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VW-Aktie : Spekulation um Vorzugsaktien unattraktiv

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Von einer Umwandlung in Vorzüge könnten Stammaktionäre fast genauso profitieren Bild: dpa

Sollten sich Privatanleger an der Spekulation um die VW-Vorzugsaktien beteiligen? FAZ.NET befragte Experten.

          RWE, SAP, MAN, Metro - die anderen Dax-Unternehmen machen es vor: Die Vorzugsaktie ist ein Auslaufmodell. Auch bei VW flammt die Fantasie einer Umwandlung der Stammaktien in Vorzüge neu auf. Bei einem satten Abschlag der Vorzüge gegenüber den Stämmen von fast 35 Prozent ein reizvoller Gedanke.

          Leider schmilzt ein solcher scheinbar möglicher Kursgewinn für Vorzugsaktionäre unter realistischen Annahmen schnell zusammen. Zu berücksichtigen ist vor allem die Dauer, bis die Umwandlung kommt, die Konditionen eines möglichen Tauschs und das Unternehmensrisiko im derzeit schwachen konjunkturellen Umfeld (vgl. dazu den Link: VW-Aktie fehlt momentan der Kick).

          Variante des Rückkaufs sehr unwahrscheinlich

          Ein einfacher Rückkauf der Vorzugsaktien scheitert zunächst einmal an der schieren Zahl der Vorzüge, die 25 Prozent des Grundkapitals ausmachen. Die Gesellschaft muss sich jedes Jahr den Rückkauf eigener Aktien von der Hauptversammlung genehmigen lassen. Diese Ermächtigung ist aber gesetzlich auf zehn Prozent des Grundkapitals - einschließlich der bereits gehaltenen eigenen Aktien - begrenzt.

          Außerdem hat die VW-Führung derzeit gar kein Interesse daran, Vorzugsaktien zu kaufen. Ihr erklärtes Ziel ist es, sich den Erwerb von Stammaktien als Akquisitionswährung genehmigen zu lassen, was die Ermächtigung ohnehin ausschöpfen würde.

          Kein Beschluss in diesem Jahr

          Auch deswegen wird der auf der Hauptversammlung am Donnerstag erwartete Vorstoß der Fondsgesellschaften Liverpool Invest und Union Investment, den Rückkauf von Vorzugsaktien zu beantragen, vorerst erfolglos bleiben. Mit Blick auf die Neuberechnung der Indizes aber, wo VW ab Juni 2002 nur noch mit seinem Stammkapital beim Dax berücksichtigt werden soll, sowie aus dem Euro Stoxx 50 herauszufallen droht, liegt eine Umwandlung der Vorzüge in Stämme längerfristig durchaus auch im Unternehmensinteresse.

          Variante des Umtauschangebots 2002 am wahrscheinlichsten

          Unter Berücksichtigung der Interessenlagen im Aktionärskreis haben die Experten von HypoVereinsbank Research ein Szenario entwickelt, das ein Angebot von VW an die Vorzugsaktionäre zum Umtausch in Stammaktien voraussagt. Dieses müsste die Hauptversammlung am 16. April 2002 beschließen. Allerdings dürfte es keineswegs einen Umtausch eins zu eins, sondern - berücksichtigt man die Kräfteverhältnisse - am ehesten einen Abschlag von zehn Prozent geben, der die aktuelle Kursdifferenz mitberücksichtigt.

          Kurspotenzial zwischen zehn und zwölf Prozent

          Da die Gesellschaft dafür in hohem Umfang Stammaktien erwerben müsste, würden Stamm- und Vorzugsaktionäre in ähnlicher Höhe, nämlich mit geschätzten zehn bis zwölf Prozent Kursgewinn profitieren. Wohlgemerkt: ein Szenario. Größter Stolperstein dabei: VW könnte auch 2002 ein größeres Interesse daran haben, die eingesammelten Stammaktien für seine Expansion, etwa im Nutzfahrzeugbereich, zu nutzen. Angesichts des begrenzten Kurspotenzials bei den bestehenden Risiken erscheint also ein Kauf von VW-Aktien allein wegen der Spekulation um die Vorzüge unattraktiv.

          Kursverlauf von VW und VW Vorzügen (unten) im vergangenen Jahr

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