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Versorger : EdF-Aktie drängt sich nicht auf

  • Aktualisiert am

EdF-Kraftwerk in Flamanville Bild: AP

Frankreichs Energieversorger EdF kann den Gewinn fast verdoppeln - und trotzdem sinkt der Kurs. Der Ertragssprung ist nämlich mit Einmaleffekten zu erklären. Und ein Gesetz droht die Gewinne der Zukunft zu schmälern.

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          Gewinn fast verdoppelt - und doch fällt der Kurs am Freitag bis zum späten Vormittag um 0,5 Prozent (Isin FR0010242511). Die Anleger überraschten die Zahlen des französischen Energieversorgers Electricité de France (EdF) wohl nicht positiv. Ihnen ist klar, daß das Unternehmen seine Erträge im ersten Halbjahr vor allem dank eines Veräußerungsgewinns deutlich gesteigert hat.

          Das Unternehmen bezifferte den Nettogewinn für die sechs Monate am Donnerstag nach Börsenschluß auf 4,14 Milliarden Euro, fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Knapp eine Milliarde Euro habe der Verkauf der brasilianischen Aktivitäten beigesteuert, hieß es. Der Reingewinn ohne Sondereinnahmen stieg von 2,08 Milliarden im Vorjahr auf 2,92 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn (Ebit) kletterte um 26,6 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Langsam verbessert sich bei EdF auch die Bilanz: Die Nettoverschuldung fiel im Vergleich zum Jahreswechsel um acht Prozent auf 17 Milliarden Euro. Die Eigenkapitalquote stieg von 11,8 auf 13,3 Prozent, ist aber immer noch sehr gering.

          Kostet das Gesetz EdF 300 Millionen Euro?

          Vielleicht liegt die verhaltene Kursreaktion auch an der Unsicherheit, die ein neues Energiegesetz mit sich bringt. Die neuen Regelungen, die ab Donnerstag nächster Woche in der französischen Nationalversammlung debattiert werden sollen, würden vor allem die halbstaatliche EdF treffen. Das Gesetz könne den operativen Gewinn der Jahre 2007 und 2008 „um einige hundert Millionen Euro“ schmälern, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens.

          Bild: FAZ.NET

          Die Zeitung „Les Echos“ hatte zuvor eine Belastung von 300 bis 400 Millionen Euro für EdF und den Branchenzweiten Suez genannt. Eine mit der Situation vertraute Person sprach von knapp unter 300 Millionen Euro allein für EdF.

          Industriekunden leiden unter hohen Preisen

          Das Gesetz soll Stromkunden, die sich im Vorgriff auf den von der EU angestrebten unregulierten Strommarkt bereits für freie Preise entschieden hatten, ein befristetes Rückkehrrecht zu regulierten Preisen einräumen. Dafür haben sich vor allem Industriekunden stark gemacht, die sich in den Jahren 2000 und 2004 für unregulierte Strompreise entschieden haben und nun unter steigenden Preisen leiden. Die Rückkehr zu regulierten Preisen soll ab Juni 2007 für zwei Jahre möglich gemacht werden.

          Der UMP-Abgeordnete Jean-Claude Lenoir, der sich mit den Folgen des Gesetzes befaßt hat, sagte Dow Jones Newswires, die Kosten dieses Gesetzes hätten vor allem die Hersteller niedrigpreisigen Atom- und Wasserkraftstroms zu tragen. Das sei vorrangig EdF, aber auch Suez. Lenoir sieht gute Chancen dafür, daß das Gesetz zum Tragen kommt.

          EdF-Aktie ist vergleichsweise teuer

          Im Mai hatte EdF angekündigt, den operativen Gewinn (Ebitda) in den kommenden drei Jahren jeweils um drei bis sechs Prozent steigern zu wollen. Dieses Ziel bestätigte das Management nur für 2006. Für die beiden darauf folgenden Jahre will das Unternehmen zunächst die Auswirkungen des neuen Gesetzes abwarten.

          Das erklärt die Zurückhaltung der Aktionäre. Doch auch ansonsten spricht nicht viel für die Aktie. Sie darf zum Beispiel als vergleichsweise teuer gelten. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung beträgt 21,5 für dieses und 18,2 für das kommende Jahr. Mögliche Einbußen durch das Gesetz sind in diesen Schätzungen noch nicht berücksichtigt. Aktien von europäischen Konkurrenten wie RWE, Eon, Suez, Enel oder Endesa sind allesamt günstiger bewertet.

          Keine guten Zeichen für steigende Kurse

          Die EdF-Aktie kam im November vergangenen Jahres beim größten Börsengang der französischen Geschichte in den Handel. Privatanleger zahlten 32 Euro je EdF-Aktie, institutionelle Investoren wie Fonds 33 Euro. Zunächst sackte der Kurs bis auf 31 Euro ab, der Börsengang galt als Mißerfolg. Dann aber ging es nach oben, Ende April waren in Paris 48,80 Euro für die Aktie zu zahlen. Die Korrektur an den Märkten brachte das Papier bis auf 38 Euro zurück. Inzwischen haben sich die Aktien wieder etwas erholt und notieren bei 44,20 Euro.

          Interessierte Anleger sollten bedenken, daß sie Anteile an einem Staatskonzern erwerben. Frankreich hält noch immer 86 Prozent der Aktien und dürfte mit seiner Beteiligung auch politische Ziele verfolgen, die nicht immer mit denen der anderen Aktionäre übereinstimmen. Dazu kommt der immer noch hohe Verschuldungsgrad, der den Spielraum des Konzerns einengen dürfte. Das sind keine guten Zeichen für steigende Kurse.

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