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Florierendes Waffengeschäft : Die Wall Street und der Massenmord

Verkaufsschlager: In Amerika steigen die Waffenverkaufszahlen trotz der Massaker in den letzten Jahren. Bild: dpa

Beim Massaker in Charleston wurden neun Menschen mit einer Pistole getötet. Kurz danach stiegen die Aktienkurse der Waffenhersteller. Allerdings ist diese Börsenreaktion laut einer Studie ungewöhnlich.

          Am Dienstag der vergangenen Woche hat Charleston zum neunten Mal Abschied genommen. Der 74 Jahre alte pensionierte Pastor Daniel Simmons wurde zu Grabe getragen, einer der neun Afroamerikaner, die vor etwas mehr als zwei Wochen von einem weißen Rassisten in der Emanuel African Methodist Episcopal Church bei einer Bibelstunde erschossen wurden – mit einer Pistole des österreichischen Herstellers Glock.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Nach dem Massenmord kochte abermals eine Debatte um härtere Waffengesetze hoch. „Irgendwann müssen wir uns als Land mit der Tatsache auseinandersetzen, dass diese Art von massenhafter Gewalttätigkeit in anderen fortschrittlichen Ländern nicht vorkommt“, sagte Präsident Barack Obama.

          Aber Obama räumte ein, dass es angesichts verhärteter Fronten in Washington derzeit wenig Aussichten auf schärfere Gesetze gibt. Die Waffenlobby National Rifle Association gilt als eine der mächtigsten Interessengruppen in Amerika.

          Höhenflug für Waffenhersteller

          Nur einen Tag nach dem Anschlag gab der börsennotierte Waffenhersteller Smith&Wesson über Erwarten gute Quartalsergebnisse bekannt. Der Vorstandsvorsitzende James Debney bezeichnete die langfristigen Perspektiven des Unternehmens als gut. Sowohl der Absatz von Pistolen als auch der von halbautomatischen Sturmgewehren – zivile Versionen von Militärausrüstung, die im euphemistischen Branchenjargon „moderne Sportgewehre“ heißen – sei gestiegen. Den Massenmord in Charleston und eventuelle Konsequenzen für die Branche erwähnte er mit keiner Silbe.

          Der Aktienkurs von Smith&Wesson befindet sich auf Höhenflug. Seit den Anschlägen ist er um mehr als 4 Prozent gestiegen, obwohl die Börsenkurse insgesamt etwas schwächelten. In diesem Jahr liegen die Aktien mit 74 Prozent im Plus.

          Auch der Aktienkurs des Konkurrenten Sturm, Ruger & Co. hat sich seit den Anschlägen mit einem Plus von knapp 1Prozent überdurchschnittlich gut entwickelt. Seit Anfang des Jahres ist der Kurs um mehr als 64Prozent geklettert. Zum Vergleich: der breitgefasste Aktienindex S&P500 hat seit Anfang des Jahres nur um knapp 1Prozent zugelegt.

          Smith&Wesson und Sturm Ruger sind die beiden einzigen börsennotierten reinen Waffenhersteller in den Vereinigten Staaten. Nach einer Abspaltung vom Rüstungskonzern Alliant gibt es seit dem Frühjahr an der New Yorker Börse auch noch das Unternehmen Vista Outdoor. Neben Jagdgewehren und Munition bietet Vista auch andere Produkte für Freizeitaktivitäten an der frischen Luft. Rund zwei Drittel des Umsatzes stammen allerdings aus dem Waffengeschäft. Der Aktienkurs von Vista Outdoor liegt in diesem Jahr mit knapp 30 Prozent im Plus.

          Die positive Börsenreaktion der Aktien von Smith&Wesson und Sturm Ruger nach den Anschlägen ist allerdings ungewöhnlich. In der Regel gehen die Aktienkurse der Waffenschmieden in den zwei bis 30 Tagen nach Anschlägen nämlich nach unten, auch wenn sie sich langfristig positiv entwickeln.

          Das geht aus einer im März veröffentlichten Studie („Traders, Guns, and Money“) der Wirtschaftsprofessoren Anand Gopal von der University of Maryland und Brad Greenwood von der Temple University hervor. Verschärft werden die Kursverluste, wenn die Zahl der Opfer besonders hoch ist.

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