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Berkshire Hathaway : Warren Buffett geizt mit harten Zahlen

  • -Aktualisiert am

Langjährige Aktionäre, die mit Berkshire-Aktien reich geworden sind, loben ehrfürchtig die vermeintlich simplen Lehren von Warren Buffett. Bild: AP

In der Bewertung der Aktie von Berkshire Hathaway steckt viel Vertrauen in die Fähigkeiten von Warren Buffett. Anleger unterstellen, dass der Value-Investor weiß, was er tut. Das erhöht aber auch das Risiko negativer Überraschungen.

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          Warren Buffett ist ohne Frage ein Superstar unter Investoren. Jedes Jahr Anfang Mai pilgern 40.000 Aktionäre seiner Gesellschaft Berkshire Hathaway in die Provinzmetropole Omaha, um ihn persönlich zu erleben. Der 85 Jahre alte Milliardär wird nicht müde, Aktionären und seit ein paar Jahren auch Analysten auf der Hauptversammlung mehr als fünf Stunden lang Rede und Antwort zu stehen.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          In diesem Jahr wurde die Hauptversammlung erstmalig im Internet übertragen und simultan in Chinesisch übersetzt. Ende Februar veröffentlicht Buffett einen mehr als zwanzig Seiten langen Aktionärsbrief. Zudem gibt Buffett über das Jahr noch zahlreiche Fernsehinterviews, Meldungen über Veränderungen im Wertpapierportfolio von Berkshire und Ankündigungen von Übernahmen. Langjährige Aktionäre, die mit Berkshire-Aktien reich geworden sind, loben ehrfürchtig seine vermeintlich simplen Lehren: langfristig zu investieren und gute Aktien mit niedrigen Bewertungen zu kaufen.

          Dennoch haben Analysten an der Wall Street große Schwierigkeiten, die Aktie von Berkshire vernünftig zu bewerten. Bloomberg verzeichnet nur drei Analysten, die sich an der B-Aktie versuchen. Das liegt zum einen daran, dass Berkshire ein Konglomerat vieler verschiedener Unternehmen ist - zuletzt tummelten sich mehr als 80 Tochtergesellschaften unter dem Dach der Holding. Das fordert die Expertise von Analysten, die sich in der Regel auf eine Branche konzentrieren. Im Kern ist Berkshire eine Versicherungsgesellschaft. Zu den größten Tochtergesellschaften gehören Rückversicherer wie General Re oder der Autoversicherer Geico. Die eingenommenen Versicherungsprämien nutzt Buffett, um Aktien an der Börse oder gleich ganze Unternehmen zu kaufen. Mit Hilfe von zwei Fondsmanagern verwaltet Buffett ein Aktienportfolio von mehr als 100 Milliarden Dollar.

          „Der Zugang zur Geschäftsführung ist sehr beschränkt“

          Das Rückversicherungsgeschäft litt zuletzt unter niedrigen Preisen, und auch Geico schwächelte. Amerikaner fahren wegen der gesunkenen Ölpreise mehr Auto, was die Zahl der Unfälle erhöhte. Zu den anderen Tochtergesellschaften gehören Großkonzerne wie die Frachteisenbahngesellschaft BNSF, deren Geschäft zuletzt von nachlassenden Kohletransporten belastet wurde. „Es sind breite Berichtsgebiete. Man muss mit einem Team herangehen. Unser Eisenbahn-Fachmann hilft viel“, sagt Versicherungsanalyst Chris Gallant.

          Gallant arbeitete bis vor kurzem für die Bank Nomura. Berkshire gilt trotz der Medienpräsenz von Buffett aber als geizig mit Informationen. „Ich glaube nicht, dass die Fondsmanager von Berkshire ihre Entscheidungen aufgrund von Informationen treffen, die so begrenzt sind wie die, die Berkshire den eigenen Aktionären bietet“, kritisiert Analyst Meyer Shields von der Investmentbank KBW - einer der wenigen Analysten, die die 216.000 Dollar teure A-Aktie nicht zum Kauf empfehlen. Börsennotierte Unternehmen pflegen in der Regel auch den Kontakt mit Analysten und ermöglichen zusätzlich zum Vorstandsvorsitzenden auch offizielle Treffen mit den Spitzenmanagern einzelner Sparten.

          Berkhire verzichtet darauf. „Der Zugang zur Geschäftsführung ist sehr beschränkt“, sagt Analyst Gallant. In der Bewertung der Aktie steckt daher viel Vertrauen in die Fähigkeiten von Buffett. Der gibt sich zuversichtlich, dass angesichts seines hohen Alters die Nachfolgeregelung geklärt ist - obwohl nie konkrete Namen genannt werden. „Das größte Risiko ist die Tatsache, dass relativ wenig seiner Investoren richtig verstehen, was Berkshire eigentlich macht“, sagt Analyst Shields. Anleger unterstellen, dass Buffett weiß, was er tut. Das erhöht das Risiko negativer Überraschungen.

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