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Wall Street : Finanzwerte: Besser als befürchtet?

  • -Aktualisiert am

Neue Kredite - oder Geld zurück? Bild: AP

Vor den Augen der Investoren verschwanden Billionen von Dollars innerhalb einer einmonatigen Ausverkaufsphase. Eine Überraschung hierbei: Finanzaktien schlugen sich nicht so schlecht wie vielfach befürchtet.

          Unternimmt man eine Bestandsaufnahme der Kurskorrektur des vergangenen Monats, so ergeben sich erschreckende Zahlen: TrimTabs Investment Research schätzt, dass der Gesamtwert oder die Marktkapitalisierung der amerikanischen Aktien vom Markthöhepunkt Mitte Juli bis Mitte August um 10,5 Prozent gefallen ist. Damit sind binnen vier kurzer Wochen 2,2 Billionen amerikanische Dollar von den Aktienmärkten der Vereinigten Staaten verschwunden.

          Nach nahezu einhelliger Ansicht nahm das Unheil mit riskanten Hypothekenforderungen, die Finanzinstitutionen auf der ganzen Welt sich innerhalb der letzten Jahre in großen Mengen aufgebürdet haben, seinen Lauf. Im Juli funktionierten dann die Schuldenmärkte nicht mehr vernünftig, und die Investoren begannen sich zu fragen, wie viele „verseuchte“ Kreditforderungen sich wohl in all den Bilanzen verstecken mögen.

          Mit anderen Worten: Es handelte sich um eine Finanzkrise, nicht unbedingt um eine Krise für die Weltwirtschaft außerhalb des amerikanischen Wohnungsmarktes.

          Finanzaktien sind dem Schlag ausgewichen

          Man sollte also denken, dass die Finanzaktien während des vergangenen Monats hiervon am stärksten betroffen gewesen sind. Aber so war es nicht.

          Im vergangenen Monat sind rund 961 Milliarden amerikanische Dollar an Marktkapitalisierung aus dem Standard & Poor's 500-Aktienindex, einem Aktienindex, der die amerikanische Binnenwirtschaft widerspiegelt, verschwunden. Obwohl der Finanzsektor mehr als 20 Prozent des S&P 500 ausmacht (es ist der mit Abstand größte Sektor), stammten lediglich 149 Milliarden amerikanische Dollar oder. 15,5 Prozent des Marktkapitali¬sierungs¬verlustes von Unternehmen des Finanzsektors.

          S&P-eigenen Angaben zufolge fielen Finanzaktien im vergangenen Monat um 5,25 Prozent, während der S&P 500 um 6,8 Prozent gesunken ist. Bei weitem stärker waren Aktien der Sektoren Energie, Grundstoffe und dauerhafte Konsumgüter betroffen, die um 10 Prozent oder mehr abstürzten.

          Warum? Es ist schwierig, wenn nicht gar unmöglich zu erklären, was den Aktienmarkt antreibt. Die Preise werden durch Millionen von Anlegern bestimmt, die Tag für Tag basierend auf Millionen von Informationen handeln. Morningstar zufolge haben Krankenhausaktien im vergangenen Monat mehr als 23 Prozent eingebüßt; dafür kann man schwerlich den Subprime-Markt verantwortlich machen.

          Es scheint zwei hauptsächliche Erklärungsansätze dafür zu geben, wer von der sommerlichen Korrektur an der Wall Street voll erwischt wurde und wer mit dem blauen Auge davongekommen ist.

          Der erste: Panikverkäufe

          Das Angstniveau hat diesen Sommer beträchtliche Höhen erreicht. John Merrill, ein Marktveteran mit 30-jähriger Erfahrung und Chief Investment Officer bei Tanglewood Capital Management in Houston, erklärt, dass die Panik anfing, als die Eigentümer hypothekarisch gesicherter Wertpapiere erkannten, dass sie ihre Papiere nicht verkaufen konnten und nicht einmal in der Lage waren, ihren tatsächlichen Wert zu bestimmen. Aus diesem Grunde waren viele gezwungen, ihre „guten Anlagen“ zu verkaufen, um an Geld zu kommen. Hedge-Fonds und andere „mussten irgendwann ja ihr Geld herausrücken“, so Merrill. Also wurde „alles, was sich verkaufen ließ, auch verkauft“. Dies ist die einzige Erklärung dafür, warum auch extrem sichere Investitionen wie Kommunalobligationen hoher Qualität im Preis gesunken sind, erklärt Merrill.

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