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Wachsende Handelsdefizite : Anleger ziehen rasch Geld aus Asien ab

Nachdem die Preise für Kaffee gesunken sind, ist auch die Ernte in Indonesien weniger wert Bild: REUTERS

Aus Sorge um wachsende Handelsdefizite geben asiatische Aktien deutlich nach. Die Trendwende lässt auch den Außenwert der Währungen schmelzen. Die Regierungen sind zum Handeln gezwungen.

          Der Ausverkauf einiger asiatischer Währungen und Aktien zwingt die Regierungen der betroffenen Länder zum Handeln. Warnten bis in die vergangenen Wochen noch multilaterale Banken wie die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) und Regierungen vor dem Zustrom „heißen Geldes“ aus dem Westen und damit vor Spekulationsblasen bei Vermögenswerten in Asien, geht nun die Sorge vor einem schnellen Abstoßen der Anlagen in Thailand, Indonesien und Indien um. Der Index MSCI Emerging Markets für die Schwellenländer schwankt um den tiefsten Stand seit neun Monaten. In Hongkong wurde am Donnerstag mit Hopewell Properties der zweite Börsengang in einem Monat auf unbestimmte Zeit verschoben. Seit dem 20. Mai hat der Index 11 Prozent verloren.

          Zentralbank will unbegrenzt Staatsanleihen kaufen

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Analysten warnen vor einem Abverkauf, denn seit 2009 sind Billionen von Dollar in die asiatischen Wachstumsmärkte geströmt, die nun zurückgeholt werden könnten. Denn kühlt sich die Konjunktur in Asien weiter ab - in China deuten viele Zeichen darauf hin, während Indien schon seit langem lahmt -, verliert die Region an Reiz. „Wir werden weiteren Druck auf die (asiatischen) Währungen erleben. Ich kann da keine Änderung erkennen“, sagt Mitul Kotecha, der aus Hongkong heraus das Devisengeschäft der Bank Crédit Agricole steuert.

          Über Nacht verlieren bisherige Favoriten der Analysten in Asien ihren Charme. Dies bekommen die Währungen zu spüren. Die indonesische Zentralbank sah sich deshalb gezwungen, am Freitag die Zinsen um einen Viertelprozentpunkt auf 6 Prozent zu erhöhen. Sie sprach von einer „vorauseilenden Maßnahme“, um die Stabilität der Rupie zu gewährleisten. Erstmals seit 2009 war diese zur Wochenmitte wieder unter die magische Grenze von 10.000 gegenüber dem Dollar gefallen. Seit Mai hat sie 9 Prozent verloren. Die Bank Indonesia könne in „großen Mengen“ Dollar nutzen, um die eigene Währung zu stabilisieren, heißt es dort. Die Töne aus Jakarta erinnern an Europa: Die Zentralbank sei bereit, Staatsanleihen in jeder erdenklichen Höhe zu kaufen, erklärte der Stellvertretende Zentralbankgouverneur Perry Warjiyo. Bei der Oversea-Chinese Banking Corp. in Singapur spricht man schon von „Panik“, die die Zentralbank eindämmen wolle.

          Furcht vor nachlassendem Exportboom

          Der Wertverlust ist grenzüberschreitend: Auch der Singapur Dollar etwa hat in Monatsfrist gut 5 Prozent auf den Euro abgeben müssen. Der philippinische Peso pendelt um den tiefsten Stand seit einem Jahr gegenüber dem Dollar. Die indische Rupie war am Dienstag auf ein Rekordtief gegenüber dem Dollar gefallen. Die Zentralbank erklärte, sie stehe zur Stützung bereit. Unter Druck will die Regierung endlich lange währende Beschränkungen für Auslandsinvestitionen in Indien kappen. Der thailändische Baht notiert um den tiefsten Stand seit neun Monaten. Erschreckend ist dabei die Geschwindigkeit, in der der Ausverkauf asiatischer Währungen vonstatten geht. Sie lässt auch Zentralbanker, Politiker und Analysten rätseln, was eigentlich hinter der Flucht steht.

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