https://www.faz.net/-gv6-zz2y

Wall Street : Die Obama-Aktien

  • -Aktualisiert am

Traditionell baut die Wall Street eher auf einen Republikaner im Weißen Haus Bild: dpa

Traditionell baut die Wall Street lieber auf einen Republikaner im Weißen Haus. Dabei legten die Aktienkurse bislang unter demokratischen Präsidenten stärker zu. Von Obamas Wahlsieg werden die Branchen Konsum, Infrastruktur und erneuerbare Energien profitieren, glauben Analysten.

          4 Min.

          Die Euphorie, die Barack Obamas Wahl zum amerikanischen Präsidenten in den Vereinigten Staaten auslöst, könnte auch die Wall Street erreichen. Die möglichen Gewinner unter den amerikanischen Aktien ziehen sich durch zahlreiche Branchen:

          Die Wahl des Demokraten sei gut für die amerikanischen Auto-Aktien, meinen Robbert van Batenburg und Wilson Mui von Louis Capital Research. Ford, Chrysler und General Motors litten in der Vergangenheit besonders stark unter der drohenden Rezession in den Vereinigten Staaten wie auch unter einer verfehlten Modellpolitik. Sie hatten nach Meinung vieler Analysten zu lange auf Autos mit großem Hubraum und hohem Spritverbrauch gesetzt, während japanische Hersteller, allen voran Toyota, früh auf kleinere Wagen setzten, die in einer Wirtschaftskrise bessere Absatzchancen haben.

          Ein Demokrat bekommt der Wall Street besser

          Generell haben Konsumaktien unter Obama bessere Chancen als unter seinem republikanischen Wahlkampfgegner John McCain. Denn der erste schwarze Präsident im Weißen Haus will mit 115 Milliarden Dollar den amerikanischen Konsum ankurbeln. Das soll besonders Familien mit niedrigem Einkommen zugute kommen.

          Mani Govil, Fondsmanager bei RS Investments und verantwortlich für den 700 Millionen Dollar schweren RS Large-Cap Alpha Fund, setzt auf klassische Konsumtitel wie die der Fast-Food-Kette McDonald's. Seiner Meinung nach werde das Unternehmen von fallenden Rohstoffpreisen, robustem Umsatz auf vergleichbarer Ladenfläche und einer Expansion der von Franchise-Nehmern geführten Restaurants profitieren. „Außerhalb der Vereinigten Staaten werden von McDonald's selbst betriebene Läden an lokale Unternehmer verkauft, die für gewöhnlich Vermarktungsvorteile besitzen, da sie stärker in die lokalen Märkte eingebunden sind“, sagt Govil.

          Infrastrukturunternehmen dürften profitieren

          Dies sollte nicht nur konsumnahen Aktien zugute kommen, sondern auch Werten, die mittelbar von einer höheren privaten Nachfrage profitieren. Die beiden Aktienexperten von Louis Capital Research trauen trotz der Immobilienkrise Kurschancen auch den Aktien von Unternehmen zu, die auf den Bau von preisgünstigen Häusern spezialisiert sind.

          Zu den Gewinnern des staatlichen Ausgabenprogramms, das Obama plant, dürften auch die Aktien von Infrastrukturunternehmen zählen. Ohnehin gelten Straßen, das Telefonnetz und generell die Versorgung mit Strom, Wasser und Gas zu jenen Branchen in den Vereinigten Staaten, in denen sich in den vergangenen Jahren ein großer Investitionsstau gebildet hat.

          Von höheren Investitionen in Straßenbau und Bauwirtschaft könnte auch der Hersteller von Baumaschinen Caterpillar profitieren. Der Konzern stellt jedoch auch Motoren her, die in Lkws und Lokomotiven sowie bei der Marine und der Energiewirtschaft eingesetzt werden. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7,1 und einer Dividendenrendite von aktuell 3,8 Prozent ist das Unternehmen aus Illinois günstig an der Börse bewertet.

          Auch John Deere und Abfallentsorger kommen in den Fokus

          William Nobrega von der Investmentberatungsgesellschaft Conrad Group, geht davon aus, dass sich Industriegüterhersteller wie Caterpillar und Deere & Co infolge von starken Auslandsumsätzen und aufgrund von bevorstehenden Infrastrukturinvestitionen in den Vereinigten Staaten, die sich allein im Jahr 2009 auf bis zu 150 Milliarden Dollar belaufen könnten, gut behaupten dürften. Auch Unternehmen im Bereich erneuerbare Energien wie Johnson Controls und Umweltdienstleister wie Waste Management seien Nobrega zufolge gute Kaufgelegenheiten.

          Der Name des Favoriten von Fondsmanager Govil entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Nach dem Sieg des Kandidaten der Demokraten empfiehlt er ausgerechnet ein Unternehmen namens Republic Services (Die Aktien von Republic Services profitieren vom Sieg des Demokraten Obama). Es ist der drittgrößte Abfallentsorger auf dem amerikanischen Markt und will gerade mit Allied Waste, dem zweitgrößten, fusionieren. Govils Einschätzung nach hat Republic Services das beste Management der großen Drei in diesem Geschäft.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Deal mit Amerika : Ein Erfolg für Erdogan

          Die Verhandlungen des türkischen Staatspräsidenten mit dem amerikanischen Vizepräsidenten Mike Pence führen zu einer fünf Tage langen Waffenruhe. Wie hoch ist der Preis? Eine Analyse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.