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Verunsicherung der Investoren : Asiens Finanzmärkte im Trump-Schock

  • Aktualisiert am

Angst vor Trump: Die Kurse in Tokio fallen. Bild: dpa

Der Wahlsieg von Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl hat die Anleger vor allem in Asien auf dem falschen Fuß erwischt. Die Kurse fallen.

          3 Min.

          Der Sieg von Trump schüttelt die Finanzmärkte weltweit momentan durcheinander. Es herrscht an den Aktienbörsen und im Devisenhandel große Nervosität. Die Finanzmärkte seien letztlich zu unbesorgt gewesen und hätten die Risiken unterschätzt, hieß es von allen Seiten am Markt.

          Händler und Marktbeobachter fühlen sich allesamt an den Brexit im im Juni dieses Jahres erinnert, als sich die Briten überraschend für einen Ausstieg aus der EU entschieden. "Die Unsicherheit wird nun weiter anhalten bis klar wird, wohin die Reise wirtschaftlich und politisch geht", kommentierte Händler Ludwig Donnert von Orca Capital. Zuletzt hatten die Anleger sich noch verhalten optimistisch gezeigt, dass die Demokratin Hillary Clinton das Rennen machen wird.

          Die Börse in Tokio stürzte um 5,5 Prozent ab, die Börse in Hongkong gab fast drei Prozent nach. Deutlich im Minus waren auch die Kurse in Sydney, Seoul und Bombay. Anleger flüchteten sich in sicherere Werte und investierten in Gold und den japanischen Yen.

          Die mexikanische Währung Peso fiel gegenüber dem Dollar auf ein historisches Rekordtief. Für einen Dollar waren 20,4401 Pesos fällig - und damit erstmals überhaupt mehr als 20 Pesos. Aufgrund der Sensibilität des Peso auf die Ereignisse im Vorfeld der amerikanischen Präsidentenwahl galt die mexikanische Währung an den Finanzmärkten als „Trump-o-Meter“. Weil Trump Mexiko mit einem Handelskrieg und mit dem Bau einer Mauer an der Landesgrenze gedroht hatte, galt: Je höher die Chancen Donald Trumps auf einen Wahlsieg schienen, desto höher war der Druck auf den Peso.

          Marktanalyst Craig Erlam vom Online-Devisenhändler Oanda: „In den letzten Stunden hat es ein regelrechtes Blutbad in den Märktengegeben. Der mexikanische Peso leidet ganz besonders stark, je näher es Donald Trump in Richtung Weißes Haus schafft. Der Brexit hätte eine Warnung für die Märkte sein sollen, doch stattdessen scheint es, dass vier Monate lang genug sind, um zu vergessen.“

          Rubel, Rand fallen - Dax unter Druck

          Auch der russische Rubel hat im Verhältnis zum amerikanischen Dollar nachgegeben, er verlor um über ein Prozent an Wert. Ein Dollar kostete bis zu 64,6573 Rubel. Als eine der wichtigsten Schwellenländer-Währungen reagierte der Rubel immer wieder auf jüngste Ereignisse im amerikanischen Wahlkampf. Ebenfalls an Wert verliert der südafrikanische Rand. Zwischenzeitlich gab die an den Finanzmärkten am meisten beachtete afrikanische Währung um fast fünf Prozent nach. Ein Dollar kostete am frühen Morgen bis zu 13,8357 Rand. Damit ist der Rand so schwach wie zuletzt Ende Oktober.

          Auch der deutsche Leit-Index Dax fiel im frühen Handel um 1,73 Prozent auf 10 300,06
          Punkte. Von einer Verkaufspanik, wie sie sich am Morgen mit Indikationen unter 10.000 Punkten noch abzeichnete, war allerdings nichts mehr zu spüren. Die amerikanischen Aktienmärkte werden derzeit auch im Minus erwartet.

          Ölpreise sinken

          Viele Anleger hofften auf einen Sieg der Demokratin Clinton. Sie steht an den Märkten für Kontinuität, während ihr republikanischer Rivale Trump von den Republikanern als unberechenbar und Investorenschreck gilt. Ein Sieg Trumps könnte zu einer starken Verunsicherung der Investoren führen und letztlich dazu, dass die erwartete Zinsanhebung der amerikanischen Notenbank (Fed) noch in diesem Jahr doch nicht kommt, sagte Volkswirtin Michelle Girard von der Ban RBS.

          An den Rohstoffmärkten gaben die Ölpreise nach. Die Preise der beiden wichtigsten Ölsorten verloren um mehr als drei Prozent. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent fiel bis auf 44,56 Dollar und damit auf den niedrigsten Stand seit August. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI fiel bis auf 43,31 Dollar und damit auf den niedrigsten Stand seit September.

          Gold, Euro und asiatische Währungen steigen

          Zugleich hat der Goldpreis am frühen Morgen um über vier Prozent zugelegt. Der Preis für eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) kletterte zuletzt bis auf 1330,26 Dollar. Das ist der höchste Stand seit Ende September. Gold gilt vielen Anlegern als sichere Geldanlage in unsicheren Zeiten. Sinkt das Sicherheitsbedürfnis der Anleger, gibt der Goldpreis daher tendenziell nach. Umgekehrt legt er in der Tendenz zu, wenn die Unsicherheit steigt.

          Der Euro hat angesichts der jüngsten Entwicklung bei der Wahl seine Gewinne deutlich ausgebaut. Die Gemeinschaftswährung legte im Verhältnis zum Dollar zuletzt in der Spitze um 2,5 Prozent zu. Ein Euro kostete kurz 1,1300 Dollar, dann notierte er geringfügig schwächer. Zuletzt wurde diese Schwelle am 8. September erreicht und überschritten

          Auch der japanische Yen hat im Verhältnis zum Dollar zugelegt und um 3,8 Prozent an Wert gewonnen. Ein Dollar kostete im Tief nur noch 101,20 Yen. Das ist der stärkste Stand seit Anfang Oktober. Der Yen gilt an den Finanzmärkten als sicherer Hafen. Angesichts der Turbulenzen haben die japanische Regierung und die Zentralbank des Landes ein Krisentreffen anberaumt.

          Dem Yen-Trend folgt auch der chinesische Yuan. Am frühen Morgen legte der Yuan um 0,4 Prozent zu. Ein Dollar kostete zuletzt nur noch 6,7589 Yuan. Neben den jüngsten Entwicklungen im Zuge der Präsidentenwahl in Amerika sind bei der Bewegung des Yuan am Mittwoch auch Daten zur Teuerungsrate im Reich der Mitte ausschlaggebend. Die Inflation in China hat wie erwartet etwas zugelegt. Die Erzeugerpreise stiegen überraschend stark. Grundsätzlich steht der Yuan seit mehreren Monaten aufgrund zunehmender Kapitalflucht und einem relativ starken Dollar unter Druck. Die Vereinigten Staaten sind einer der wichtigsten Handelspartner für das Reich der Mitte.

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