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Markt für Börsengänge : Neulinge strömen an die Wall Street

  • -Aktualisiert am

Viele Unternehmen folgten dieses Jahr dem Beispiel von Twitter Bild: REUTERS

In den ersten beiden Monaten des Jahres sindschon so viele Unternehmen an die Börse gegangen wie 2007, im Jahr vor der Krise. Andere Indikatoren sind noch besorgniserregender. Der Markt beginnt zu überhitzen.

          Investmentbankern kann es derzeit mit immer neuen Börsendebüts nicht schnell genug gehen. Angesichts der andauernden Aktienhausse sind in den ersten zwei Monaten des Jahres schon 42 Unternehmen an amerikanische Börsen gegangen, mehr als doppelt so viel wie im Jahr davor. Nach Angaben des Informationsdienstes Dealogic gab es im Januar und Februar genauso viele Börsengänge wie im Vorkrisenjahr 2007. Damals hatten die Aktienkurse ebenfalls Höchststände verzeichnet. Danach sorgte die Finanzkrise für heftige Verluste. Unternehmen und Banken versuchen in der Regel ein möglichst hohes und stabiles Kursniveau an den Börsen für Aktienemissionen zu nutzen, weil das eine höhere Nachfrage von Anlegern garantiert.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Der Aufschwung des Marktes für Börsengänge, die im Jargon der Wall Street als Initial Public Offerings (IPO) bekannt sind, scheint sich fortzusetzen. In der vergangenen Woche hat die Investmentbank Moelis ihr eigenes Börsendebüt angekündigt. Dazu soll auch das große chinesische Internetunternehmen Alibaba entsprechende Pläne hegen.

          Nach bestimmten Maßstäben ist der IPO-Markt sogar überhitzter als im Jahr 2007. Nach Berechnungen des Finanzprofessors Jay Ritter von der Universität von Florida zahlen Investoren im Median bei einem Börsengang derzeit das 14,5fache des Jahresumsatzes für die Aktien eines Unternehmens. Die Hälfte der Börsenneulinge nehmen also weniger, die andere Hälfte mehr ein. Im Jahr 2007 zahlten Investoren nur das Sechsfache des Jahresumsatzes. Allerdings ist der IPO-Markt noch weit von den Übertreibungen des Jahres 2000 entfernt. Auf dem Höhepunkt der spekulativen Internetblase kannten Anleger fast keine Grenzen. Sie zahlten damals das Dreißigfache des jährlichen Umsatzes.

          Fast drei Viertel der Unternehmen sind nicht profitabel

          Auch das Tempo, mit dem Unternehmen bei der Börsenaufsicht Anträge für Börsengänge einreichen, nimmt deutlich zu. Nach Angaben des auf Börsengänge spezialisierten Wertpapierhauses Renaissance Capital haben im Januar und Februar 56 Unternehmen entsprechende Formulare eingereicht. Im gleichen Zeitraum des Jahres 2007 waren es nur 35 Firmen gewesen. „Das wachsende Interesse lockt eine ganze Reihe von Unternehmen aus der Versenkung, die in der Vergangenheit nicht an die Börse hätten gehen können“, sagte William Bowmer, der für die britische Bank Barclays Börsengänge von Technologieunternehmen in Nord- und Südamerika betreut, gegenüber dem „Wall Street Journal“.

          Investoren, die den Zuschlag für Aktien zu den jeweiligen Ausgabepreisen bekommen hatten, haben gut verdient. Im Durchschnitt sind die Kurse von Börsenneulingen in diesem Jahr um 19 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Der breit gefasste Aktienindex S&P 500 liegt in diesem Jahr nur mit knapp 2 Prozent im Plus, bewegt sich aber auf Rekordniveau.

          Professor Ritter deutet noch auf ein anderes Zeichen für eine mögliche Überhitzung des Marktes. In diesem Jahr sind fast drei Viertel der Unternehmen, die erfolgreich an die Börse gegangen sind, nicht profitabel. Nach Einschätzung von Analysten der Investmentbank Morgan Stanley fragen sich Profianleger deswegen schon seit vergangenem Herbst, ob sich wieder eine spekulative Blase an der Wall Street bildet.

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