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Wall Street : Die Ampeln springen auf Gelb

  • -Aktualisiert am

Jahresendabrechnung: Aktienhändler in New York an Silvester Bild: AP

Die besten Jahre liegen erst einmal hinter der Börse in New York - auch wenn die Kurse voraussichtlich weiter steigen werden. Strategen setzen 2014 auf Aktien von Nachzüglern.

          Die höchsten Kursgewinne an der Wall Street sind wohl schon eingestrichen. Nach einem Rekordjahr an den amerikanischen Börsen rechnen Fachleute für 2014 überwiegend mit prozentual nur noch einstelligen Kursgewinnen für große Marktbarometer wie den S&P 500. „Der Markt hat sich im vergangenen Jahr sehr gut entwickelt, was einige erwartete Zuwächse der kommenden Jahre schon vorweggenommen hat“, sagt John Linehan, der bei der großen Fondsgesellschaft T. Rowe Price in Baltimore für amerikanische Aktien verantwortlich ist. „Unsere Ampel springt eindeutig von Grün auf Gelb“, mahnt Linehan.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          „Investieren Sie, aber lassen Sie Vorsicht walten.“ Der marktbreite Aktienindex S&P 500 hat den Handel am Silvestertag mit leichten Aufschlägen und einem Rekord von 1.848 Punkten beendet. Das entspricht einem Gewinn von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Dow-Jones-Index, der 30 Standardtitel abbildet, ging ebenfalls mit einem Rekord von 16.577 Punkten und einem Jahresplus von etwa 27 Prozent aus dem Handel.

          Die Kurven von Dow Jones, S & P 500 und Nasdaq 100 verlaufen klar nach oben

          Für beide Indizes waren es die besten Jahre seit fast zwei Jahrzehnten. Getrieben wurden die Kurse im vergangenen Jahr von der lockeren Geldpolitik der Notenbank Fed und den sich aufhellenden konjunkturellen Aussichten für die Vereinigten Staaten. Triebfedern der Hausse waren daher konjunktursensible Titel – zyklische Konsumwerte, Technologieaktien und Finanzwerte.

          Zu den Spitzenwerten im S&P 500 zählten der Online-Videoverleih Netflix, der Halbleiterkonzern Micron Technology und die Direktbank E-Trade Financial (siehe Grafik). Nach Ansicht von Savita Subramanian, die bei der Bank of America Merrill Lynch die Anlagestrategie leitet, ist das typisch für die Frühphase einer konjunkturellen Erholung. Die Fed hatte im Dezember angesichts eines robusteren Wirtschaftswachstums beschlossen, von ihrer extrem lockeren Geldpolitik etwas abzurücken. Die Notenbank reduziert von diesem Monat an ihre monatlichen Anleihenkäufe, mit denen sie die langfristigen Zinsen niedrig halten will.

          Gleichzeitig bekräftigte die Fed, die Leitzinsen und somit die kurzfristigen Zinsen auf absehbare Zeit bei nahezu null Prozent zu belassen. „Der Markt entwickelt sich typischerweise recht gut in dem Zeitraum, in dem das billige Geld zwar weicht, aber bevor die Fed die Leitzinsen wieder erhöht“, sagt Subramanian.

          „Das ist wahrscheinlich eine Kaufgelegenheit“

          Die Aktienkurse werden daher voraussichtlich weiter steigen. Anführer der Hausse dürften in dieser Übergangsphase Titel sein, die am stärksten vom Wirtschaftswachstum profitieren. Neben Technologieaktien favorisiert Subramanian Industrie- und Energieunternehmen. Energiekonzerne wie Exxon Mobil zählten im vergangenen Jahr zu den Nachzüglern im Dow Jones. Neben Exxon Mobil setzt Subramanian auch auf überdurchschnittliche Kursaufschläge bei Mischkonzernen wie General Electric und 3M sowie bei den Technologieriesen Apple und Microsoft.

          Sie rechnet bis Ende 2014 für den S&P 500 mit einem Stand von 2.000 Punkten. Mit einem erwarteten Kursaufschlag von gut 8 Prozent ist die Strategin damit etwas optimistischer als ihre Kollegen an der Wall Street, die für den S&P 500 einen durchschnittlichen Anstieg auf 1.950 Punkte unterstellen. Fondsmanager Linehan erwartet ebenfalls eine zwischenzeitliche Korrektur des Aktienmarktes im neuen Jahr. Trotz gestiegener Vorsicht setzt sich dann doch sein Optimismus durch. „Das ist wahrscheinlich eine Kaufgelegenheit“, hofft Linehan.

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