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Vtion Wireless : Die Chinesen sollen den Bann brechen

Schemenhaft: die Führung der Vtion Wireless AG Bild: Wonge Bergmann

Die Finanzkrise hat viele Börsenpläne zunichtegemacht. Erstmals seit mehr als einem Jahr wagt ein Unternehmen im streng regulierten Prime Standard in Frankfurt einen Börsengang. Es ist die chinesische Vtion Wireless.

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          Der letzte Neuling ist mittlerweile fast schon ein alter Hase. Am 27. Juni 2008 ging SMA Solar in Frankfurt an die Börse. Bis heute ist das mittlerweile schon seit einem Jahr im Tec-Dax notierte Unternehmen der jüngste Neuzugang im streng regulierten Prime Standard der Deutschen Börse. Die Finanzkrise hat alle Börsenpläne, ob die von Schott Solar oder der Deutschen Bahn, zunichtegemacht.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Den Bann dürfte nun ausgerechnet ein chinesisches Unternehmen namens Vtion Wireless Technology AG brechen. Für nächsten Donnerstag ist die Erstnotiz geplant, die Aktien mit der Wertpapierkennnummer CHEN99 können Montag und Dienstag in einer Preisspanne von 9,50 bis 12 Euro gezeichnet werden. Mit einem angestrebten Emissionserlös von gut 62 Millionen Euro bleibt Vtion zwar ein kleiner Börsengang, das Signal für den Kapitalmarkt wird dennoch als wichtig eingeschätzt. Bei einem Gelingen des Börsengangs rechnen sich einige Banken gute Chancen aus, doch noch in diesem Jahr den einen oder anderen Börsenkandidaten an den Markt zu bringen.

          Markteintritt in Deutschland oder Europa ist nicht geplant

          Ein Bezug von Vtion zu Deutschland ist nicht vorhanden. Das Unternehmen, das Datenkarten für die mobile Nutzung des Internets verkauft, ist nur in China wirtschaftlich aktiv. Ein Markteintritt in Deutschland oder Europa ist auch nach dem Börsengang zunächst nicht geplant. Der Gründer, Großaktionär und Vorstandsvorsitzende Chen Guo Ping präsentierte sein Unternehmen am Freitag der deutschen Öffentlichkeit lediglich auf Chinesisch.

          Die Wahl für den Börsenplatz Frankfurt und damit nicht Hongkong oder Schanghai sei vor allem deshalb gefallen, weil das Verständnis für das Geschäftsmodell in Europa groß sei und mit der Notierung zudem ein Prestigegewinn verbunden werden könne. Carsten Klante vom Bankhaus Sal. Oppenheim sprach von einem regen Interesse der Investoren an der Aktienemission.

          Damals mangelte es noch am Anlegerinteresse

          Für Sal. Oppenheim ist das Begleiten der Chinesen nichts Neues. Schon im Herbst 2007 versuchten sie Vtion an die Deutsche Börse zu bringen. Damals mangelte es aber noch am Anlegerinteresse, und der Börsengang musste kurzfristig abgesagt werden. Mit 150 Millionen Euro sollte die Plazierung allerdings mehr als doppelt so groß sein wie heute.

          Mehr Erfolg hatte die Privatbank allerdings mit zwei anderen chinesischen Unternehmen: Zhongde und Asian Bamboo schafften im Jahr 2007 als erste und bisher einzige chinesische Unternehmen einen Börsengang im deutschen Prime Standard. Die Premieren-Aktionäre von Zhongde, einem in der chinesischen Abfallwirtschaft tätigen Unternehmen, werden ihr Engagement bislang jedoch bereut haben. Nach Kursen von zunächst bis zu 41 Euro im Sommer 2007 rutschte der Kurs bis auf weniger als 8 Euro im Herbst 2008 und liegt nun bei gut 12 Euro.

          Notierungen auf einem neuen Rekordhoch von 19 Euro

          Etwas besser erging es den Aktionären von Asian Bamboo, einem Unternehmen, das sich vornehmlich in der Region Fujian mit der Bewirtschaftung von Bambusplantagen befasst. Nachdem der Aktienkurs nach dem Börsengang im Herbst 2007 zunächst von rund 18 Euro auf weniger als 5 Euro Anfang dieses Jahres abrutschte, kletterten die Notierungen mittlerweile auf ein neues Rekordhoch von 19 Euro.

          Die Analysten der mit der Emission betrauten Banken trauen den Aktien von Vtion nun ein gutes Börsendebüt zu. Es sei mit einem starken Umsatzwachstum auf 67 Millionen Euro im Jahr 2009 und 89 Millionen Euro im Jahr 2010 zu rechnen. Der Nettogewinn dürfte sich den Schätzungen zufolge in diesem Jahr auf 16 im nächsten Jahr auf 21 Millionen Euro belaufen. Im Jahr 2008 wurde ein Umsatz von 39 Millionen Euro bei einem Gewinn von 12 Millionen Euro erzielt. Bei einer Plazierung der Aktien zu 12 Euro käme das Unternehmen auf einen Börsenwert von etwa 190 Millionen Euro.

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