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Wall Street : Die Wiederbelebung der Dividende

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Amerikas Aktiengesellschaften planen angesichts steigender Gewinne die Erhöhung ihrer Dividenden. Die gesamten Ausschüttungen werden aber unter denen des Vorjahres liegen. Fachleute erwarten eine Aufholjagd der Dividendentitel.

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          An der Wall Street zeichnet sich nach einer längeren Durststrecke eine Renaissance der Dividende ab. Seit Anfang des Jahres haben im amerikanischen Aktienindex S&P 500 abgebildete Unternehmen netto eine Erhöhung der Ausschüttung an Aktionäre um 4,4 Milliarden Dollar angekündigt. Nach Angaben des Informationsdienstes Standard & Poor's ist das der höchste Zuwachs seit 2007. In diesem Quartal haben schon 77 Unternehmen eine Erhöhung der Ausschüttung angekündigt, nur zwei wollen sie reduzieren.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Setzt sich dieser Trend fort, wäre es ein weiteres Indiz für eine Stabilisierung der Börsen und der amerikanischen Konjunktur. Denn die erwartete Wende folgt auf zwei Jahre, in denen eine schwere Wirtschaftskrise die Unternehmen im Griff hatte. Unternehmen im S&P 500 kürzten 2008 und 2009 ihre Dividenden um die Rekordsumme von insgesamt 88 Milliarden Dollar.

          Ausschüttungen werden unter denen des Vorjahres liegen

          Trotz der nun angekündigten Dividendenerhöhungen werden die gesamten Ausschüttungen im ersten Quartal weiter unter denen des Vorjahres liegen. Aber für das gesamte Jahr 2010 rechnet S-&-P-Analyst Howard Silverblatt nun mit einem Anstieg der Dividenden um 5,6 Prozent. Unternehmen erwägen die Erhöhung ihrer Dividenden, weil ihre Gewinne nach Kostenkürzungen und der jüngsten wirtschaftlichen Erholung wieder steigen. Für die kommenden Quartale erwarten Analysten im Durchschnitt prozentual zweistellige Gewinnzuwächse.

          In der vergangenen Woche hatte der Mischkonzern General Electric (GE) die Erhöhung der Ausschüttung avisiert. "Wir nennen keine genauen Zahlen, aber wir erwarten ein Wachstum der Dividende im Jahr 2011", sagte Finanzchef von GE, Keith Sherin, auf einer Investorenkonferenz. Der Aktienkurs reagierte darauf im Wochenverlauf mit einem Gewinn von 6 Prozent. GE gilt wegen seiner breiten Produktpalette, die von Haushaltswaren bis zu Flugzeugmotoren reicht, als eine Art Konjunkturindikator. Der Traditionskonzern hatte im Februar des vergangenen Jahres unter dem Eindruck des Konjunkturabschwungs erstmals seit der großen Wirtschaftskrise der dreißiger Jahre die Dividende gekürzt.

          An der Wall Street wird nun auf weitere Entscheidungen in Unternehmen gewartet, die den erwartet positiven Trend bestätigen könnten. "Der April ist ein entscheidender Monat, weil mehrere große Dividendentitel traditionell eine Erhöhung der Ausschüttung ankündigen", sagt Analyst Silverblatt. Zu diesen Aktiengesellschaften gehören der Ölproduzent Exxon Mobil, der Technologiekonzern IBM, der Medizinhersteller Johnson & Johnson und der Konsumgüterriese Procter & Gamble. Die vier Unternehmen zahlen mehr als ein Zehntel aller Dividenden im S&P 500. Silverblatt glaubt zudem, dass Dividenden künftig eine stärkere Rolle für Anlageentscheidungen spielen werden. "Investoren werden ihren Schwerpunkt zunehmend auf Dividendentitel sowohl für kurzfristiges Einkommen als auch für längerfristige Wertsteigerung setzen", prognostiziert der Analyst. Mit Dividenden können Anleger selbst profitieren, wenn der Aktienkurs eines Unternehmens stagniert. In den vergangenen zwei Jahrzehnten machten Dividendenzahlungen mehr als ein Viertel der Gesamtrendite im S&P 500 aus.

          Kursentwicklung der Dividendenwerte hinkt hinterher

          Die amerikanischen Börsen haben sich seit ihren Tiefständen vor etwas mehr als einem Jahr wieder erholt. Getrieben wurde dieser Aufschwung allerdings überwiegend von kleineren Aktiengesellschaften, die in der Regel keine Dividenden zahlen. Die Aktienkurse der großen Dividendenwerte hängen den einschlägigen Börsenbarometern zumindest teilweise hinterher. So haben sich die Aktienkurse von Exxon, IBM, Johnson & Johnson und Procter & Gamble in den vergangenen zwölf Monaten jeweils schwächer entwickelt als der S&P 500, der um mehr als 50 Prozent geklettert war.

          Wie Silverblatt erwarten auch andere Fachleute eine Aufholjagd der Dividendenwerte. "Ich glaube, wir treten in eine vielleicht fünf Jahre dauernde Phase ein, in der Investoren nach mehr Rendite suchen werden, wo auch immer sie sie bekommen", meint David Prokupek, der die Anlagen beim Vermögensverwalter Consumer Capital Partners verantwortet. Prokupek hat in diesem Jahr Aktien der Telefongesellschaften AT&T und Verizon gekauft, deren Dividendenrendite über 6 Prozent liegt Die Dividendenrendite wird ermittelt, indem man die Dividende durch den Aktienkurs teilt. Zum Vergleich: Der S&P 500 kommt derzeit auf eine durchschnittliche Dividendenrendite von knapp 1,9 Prozent. Amerikanische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit rentieren mit rund 3,7 Prozent.

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