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Auto-Aktien knicken ein : VW-Aktie verliert weitere 7 Prozent

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Der Volkswagen-Skandal hält den deutschen Aktienmarkt auch zum Auftakt der neuen Woche im Griff. Bild: dpa

Der Volkswagen-Skandal hält den deutschen Aktienmarkt auch zum Auftakt der neuen Woche im Griff. Die Aktien von Autobauern und -zulieferern knickten einmal mehr ein.

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          Trotz Stabilisierungsansätzen in der Vorwoche haben die deutschen Börsen noch keinen Boden gefunden. Mit durchwachsenen Vorgaben aus Amerika und Asien im Rücken geben die Aktienmärkte zu Wochenbeginn wieder deutlich nach.  „Die bestehenden kurzfristigen Trends sind weiterhin intakt und die Erholungsbewegung war auch nicht von steigenden Umsätzen begleitet”, merkte der technische Analyst Christoph Geyer von der Commerzbank zur Verfassung der großen Börsen an. Exportwerte standen unter Druck. Und das nicht nur wegen der Probleme der Volkswagen AG, sondern auch wegen Nachrichten aus China. Die Industrie des Landes hatte den stärksten Rückgang der Gewinne seit mindestens vier Jahren erlitten. Dies verstärkte die Sorgen um die Verfassung des Landes.

          Im Skandal um manipulierte Abgaswerte gerät nun Ex-Volkswagen-Chef Martin Winterkorn wegen Betrugsverdachts ins Visier der Ermittler. Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft leitete eine förmliche Untersuchungen gegen den 68-Jährigen ein. Der Schwerpunkt der Ermittlungen liege auf dem Vorwurf, dass Fahrzeuge mit manipulierten Abgaswerten verkauft worden seien, teilte die Behörde mit. Winterkorn war am vergangenen Mittwoch als Vorstandschef zurückgetreten. Zuvor hatte er den Betrug von VW zugegeben und sich dafür entschuldigt. Weltweit sind bis zu elf Millionen Fahrzeuge von dem Skandal betroffen, der den Ruf des weltweit größten Autobauers schwer ramponiert hat. Davon entfallen allein auf die Marke VW Pkw fünf Millionen Wagen, bei Audi sind es 2,1 Millionen Stück. Skoda arbeitet einem Sprecher zufolge noch an einer Aufstellung.

          Winterkorns Nachfolger Matthias Müller, der zuvor die Geschicke bei Porsche geleitet hat, hat eine schonungslose Aufklärung der Manipulationen bei den Emissionswerten von Diesel-Motoren angekündigt. Wie die Nachrichtenagentur Reuters von Insidern erfahren hat, suspendierte der Wolfsburger Autobauer drei weitere Vorstände. Die Entwicklungschefs der Marken Audi, VW Pkw und Porsche, Ulrich Hackenberg, Heinz-Jakob Neußer und Wolfgang Hatz, seien von ihren Aufgaben entbunden worden, sagten mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen.

          Derzeit werde ermittelt, inwieweit die Manager in die Abgas-Manipulationen verwickelt seien. VW wollte sich mit Verweis auf arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen nicht zu den Suspendierungen äußern. Audi-Entwicklungschef Hackenberg hat einem Insider zufolge rechtliche Schritte gegen seine Beurlaubung eingeleitet. Er war 2007 zusammen mit Winterkorn von Audi nach Wolfsburg gewechselt und gilt als Erfinder des Baukastensystems, das Volkswagen derzeit bei immer mehr Marken einführt. Später kehrte Hackenberg nach Ingolstadt zurück, um Audi mit neuen Elektroautos auf die Sprünge zu helfen.

          VW will Maßnahmen- und Zeitplan veröffentlichen

          Volkswagen will in den nächsten Tagen einen Maßnahmen- und Zeitplan veröffentlichen. Daraus werde hervorgehen, welche Fahrzeuge wann zurückgerufen werden sollten, kündigte ein Sprecher an. Dazu liefen derzeit weltweit Gespräche mit den Behörden. Das Flensburger Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat VW bis zum 7. Oktober eine Frist gesetzt. Bis dahin sollen die Wolfsburger einen konkreten Plan vorlegen, wann ihre Fahrzeuge ohne Manipulationssoftware die Abgas-Vorgaben einhalten.

          Wie lange Volkswagen am Ende Zeit zur Nachbesserung haben werde, lasse sich noch nicht absehen. "Von vornherein zu sagen, in einem halben Jahr muss das erledigt sein, wäre wahrscheinlich unrealistisch", sagte ein KBA-Sprecher. Falls die Nachbesserung nicht gelingen sollte drohten den betroffenen Fahrzeugen auf Deutschlands Straßen der Verlust der Zulassung und den entsprechenden Modellen ein Verkaufsverbot. In Deutschland sind insgesamt 2,8 Millionen Fahrzeuge des Wolfsburger Konzerns mit manipulierten Abgas-Systemen unterwegs.

          An der Börse hat die VW-Aktie im Zuge des Abgas-Skandals in der vergangenen Woche massiv an Wert verloren. Zeitweise büßte der Wolfsburger Konzern fast ein Viertel seines Börsenwerts ein. Auch am Montag war das Papier mit einem Minus von fast sechs Prozent der größte Verlierer im Leitindex Dax.  Im VW-Sog trudelten auch die Papiere der anderen Autofirmen nach unten: Daimler, BMW und Continental rutschten um jeweils rund 3 Prozent ab; die im M-Dax notierten Zulieferer Hella, ElringKlinger und Rheinmetall verloren zuletzt sogar um die 4 Prozent.

          Volkswagen drohen massive Schadensersatzforderungen. In Amerika sei eine erste Klage von Aktionären anhängig, berichtet das "Handelsblatt" in seiner Onlineausgabe. Ein Pensionsfonds aus Michigan habe diese auf den Weg gebracht. ADR-Investoren hätten durch die Abgas-Affäre Hunderte Millionen Dollar verloren, so der Klagevorwurf. Seit Bekanntwerden des Skandals vor anderthalb Wochen hätten die ADR, ähnlich wie die Aktie, fast ein Drittel an Wert verloren. Der Fonds wolle auch andere Aktionäre vertreten und suche nach Unterstützern, berichtete die Zeitung.

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