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Wall Street : Trump-Wahl treibt Kurse der Bankaktien

  • -Aktualisiert am

Auch die Aktien von JP Morgan sind am Mittwoch gefragt. Bild: Reuters

Die Bankaktien profitieren vom Wahlsieg Donald Trumps. Entgegen seiner Rhetorik will Trump den Geldhäusern mehr Freiheiten geben.

          3 Min.

          Eine vermeintliche Nähe zur Finanzbranche war im amerikanischen Präsidentschafts- und Kongresswahlkampf gefährlich. Im Bundesstaat Maine wurde der republikanische Abgeordnete Bruce Poliquin als „egoistischer Wall-Street-Millionär“ verunglimpft, weil er vor seiner politischen Karriere bei einer Sparkasse und einer Fondsgesellschaft gearbeitet hatte.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die unterlegene demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton wurde in den Vorwahlen erst vom ihrem innerparteilichen Konkurrenten Bernie Sanders attackiert, weil sie nach ihrer Zeit als Außenministerium für sechsstellige Summen Reden bei Goldman Sachs und der Deutschen Bank gehalten hatte. Dann stieß Donald Trump ins gleiche Horn und  kritisierte im TV-Duell Clintons Werbespots, die „von Deinen Freunden an der Wall Street bezahlt wurden, die so viel Geld gespendet haben, weil sie wissen, dass Du sie beschützen wirst“.

          Kurioserweise sind es aber gerade Aktien von Banken und anderen Finanzdienstleistern, die an der Börse von einem Sieg des New Yorker Immobilienunternehmers und Wall-Street-Kritikers profitieren. Finanztitel regieren sehr sensibel auf Wahlen - und schienen schon im Vorfeld einen Sieg von Trump zu bevorzugen. Gerade diese Titel reagierten mit am stärksten auf positive Umfrageergebnisse für Trump.

          Die stärkste Korrelation mit positiven Umfrageergebnissen von Trump hatte die Investmentbank Morgan Stanley, gefolgt von der Direktbank E-Trade und der Regionalbank Fifth Third Bancorp, dem Börsenkonzern CME Group und der Bank of America. Finanztitel hatten sich in diesem Jahr trotz einer Kurserholung in den vergangenen Monaten, gemessen am KBW Nasdaq Bank Index schlechter entwickelt als der Gesamtmarkt.

          Am Mittwoch liegen die Bankaktien deutlich im Plus, allen voran die CME Group mit einem Plus von fast 6 Prozent. Goldman Sachs profitieren mit einem Aufschlag von 3,5 Prozent am wenigsten.

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          Ein wichtiger Grund für die starke Korrelation von Finanzaktien mit Trumps Wahlaussichten dürfte seine Position zur Finanzmarktregulierung sein. Trotz aller populistischen Kritik an den Verbindungen Clintons zur Wall Street will Trump nämlich das 2010 von einer demokratischen Mehrheit im Kongress verabschiedete Dodd-Frank-Gesetz kippen. Das Gesetz war eine Reaktion auf die schwere Finanz- und Wirtschaftskrise des Jahres 2008 und verschärfte die Regulierung der Branche.

          Unter anderem wurde der Eigenhandel von Banken mit Wertpapieren beschnitten und eine Verbraucherschutzbehörde für Finanzprodukte geschaffen. Einer der Gründe für die Krise war eine zu lockere Vergabe von Hypotheken, die als verbriefte Wertpapiere von Banken gehandelt wurden. Die neue Verbraucherschutzbehörde machte erst kürzlich mit einer Strafe für die drittgrößte Bank Wells Fargo Schlagzeilen. Tausende Mitarbeiter, der für aggressive Vertriebsmethoden bekannten Bank hatten ungefragt fiktive Konten für Kunden eröffnet, um ihre ambitionierten Vertriebsziele zu erreichen.

          Bankenregulierung als Krisengrund

          Trump macht das Gesetz aber für eine schleppende wirtschaftliche Erholung nach der Krise verantwortlich, weil Banken aufgrund schärferer Regulierung nicht genug Kredite an Unternehmen vergeben hätten. „Wir müssen Dodd-Frank abschaffen. Die Banken verleihen kein Geld an Leute, die es brauchen“, sagt Trump. Aufsichtsbehörden hätten die Kontrolle über die Banken übernommen.

          Trumps Haltung zur Finanzmarktreform galt als eine der beständigsten Meinungen eines Kandidaten, der bei anderen Themen ungewöhnlich flexibel agierte. Banken hatten nach der Finanzkrise im Rahmen von außergerichtlichen Vergleichen mit Aufsichtsbehörden Strafen in mehrstelliger Milliarden-Dollar-Höhe akzeptiert, um Vorwürfe fragwürdiger Praktiken beizulegen.

          „Wall-Street-Freundin“ Clinton wollte schärfere Regulierung

          Trump hatte Bankmanager wie Jamie Dimon, den Vorstandsvorsitzenden von JP Morgan Chase, für diese Vergleiche kritisiert. „Ich bin altmodisch. Wo sind die Zeiten hin, in den man noch vor Gericht gezogen ist“, sagte Trump, der in seiner Laufbahn als Immobilienunternehmer häufig in juristische Prozesse verwickelt war.

          Hillary Clinton hatte sich dagegen für eine Verschärfung der Regularien ausgesprochen. „Ich will das Gesetz auf die Branche der Schattenbanken ausweiten - auf die großen Versicherer und die Hedgefonds“, sagte Clinton. Sie wollte großen Banken unter anderem eine „Risikogebühr“ abverlangen und bestimmte Formen des Hochfrequenzhandels besteuern, also des von leistungsstarken Computern dominierten Wertpapierhandels im Millisekundentakt.

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