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Amerikas Börse : Wall Street wettet auf weitere Rekorde

  • -Aktualisiert am

Auf Rekordkurs: die Wall Street in New York Bild: AFP

Nach der besten Quartalssaison seit sechs Jahren glauben viele Börsianer an weitere Kursgewinne amerikanischer Aktien. Der Grund dafür ist aber nicht mehr Trump.

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          An der Wall Street wächst die Zuversicht. Nach einer über Erwarten gut ausgefallenen Bilanzsaison für das erste Quartal prognostizieren Börsianer fortgesetzt steigende Unternehmensgewinne und entsprechend robustes Kurspotential für amerikanische Aktien. „Die Sorgen um den Aktienmarkt sollten sich zerstreuen, wenn man sich die Gewinnentwicklung des vergangenen Quartals und die Prognosen für den Rest des Jahres ansieht“, sagt Jonathan Golub, Chefstratege für Aktien in der Wertpapiersparte der Royal Bank of Canada.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die Gewinne der im breitgefassten amerikanischen Aktienindex S&P 500 abgebildeten Unternehmen sind nach Angaben des Informationsdienstes Factset im ersten Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahr um 13,6 Prozent gestiegen. Das ist das stärkste Gewinnwachstum seit dem dritten Quartal des Jahres 2011. Das Gewinnwachstum war zudem nicht nur auf einzelne Segmente beschränkt, sondern reichte von Baumaschinenherstellern wie Caterpillar über Internetunternehmen wie Facebook bis hin zu Finanzdienstleistern wie U.S. Bancorp. Unternehmensgewinne spielen langfristig die wichtigste Rolle für den Trend am Aktienmarkt, weil Aktien Anteile an Unternehmen verbriefen.

          Gestützt von der positiven Gewinnentwicklung, ist der S&P 500 in diesem Jahr um knapp 8 Prozent gestiegen. Das erste Quartal war schon das dritte Jahresviertel in Folge mit steigenden Unternehmensgewinnen, und Analysten rechnen auch weiterhin mit einem Aufwärtstrend. Nach Angaben von Factset kalkulieren die Auguren mit einem Zuwachs von knapp 7 Prozent im zweiten Quartal. Für das Gesamtjahr belaufen sich die durchschnittlichen Prognosen derzeit auf ein Plus von 11 Prozent. In der Regel übertreffen die Ergebnisse diese Vorhersagen, weil Unternehmen in ihren Hinweisen an die Analysten gerne tiefstapeln, um die Börsianer am Ende nicht zu enttäuschen.

          An Trumps Plänen zum Wirtschaftswachstum liegt's nicht

          Die latenten Sorgen der Börsianer machten sich trotz der seit der Präsidentenwahl im November stark gestiegenen Kurse zuletzt an mehreren Entwicklungen fest: Der Aktienmarkt ist nach einer seit mehr als acht Jahre anhaltenden Hausse hoch bewertet. Der S&P 500 und der technologielastige Composite-Index der elektronischen Börse Nasdaq sind am Donnerstag auf neue Rekordstände geklettert. Das bedeutet, dass die Gewinne der Unternehmen diese Vorschusslorbeeren rechtfertigen müssen.

          DOW JONES

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          Marktteilnehmer hatten sich in den vergangenen Jahren zudem Sorgen darüber gemacht, dass die Hausse möglicherweise nur von Aktienrückkäufen und den extrem niedrigen Zinsen getrieben wurde – und nicht von besseren Geschäftsaussichten der Unternehmen. Und schließlich schien die Hoffnung auf rasche politische Änderungen nach der Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten zu schwinden. Die Aktienkurse waren zunächst wegen der in Aussicht gestellten Steuersenkungen, der staatlichen Investitionen in Infrastruktur sowie einer avisierten Lockerung der Regulierung vor allem im Bankensektor stark gestiegen. An der Wall Street wurden diese Wetten auf Banken und konjunktursensible Titel als „Trump-Rally“ bezeichnet. In den ersten Monaten seiner Amtszeit wurde jedoch deutlich, dass Trump trotz einer republikanischen Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses wegen innerparteilicher Widerstände Schwierigkeiten hat, seine Gesetzesinitiativen rasch durchzubringen und damit stärkeres Wirtschaftswachstum zu generieren.

          Diese Sorgen wurden im vergangenen Quartal aber von besseren Aussichten für die globale Konjunktur gelindert. Die Rohstoffpreise, die von weltweiter Nachfrage abhängen, stiegen und sorgten für robuste Ergebnisse amerikanischer Energiekonzerne. „Wir haben unser Augenmerk mehr auf das sich bessernde globale Wachstum gelegt als auf die Trump-Wetten“, schrieb der bekannte Hedgefonds-Manager Dan Loeb kürzlich in einem Brief an seine Klienten. „Wir rechnen damit, dass das Wachstum der Unternehmensgewinne die Kurse beflügelt.“ Loeb erwartet aber weiterhin Änderungen der Wirtschafts- und Fiskalpolitik in diesem Jahr und glaubt, dass zyklische, also konjunktursensible Titel davon profitieren werden. Dazu gehören unter anderem Einzelhändler.

          APPLE

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          Börsianer zeigten sich auch beruhigt, dass der Gewinnanstieg mit einem kräftigen Umsatzwachstum einhergeht. Die Umsätze der S&P-500-Unternehmen sind im ersten Quartal durchschnittlich um 7,7 Prozent gewachsen – auch das beste Resultat seit 2011. Überdurchschnittlich viele Unternehmen, 64 Prozent, hatten zudem die Umsatzprognosen der Analysten übertroffen. In den vergangenen Jahren hatten viele Unternehmen auf Kostenkürzungen gesetzt, um ihre Gewinne zu steigern. Aber es scheint, dass die Konzerne wieder mehr in langfristiges Wachstum investieren. Das Volumen von Rückkäufen eigener Aktien liege in diesem Jahr jedenfalls um 18 Prozent unter dem Wert des Vorjahres, heißt es beim Indexanbieter S&P Dow Jones Indizes. Mit Aktienrückkäufen verknappen Unternehmen die Zahl der umlaufenden Aktien und steigern so den Gewinn je Aktie. Damit wollen Unternehmen ihren Aktienkurs stützen. Manche Aktionäre sorgen sich allerdings, dass Rückkäufe auf Kosten von wichtigen Zukunftsinvestitionen gehen.

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