche die „Vision und die Werte“ der Bank nicht gewürdigt hätten, „Kunden an die erste Stelle zu setzen“. Die Bank hat sich bereits von 5300 Mitarbeitern getrennt, die an den illegalen Machenschaften beteiligt waren. In zahlreichen Medien berichteten ehemalige Angestellte von hohem Druck, tägliche Vertriebsziele zu erreichen. Stumpf will im Privatkundenbereich jetzt keine Zielvorgaben mehr setzen.

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