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Wall Street : Amerikanische Bankaktien haussieren

  • -Aktualisiert am

Eine Aktie für Anleger mit guter Laune: Wells Fargo ist nach dem Börsenwert die größte amerikanische Bank Bild: AFP

An der Wall Street gehörten Finanzaktien zu den besten Marktsegmenten des vergangenen Jahres. Insbesondere die Titel der großen Banken legten zu. Die weiteren Aussichten sind jedoch unsicher.

          Fünf Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise interessieren sich Anleger an der Wall Street wieder für Bankaktien. Finanztitel gehörten im vergangenen Jahr zu den besten Segmenten des amerikanischen Aktienmarktes. Der KBW Bank Index, ein vielbeachtetes Branchenbarometer, kletterte im Jahr 2013 um 35 Prozent. Er hat auch in den ersten Handelstagen dieses Jahres weiter leicht zugelegt. Damit entwickelten sich Bankaktien besser als der Gesamtmarkt, der gemessen am S&P 500 2013 knapp 30 Prozent an Wert gewann.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Große Wertpapierhäuser und Vermögensverwalter schnitten noch besser ab, was auf die Hausse an den Börsen zurückzuführen ist. Der S&P 500 Capital Markets Index schnellte um 49 Prozent nach oben – so stark wie noch nie. Die Hausse der Finanzwerte spiegelt sich auch in den Geldzuflüssen der Investmentfonds. Nach Angaben des Informationsdienstes Lipper haben auf Finanzwerte spezialisierte Fonds soviel Geld eingenommen wie seit der großen Krise nicht mehr.

          Dennoch beurteilen Analysten die weiteren Aussichten für Bankaktien kontrovers. Optimisten setzen auf einen positiven Effekt des wirtschaftlichen Aufschwungs, der sich in steigendem Kreditvolumina und höheren Zinsmargen niederschlagen könnte. Für Banken im Kapitalmarktgeschäft könnte eine wachsende Zahl von Börsengängen und Unternehmensfusion zu höheren Einnahmen führen – obwohl die Erträge im Anleihehandel zuletzt nachgegeben haben. „Da alle Zeichen in diesem Jahr auf eine kräftige Konjunktur deuten, sind Finanzaktien attraktiv“, glaubt John Carey, Fondsmanager des Pioneer Fund. Die viertgrößte amerikanische Bank Wells Fargo nach der Bilanzsumme war Ende November die viertgrößte Position des Fonds. Pessimisten sorgen sich allerdings wegen der schon deutlich gestiegenen Aktienkurse der Banken, was die weiteren Aussichten für Kursgewinne schmälern könnte.

          Die Zinsmarge der Banken wächst weiter

          „Die großen Banken scheinen nicht länger billig zu sein“, sagt Analyst Christopher Mutascio vom Wertpapierhaus Keefe, Bruyette & Woods. Die Gewinne der Geldhäuser seien in den vergangenen Jahren von robusten Hypothekengeschäft und verbesserter Kreditqualität getrieben worden. In Zukunft könnten Banken aber nicht mehr mit dieser Art Rückenwind rechnen. Viele Hausbesitzer hatten ihre Darlehen zu günstigeren Konditionen refinanziert, da die Hypothekenzinsen wegen der extrem lockeren Geldpolitik der Notenbank Fed stark gesunken waren. Wirtschaftswachstum und sinkende Arbeitslosigkeit erlaubten es Banken zudem, weniger Rückstellungen für ausfallgefährdete Kredite zu bilden. Die Fed drosselt die Anleihenkäufe, mit denen sie die langfristigen Zinsen niedrig halten will, aber von diesem Monat an.

          Hypothekenzinsen waren im vergangenen Jahres schon deutlich gestiegen, weil an den Anleihemärkten mit einer Kehrtwende der Fed gerechnet wurde. Die Folge: Einnahmen der Banken aus dem Refinanzierungsgeschäft gerieten unter Druck. Analyst Mutascio rechnet für die größten amerikanischen Banken, darunter Marktführer JP Morgan Chase und Wells Fargo, in diesem Jahr nur mit einem Gewinnwachstum von 2 Prozent im Median – eine Hälfte des Gewinnwachstums fällt demnach höher, die andere niedriger aus. Für das vergangene Jahr rechnet Mutascio im Median mit einem deutlich höheren Gewinnwachstum von 16 Prozent. JP Morgan und Wells Fargo werden am Dienstag kommender Woche als erste der großen Banken ihre Ergebnisse für das vierte Quartal vorlegen.

          Gerard Cassidy, Bankenanalyst der Royal Bank Canada, unterstellt ein wachsendes Vertrauen von Verbrauchern und Unternehmen in die amerikanische Wirtschaft, nachdem die Fed etwas vom Gas gegangen ist. „Wir rechnen für 2014 im Gegensatz zu 2013 mit einem stärkerem Wachstum des Kreditvolumens“, sagt Cassidy, der Bankaktien auch auf dem schon gestiegenen Kursniveau immer noch für unterbewertet hält. Die Titel könnten zudem von höheren Dividendenausschüttungen und Rückkäufen eigener Aktien profitieren. Bankfachleute an der Wall Street achten auch stark auf die Zinserträge, die sich wegen der etwas gestiegenen langfristigen Zinsen nun bessern könnten. Die Leitzinsen, zu denen sich Banken refinanzieren, tendieren allerdings weiter gegen null Prozent. Das erhöht die Zinsmarge der Banken.

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