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Warren Buffett : Die teuerste Aktie der Welt - jetzt wirklich zu teuer?

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Wieviel hat ein Milliardär eigentlich in seiner Geldbörse? Warren Buffett zeigt es gerne. Bild: REUTERS

In vier Jahrzehnten hat sich der Kurs von Warren Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway versiebentausendfacht. Heute kostet die teuerste Aktie der Welt rund 140.000 Dollar. Zu viel, finden inzwischen sogar Fans des „Orakels von Omaha“.

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          Mit seinen 77 Jahren gilt Warren Buffett als die Anlegerlegende schlechthin. Auch Menschen ohne spezielles Interesse an der Finanzwelt kennen seinen Namen. Als er im vergangenen Jahr einen Großteil seines Multi-Milliarden-Vermögens an die Stiftung von Bill und Melinda Gates übertrug, schaffte es Buffett sogar in die bunten Spalten der Zeitungen.

          Der Mann pflegt einen sparsamen und unauffälligen Lebenswandel. Er wohnt in der amerikanischen Provinzstadt Omaha in einem bescheidenen Haus, das er 1958 für 31.500 Dollar gekauft hatte. “Gab es jemals einen weniger aufgeblasenen Milliardär als Warren Buffett?“, fragen amerikanische Medien fast ungläubig und nehmen ihn zugleich in die Liste der „100 einflussreichsten Menschen der Welt“ auf.

          140.000 Dollar für ein Papier...

          Kein Wunder. Schließlich schaut die New Yorker Wall-Street-Gemeinde pingelig genau darauf, was der Investmentstar aus dem Bauernstaat Nebraska gerade so treibt; wo er mit seinem Geld einsteigt und wo aus. Buffetts Anlagevehikel heißt Berkshire Hathaway und hat maßgeblich seinen Ruhm begründet. Die Investmentgesellschaft, über die Buffett seit 1965 gebietet, ist an der Börse notiert. Mit ihr hat Buffett nicht nur sich selbst reich gemacht, sondern auch seine Anleger. Der Berkshire-Kurs hat sich in gut vier Jahrzehnten in etwa versiebentausendfacht.

          Wer 1965 20 Dollar einsetzte, verfügt heute über ein Vermögen von rund 140.000 Dollar. Soviel kostet inzwischen eine einzige Berkshire-Aktie. Buffett verzichtet - im Gegensatz etwa zu Unternehmen wie Microsoft - auf Aktiensplits, um die Papiere optisch billiger zu machen. So kann sich Berkshire Hathaway mit dem Titel „teuerste Aktie der Welt“ schmücken.

          ...halten manche Anleger für nicht viel...

          Bislang fanden viele Anleger das Papier im sechsstelligen Dollar-Bereich gar nicht mal so teuer. Im laufenden Jahr hat die Aktie kräftig zugelegt - von Kursen um 110.000 auf ein Allzeithoch von 151.600 Dollar. Innerhalb von vier Monaten verteuerte sie sich um ein Drittel.

          Doch auch für mutmaßliche Finanzgenies gelten uralte Börsenweisheiten. Dass die Börse keine „Einbahnstraße“ ist, erlebten Buffett und seine Getreuen in den vergangenen Tagen. Berkshire-Aktien brachen zum Wochenbeginn rund fünf Prozent ein. Bei einer Aktie dieses Kalibers entspricht das dann gleich einem Minus von fast 7.000 Dollar pro Stück.

          ...andere aber doch

          Schuld an diesem größten Verlust binnen drei Jahren hatte das Anlegermagazin „Barron's“. Die Finanzzeitschrift, die an der Wall Street hohes Ansehen genießt, betitelte ihre jüngste Ausgabe für ihre Verhältnisse regelrecht marktschreierisch. „Sell Buffett“ hieß es dort in großen Lettern - „Verkaufen Sie Buffett“. Die Begründung in der Überschrift des Artikels: „Sorry, Warren, Deine Aktie ist einfach zu teuer.“

          Die „Entschuldigung“ passte, schließlich übt Barron's alles andere als Fundamentalkritik an Buffett. Berkshire Hathaway sei vielmehr ein großartiges Unternehmen. Die jüngste Kursrally spiegele den Status als sicherer Hafen in der Finanzkrise wider und die 39 Milliarden Dollar, die das Unternehmen in seiner Kasse halte, seien beneidenswert. Buffetts Talente als Investor nannte das Blatt „unerreicht“. Aber ach: „Gute Dinge kosten manchmal halt zu viel.“

          Fairer Wert: 125.000 bis 130.000 Dollar

          Barron's hat ausgerechnet, um wieviel zu viel. „Alles hat seinen fairen Wert. Für die Aktien von Berkshire Hathaway sind das 125.000 bis 130.000 Dollar.“ Ein Niveau von 125.000 Dollar nennt auch die Credit Suisse als Kursziel - eine der wenigen Banken, deren Analysten die Berkshire-Aktie beobachten.

          In umfangreichen Berechnungen begründen die Skeptiker, warum 125.000 Dollar ein fairer Wert für die Aktie sein soll. Unter anderem verweisen sie darauf, dass das Papier derzeit mit dem 1,8-fachen des Buchwertes bezahlt werde. In den vergangenen fünf Jahren habe dieser Faktor im Schnitt nur bei 1,6 gelegen.

          Buffetts Lebenserwartung: neun Jahre

          Noch mehr besorgt die Analysten Buffetts Alter. Im kommenden August wird er 78. Der Milliardär hat im Frühjahr im jährlichen Brief an seine Aktionäre angedeutet, sich langsam auf die Suche nach jüngeren Nachfolgern für die Konzernspitze zu machen. Hinweise auf einen baldigen Rückzug gab er aber nicht: „Ich fühle mich phantastisch, und nach allem, was man messen kann, bin ich völlig gesund. Es ist unglaublich, wie Cherry Coke und Hamburger einem gut tun.“

          Doch Barron's rechnet erbarmungslos vor: Buffetts „versicherungsstatistische Lebenserwartung“ betrage noch neun Jahre. Und was dann? Nach einem Abgang des Meisters könne der Berkshire-Kurs sinken, erwarten die Pessimisten, weil viele langjährige Anleger die Aktie verkaufen und die Finanzgemeinde erst einmal abwarte wolle, ob es seine Nachfolger mit der Investmentlegende aufnehmen können.

          Das eigene Erfolgskonzept spricht gegen Berkshire

          Gerade wenn sich Anleger ganz eng an Buffetts langjähriges Erfolgskonzept halten, müssten sie derzeit von Berkshire Hathaway eher die Finger lassen: Buffett kauft Unternehmen und Aktien, wenn er sie für günstig hält. Die meisten Kleinanleger dürfte freilich schon der nominelle Preis des Papiers abschrecken. (Alternativen siehe Kasten)

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