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Warren Buffett : Ausgeprägte Wetten gegen Moody's

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Bild: FAZ.NET

Warren Buffett hat den Ruf, ein langfristig orientierter Anleger zu sein. Indes greift das „Orakel vom Omaha“ durchaus auch mal kurzfristig zu wie bei der Rating-Agentur Moody's. Die Aktie bleibt riskant.

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          Warren Buffett gilt gemeinhin als solider, langfristig orientierter Anleger, der sich moralisch nicht in Versuchung führen lässt. Mit diesem Image lebt er gut und fröhlich, obwohl er faktisch immer wieder das Gegenteil beweist.

          So ist er in den vergangenen Jahren immer wieder große Positionen mit derivativen Produkten eingegangen, obwohl er sie öffentlich als „Massenvernichtungswaffen“ brandmarkte. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise agierte er immer wieder so kurzfristig wie ein Trader.

          Moody's-Aktie - ein Fehlgriff

          Die größte Blöße jedoch gab er sich mit seinem Einkauf bei der Rating-Agentur Moody's. Obwohl er wusste und abschätzen konnte, wie das Unternehmen Umsätze und Gewinne generierte, hatte er in den vergangenen Jahren über seine Gesellschaft Berkshire Hathaway eine große Beteiligung von bis zu 17 Prozent erworben, um sie schließlich in den vergangenen Monaten bei fallenden Kursen nach und nach wieder zu veräußern. Das zeigt erstens, dass Buffett nicht der Saubermann ist, als der er immer wieder dargestellt ist. Zweitens bestätigt das Vorgehen die Beobachtung, dass er nicht nur kauft, „um zu halten“, sondern dass er immer wieder zu taktischen Strategien neigt.

          Tatsächlich hatten sich die Ratingagenturen tief in den Scheinboom mit verbrieften Immobilien- und anderen Zertifikaten und die folgenden Pleiten verstrickt. Mit Gefälligkeitsratings hatten sie zunächst im Rahmen der immer größer werdenden Immobilien- und Verbriefungsblase im Trend steigende Erlöse und Gewinne verbucht. Je klarer jedoch ihre Rolle in diesem Spiel wurde, desto schwächer und volatiler entwickelten sich ihre Erlöse und Gewinne. Heute haben sie große Mühe, mit ihren Geschäftsmodellen noch akzeptiert zu werden. Nicht nur ihr Image hat gelitten, sondern immer mehr Anleger zweifeln an ihrer Unabhängigkeit.

          Mögliche Schadenersatzforderungen können beachtlich sein

          Gleichzeitig kommen immer mehr Konkurrenzunternehmen auf den Markt, die ihre Wachstums- und Ertragschancen weiter schmälern (siehe auch: „Wir wollen Anlegern das Vertrauen zurückgeben“). Das macht die Aktien der Unternehmen - Moody's und McGraw Hill als Muttergesellschaft von S&P - für Anleger riskant, auch wenn sie optisch auf Basis der Gewinnschätzung günstig aussehen mögen. Aus Zweifel an der Zukunft der Geschäftsmodelle und auch aufgrund der Tatsachse, dass die Unternehmen im extremsten Fall sogar mit Schadenersatzklagen von betrogenen Anlegern konfrontiert werden könnten, sind die Aktien längst ins Visier so genannter „Short Seller“ geraten.

          Hedge-Fondsmanager wie Jim Chanos oder David Einhorn halten an ihren Wetten fest, die bei fallenden Kursen der Aktien der beiden Unternehmen zu Gewinnen führen. Der mögliche Schaden sei im Fall von potentiellen Forderung sehr groß im Vergleich zur Möglichkeit der beiden Unternehmen, ihnen nachkommen zu können. Tatsächlich sind etwas mehr als 30 Millionen der Moody's-Aktien leer verkauft worden. Das entspricht knapp 13 Prozent der umlaufenden Papiere. Bei McGraw-Hill ist der Anteil mit knapp drei Prozent geringer.

          Insgesamt dürfte es ratsam sein, sich als Anleger vor jenen Aktien zu hüten, die selbst für den so erfahrenen Buffett eine Lehre waren.

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