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Wall Street : Amerikas Markt für Börsengänge belebt sich

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Im April haben schon drei Unternehmen an der Wall Street debütiert. Das ist mehr als in den gesamten sechs Monaten zuvor. Die jüngsten Aktivitäten werden als erste Anzeichen von Tauwetter im lange eingefrorenen Markt für Börsengänge gewertet.

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          An der Wall Street gibt es erste Anzeichen von Tauwetter im lange eingefrorenen Markt für Börsengänge. Angesichts der allgemeinen Erholung der Aktienkurse seit Anfang März haben im April bereits drei Unternehmen an amerikanischen Börsen debütiert. Allein in dieser Woche sind zwei Unternehmen erstmals an der New Yorker Börse Nyse gehandelt worden, der Sprachlernsoftwarehersteller Rosetta Stone und die Online-Universität Bridgepoint Education. In den vergangenen Tagen zogen aber auch fünf Börsenkandidaten ihre Anträge zurück - darunter Current Media, ein vom früheren Vizepräsidenten Al Gore mitgegründeter Kabelfernsehsender.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Dennoch übertraf die Zahl der erfolgreichen Erstemissionen im April die gesamte Ausbeute der vergangenen sechs Monate. Im vierten Quartal 2008 und im ersten Quartal 2009 hatte wegen der herrschenden Unsicherheit unter Investoren jeweils nur ein Unternehmen den Gang an die Börse gewagt. „Es ist ein kleines Zeichen, dass sich der Markt für Börsengänge zu öffnen beginnt“, kommentierte Kathleen Smith, die Gründerin des Wertpapierhauses Renaissance Capital die jüngsten Aktivitäten. In dieser Woche hatte auch das Internetunternehmen Ebay die Abspaltung des Telefondienstes Skype für die erste Hälfte 2009 angekündigt.

          Auf Firmenkunden und Regierungsaufträge stützen

          Investmentbanker berichten von wiedererwachendem Interesse an Börsengängen. „Von Tag zu Tag haben wir mehr Gespräche mit Unternehmen über Börsengänge als in den vergangenen sechs bis neun Monaten“, sagt Daniel Cummings, einer der beiden Leiter des Aktienmarktgeschäftes für Nord- und Südamerika bei der Bank of America. Das Jahr 2008 war das schwächste Jahr für Börsengänge an der Wall Street seit 1978. Nach Angaben von Renaissance Capital hatten nur 43 Unternehmen erstmals Aktien emittiert.

          Der erfolgreichste Börsengang (IPO) unter den drei Emissionen im April war der von Rosetta Stone, deren Aktien am Donnerstag mit einem Kurs von bis zu 26 Dollar debütierten. Die Nachfrage nach den Papieren war so hoch, dass bereits der Ausgabepreis mit 18 Dollar je Aktie über der zuvor anvisierten Kursspanne von 15 bis 17 Dollar lag. Es war das erste Mal seit dem IPO des Industriepumpenherstellers Colfax vor knapp einem Jahr, dass der Ausgabepreis bei einem Börsendebüt an der Wall Street angehoben wurde. Rosetta Stone ist in den Vereinigten Staaten jüngst mit einer auffälligen Werbekampagne stärker bekannt geworden. Unter anderem verpflichtete das Unternehmen dafür den Schwimmstar Michael Phelps, der bei der Olympiade in Peking acht Goldmedaillen gewonnen hatte. Dazu hat das Unternehmen eigene Verkaufsstände in Flughäfen und Einkaufszentren, um den Bekanntheitsgrad der Marke zu steigern.

          Um die Abhängigkeit von den derzeit unsichereren Verbrauchermärkten zu minimieren, hat Rosetta Stone sich zuletzt allerdings stärker auf Firmenkunden und Regierungsaufträge gestützt. Für die amerikanische Armee entwickelte das Unternehmen ein Lernprogramm für Arabisch. Insgesamt hat Rosetta Stone bei dem IPO 112,5 Millionen Dollar Eigenkapital aufgenommen. Damit soll unter anderem die internationale Expansion finanziert werden. Bisher kommen nur 5 Prozent des Umsatzes aus Auslandsmärkten.

          Der Wettbewerb ist härter geworden

          Im Vergleich zu Rosetta Stone war die Nachfrage nach Aktien der am Mittwoch erstmals gehandelten Online-Universität Bridgepoint Education eher schleppend. Bridgepoint musste den Ausgabepreis von der avisierten Spanne von 14 bis 16 Dollar je Aktie auf 10,50 Dollar zurücknehmen. Insgesamt emittierte Bridgepoint schließlich Aktien im Volumen von 141,8 Millionen Dollar. Am ersten Handelstag legte der Aktienkurs jedoch um 6 Prozent zu. Rosetta galt schon im Vorfeld als der stärkere Börsenkandidat, obwohl beide Firmen ein kräftiges Umsatzwachstum verbuchen.

          Allerdings ist der Wettbewerb zwischen Online-Universitäten härter geworden, weil in den vergangenen Jahren eine Reihe dieser Bildungseinrichtungen gegründet wurde. Den Auftakt der Börsengänge an der Nyse in diesem Jahr hatte im Februar der große amerikanische Babynahrungshersteller Mead Johnson gemacht. Darauf folgte in der vergangenen Woche der chinesische Videospielhersteller Changyou.com an der elektronischen Börse Nasdaq. Die Ausgabepreise für beide Gesellschaften hatten am oberen Ende der vorher festgesetzten Kursspanne gelegen. Der Aktienkurs von Mead Johnson ist seither um 11 Prozent und der von Changyou.com um 71 Prozent gestiegen. Mead Johnson war mit Abstand der größte Börsengang dieses Jahres an der Wall Street. Die vom Pharmakonzern Bristol-Myers abgespaltene Tochtergesellschaft nahm 720 Millionen Dollar Eigenkapital auf - fast doppelt so viel wie die drei anderen Unternehmen zusammen.

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