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Wall Street : Sünde zahlt sich aus

  • -Aktualisiert am

Die Sin Stocks - Sündenaktien schneiden gut ab Bild: F.A.Z.

Die Aktienkurse von Tabakkonzernen, Spirituosenherstellern und Glücksspielbetreibern schlagen den Aktienindex S&P 500. Sie profitieren von den Lastern der Kunden.

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          Sünden haben sind in diesem Jahr an der Wall Street ausgezahlt. Aktienkurse von Unternehmen, die von den Lastern ihrer Kunden profitieren, sind deutlich stärker gestiegen als der Aktienindex S&P 500. Am besten unter den „Sin Stocks - den Sündenaktien“, wie sie im Jargon der Wall Street heißen, haben trotz der zunehmenden Ächtung von Zigaretten in Amerika Staaten Tabakkonzerne abgeschnitten.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Der Aktienkurs von Lorillard, dem kleinsten der drei führenden amerikanischen Zigarettenhersteller, ist um rund 35 Prozent gestiegen. Der Kurs der Nummer zwei, Reynolds American, die unter anderem die Marke Camel vertreibt, hat 28 Prozent gewonnen. Die Titel des amerikanischen Marktführers Altria (Marlboro) haben um 17 Prozent zugelegt und die des von Altria abgespaltenen, aber an der New Yorker Börse gehandelten Anbieters Philip Morris International um 29 Prozent. Der S&P 500 liegt im Vergleich zum Jahresbeginn nahezu unverändert.

          Whiskey sticht heraus

          Bei den Herstellern von alkoholischen Getränken sticht der Whiskey-Hersteller Brown-Forman (Jack Daniels) mit einem Kursplus von 16 Prozent hervor. Etwas uneinheitlicher zeigen sich die Aktienkurse großer Betreiber von Kasinos und Hotels, die als konjunkturabhängig und daher als sehr schwankungsanfällig gelten. Die Papiere von Wynn Resorts aus Las Vegas haben sich in diesem Jahr um knapp 10 Prozent verteuert. Konkurrenten wie Las Vegas Sands, dessen Aktienkurs im Vergleich zum Jahresanfang stagniert, und MGM Resorts International haben mit einem Minus von 31 Prozent an der Börse aber deutlich schlechter abgeschnitten.

          Investoren schätzen an Tabak- und Spirituosenherstellern eine gewisse Beständigkeit. „Diese Aktien sind für Anleger attraktiv, die wegen des Aktienmarktes nervös sind und etwas Berechenbareres suchen“, sagt Investmentstratege Sam Stovall von Standard & Poor’s. Nach Angaben von Analysten des Informationsdienstes ist die Nachfrage nach alkoholischen Getränken in den Vereinigten Staaten weitgehend stabil geblieben. Bei Zigaretten gehe die Nachfrage zwar zurück, aber die Abschwächung sei langsam und vorhersehbar. Analyst R.J. Hottovy vom Informationsdienst Morningstar merkt an, dass die Nachfrage nach rauchlosem Tabak in Amerika wächst. Altria und Reynolds haben damit begonnen, in dieses Marktsegment vorzustoßen.

          Lorillard, der vor allem für Menthol-Zigaretten der Marke Newport bekannt ist, konzentriert sich dagegen weiter auf die qualmenden Varianten. Der Konzern hat seinen Marktanteil in den vergangenen drei Jahren von 11 Prozent auf 14 Prozent gesteigert. Lorillard droht allerdings eine verschärfte Regulierung von Mentholzigaretten durch die Bundesbehörden.

          Ein zyklischer Cocktail

          Tabakaktien sind auch für hohe Dividendenrenditen bekannt, was sie für defensiv orientierte Anleger attraktiv macht. Altria weist mit 5,8 Prozent eine der höchsten Dividendenrenditen im S&P 500 auf. Auch die Renditen von Reynolds (5,5 Prozent), Lorillard (5,4 Prozent) und von Philip Morris International (4,2) liegen deutlich über dem Marktdurchschnitt. Nach Angaben des Informationsdienstes Indexarb.com beträgt die durchschnittliche Dividendenrendite im S&P 500 aktuell 2 Prozent. Das entspricht auch der Rendite von amerikanischen Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren. Für Kasinobetreiber wie Wynn und andere große Ketten glaubt Analystin Esther Kwon von Standard & Poor’s an große Wachstumschancen in Asien. Dennis Forst vom regionalen Kreditinstitut Keybank erwartet, dass Wynn von steigenden Erträgen im chinesischen Spielerparadies Macau profitieren wird. Dazu erhole sich auch der wichtige Kasinomarkt in Las Vegas weiter, der nach der Wirtschaftskrise vor ein paar Jahren stark eingebrochen war.

          Wynn konzentriere sich zudem auf eine zahlungskräftige Klientel, die einen wirtschaftlichen Schock besser überstehen könne als die Massenkundschaft an den billigeren Spieltischen. Analyst Thomas Lee von der Bank JP Morgan empfiehlt Wynn gemeinsam mit Las Vegas Sands als Teil eines „Cocktails zyklischer Aktien“, die von einem Aufschwung der Konjunktur profitierten dürften.

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