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Versorger : Enel-Aktie lockt nicht nur mit hoher Dividendenrendite

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Der Wert der Enel-Aktie ist seit Jahresbeginn um ein Fünftel gestiegen. Der Titel hat dadurch Charthürden überwunden und lockt zudem mit einer beachtlichen Dividendenrendite. Allein die Bewertung des Titels stört.

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          Enel hat unter den europäischen Versorgern mit einem Plus von 21 Prozent seit Jahresbeginn nicht nur den größten Kursgewinn in diesem Jahr zu vorzuweisen, wie sich aus den Daten von Bloomberg News ergibt. Das italienische Versorgungsunternehmen bietet auch die attraktivste Dividendenrendite in der Branche.

          Und durch eine absehbare Sonderdividende, die aus aus Verkauf einer Beteiligung finanziert werden soll, dürfte die Ausschüttungsquote auf eine Verzinsung hinauslaufen, die nicht einmal durch Schwellenländer-Anleihen mit schwacher Bonität erreichbar ist. Zudem wirkt die Enel-Aktie interessant, weil sie eine charttechnische Widerstandszone überwunden hat und Kaufsignale sendet; im Aufwärtstrend bewegt sie sich ohnehin. Die vergleichsweise ambitionierte Bewertung dürfte indes verhindern, daß Enel starke Kurszuwächse verzeichnen wird. Am Mittwoch ging sie in Mailand mit 6,58 Euro aus dem Handel.

          Dividendenrendite ohne Sonerausschüttung schon bei 5,6 Prozent

          Das in Rom ansässige Unternehmen hat eine Dividende von 36 Cent je Aktie angekündigt. Daraus errechnet sich eine eine Verzinsung von 5,6 Prozent auf den Aktienkurs. Hingegen kommen die 30 größten Versorgeraktien in Europa laut Bloomberg-Daten nur auf durchschnittlich 4,6 Prozent. Die italienische Eni beispielsweise wird das dritte Jahr in Folge eine unveränderte Dividende von 75 Cent je Aktie zahlen. Damit beläuft sich die Dividendenrendite bei Italiens größtem Öl- und Gaskonzern auf 4,6 Prozent. Eon wird auf eine Dividendenrendite von gut vier Prozent kommen und Suez auf etwa 4,3 Prozent. Zum Vergleich: Die zehnjährige Bundesanleihe weist eine Rendite von 3,9 Prozent auf.

          In diesem Jahr sollen die Aktionäre zudem in den Genuß einer Sonderdividende auf Gewinne aus dem Börsengang der Stromnetztochter Terna kommen. Die sechs befragten Analysten rechnen deshalb mit einer Dividende auf durchschnittlich 68,5 Cent je Aktie und einer Dividendenrendite von elf Prozent erreichen wird. Die Dividendenaussichten "sind sehr klar", sagte Oscar Fumagalli. Der Fondsmanager von Gestnord Fondi in Mailand setzt auf Aktien mit hoher Dividendenrendite wie Enel und Eni.

          Enel-Vorstandschef Paolo Scaroni versucht, die Dividendenrendite über dem Niveau anderer Versorger wie Eon und Suez zu halten. Für 2005 stellte er eine Dividende von mindestens 36 Cent je Aktie in Aussicht. Zur Höhe der Zusatzdividende für 2004 äußerte er sich nicht, diese hänge vom Erfolg des Börsendebüts von Terna ab. Zuletzt konnte er auch mit der Meldung erfreuen, den Jahresüberschuß um 23,3 Prozent auf 2,51 Milliarden Euro gesteigert und die Analystenprognosen übertroffen zu haben.

          Schwung soll Aktie über weitere Charthürden hinaus helfen

          Die Sonderdividende wird nach Einschätzung von Bloomberg auch Investoren beruhigen, die wegen der Privatisierungspläne des italienischen Staats verunsichert sind. Italien will einen Teil seiner Beteiligung von 61 Prozent an Enel verkaufen, um die Schulden des Landes zu reduzieren. Eine Veräußerung könnte den Aktienkurs drücken, wenn das Angebot an Enel-Aktien deutlich steigen und die Nachfrage erheblich übertreffen sollte.

          Dessen ungeachtet hat der Titel ein hervorragendes Vierteljahr hinter sich: im Zuge des Anstiegs um gut ein Fünftel seit Jahresbeginn hat die Aktie eine Reihe von Charthürden genommen, zuletzt den Widerstand bei 6,50 Euro. Der aktuelle Schwung und die Spekulation über die Höhe der Sonderdividende dürften ausreichen, ihr in absehbarer Zeit in einem freundlichen Umfeld über die Hürden bei 6,62 Euro und 6,87 Euro zu helfen. Dadurch ergäben sich weitere Kaufsignale. Doch Enel hat nicht nur die Pluspunkte beachtliche Dividendenrendite und vorteilhafte Charttechnik auf seiner Seite - übersehen werden kann nicht die relativ hohe Bewertung. Der Titel weist ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,9 auf; zum Vergleich: Eni kommt auf ein KGV von 12,5, Eon ist mit 12,1 bewertet und RWE mit 9,5. Die Bewertung dürfte mittelfristig wie eine Handbremse auf dem Weg nach oben wirken.

          Wer indes auf eine überdurchschnittliche Dividendenrendite setzt, dürfte mit dem Titel nichts falsch machen. Zumal die in der Vergangenheit ziemlich vernachlässigten Versorgeraktien in jüngster Zeit wieder in Mode gekommen sind.

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