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Versicherungsaktien : Ungeliebte Assekuranz

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Versicherer können machen, was sie wollen: Das Interesse der Anleger an ihren Aktien bleibt gering. Dabei sind die Gewinnzahlen der Versicherungsunternehmen hervorragend. Umstrukturierungen sorgen für zusätzliches Potential.

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          Die Mühen der großen Versicherer um die Gunst der Anleger erinnern an eine unglückliche Liebe. Was sie auch anfangen, auf dem Kapitalmarkt schwimmen die Titel der Assekuranz im besten Fall mit der Masse. Die Kurse hatten in der Baisse der Jahre 2000 bis 2003 weit mehr verloren als der Gesamtmarkt - die Allianz zum Beispiel rund 90 Prozent. Nach dieser Neubewertung ging es aufwärts, aber nur im Gleichklang mit dem Gesamtmarkt.

          Das muss Versicherungsmanagern wie dem Allianz-Chef Michael Diekmann aufs Gemüt schlagen. Mit großem Aufsehen hat er das Deutschland-Geschäft umstrukturiert, die Tochtergesellschaften enger angebunden und versucht nun die Minderheitsaktionäre von AGF und Allianz Leben herauszukaufen. Solche Schritte, wie sie in ähnlicher Form auch die Wettbewerber Axa und Generali vollzogen haben, scheinen durchaus geeignet, um auf dem Kapitalmarkt zu punkten. Entsprechend einhellig ist das Lob der Analysten. Der Informationsdienst Bloomberg zählt zum Beispiel für die Aktie der französischen Axa 27 Kaufempfehlungen, acht neutrale Bewertungen und keine einzige Verkaufsempfehlung. Ähnlich optimistisch ist auch die Stimmung für andere Versichereraktien wie Allianz, ING oder Zurich.

          „Solche hohen Ertragsphasen dauern nie lange“

          Das hat viel mit der jüngeren Geschäftsentwicklung und mit der Bewertung der Aktien zu tun. Die Versicherer haben ein glänzendes Geschäftsjahr hinter sich. Die Gewinne sprudelten dank geringer Kostenquoten und ordentlicher Erträge bei der Kapitalanlage.

          Doch die Anleger bleiben skeptisch. Für Käufer der Aktien hat das den Vorteil, dass die Titel der Branche gemessen an den aktuellen Unternehmensgewinnen günstig wirken. Im Durchschnitt sind Versichereraktien für etwa das Elf- bis Zwölffache eines Jahresertrags zu haben. Rückversicherer sind noch niedriger bewertet, während Verkäufer einer durchschnittlichen Aktie aus dem Dax etwa das Fünfzehnfache des Gewinns je Aktie verlangen können.

          „Niemand rechnet damit, dass die Erträge für längere Zeit auf dem hohen Niveau gehalten werden können“, sagt Andreas Schaefer, Analyst der WestLB. Europäische Sachversicherer brauchen derzeit nur etwa 95 Prozent der Prämieneinnahmen für Kosten und Schäden. Der Rest ist Ertrag, wobei die Gewinne aus den Kapitalanlagen noch hinzukommen. Das Geschäft ist also überaus profitabel. In Deutschland liegt die Rendite auf das Eigenkapital der Sachversicherer durchschnittlich bei gut 17 Prozent nach Steuern. Unglücklicherweise seien solche Phasen aber erfahrungsgemäß nicht von langer Dauer, sagt Schaefer.

          Betont „grimmige“ Einschätzung

          In der Autoversicherung zum Beispiel hat der Preiswettbewerb schon im vergangenen Jahr begonnen. Noch zyklischer ist das Geschäft der Rückversicherer. Sie haben nach den Katastrophenjahren 2004 und 2005 mit großen Wirbelstürmen in Übersee im vergangenen Jahr kaum teure Großschäden zu verkraften gehabt. Entsprechend hoch sind die Gewinne. Der Sturm „Kyrill“ dürfte die Branche zwar etwa 3,5 Milliarden Euro gekostet haben, wie die Swiss Re schätzt. Aber das verhagelt noch nicht die Bilanzen.

          Schwerer wiegt der zu erwartende Preisrückgang, weil zusätzliches Kapital auf den Markt strömt. Und so passte am Dienstag die Einschätzung der Münchener Rück zur jüngsten Runde von Vertragserneuerungen ins Bild. Sie sei betont „grimmig“ formuliert, kommentiert Brian Shea, Analyst bei Merrill Lynch. „Es war für den Markt“, sagte Torsten Jeworrek, Mitglied des Vorstands der Münchener Rück, „keine Erneuerung, um profitabel zu wachsen“. Die Folgen des schärferen Wettbewerbs würden sich vermutlich in den weiteren Erneuerungen dieses Jahres zeigen.

          Interesse von Private-Equity-Gesellschaften gering

          Die Preise sind also bei Erst- und Rückversicherern unter Druck, und das Wachstum ist außerhalb der Lebensversicherung gering. Bliebe den Anlegern noch die Hoffnung auf Übernahmen: „Auch das ist kein wirklich ermutigendes Thema“, sagt Roland Pfänder, Analyst bei Equinet. Es habe zwar einige Angebote an Minderheitsaktionäre und auch kleinere Übernahmen gegeben. „Doch es fehlen die großen Transaktionen.“ WestLB-Analyst Schaefer begründet das damit, dass die großen Versicherer wie Axa, Allianz oder Generali häufig zum „nationalen Besitzstand“ gezählt werden.

          Es würde deshalb im Fall einer Übernahme politischer Widerstand drohen. Auch sei das Interesse von privaten Beteiligungsgesellschaften an der Assekuranz gering. Übernahmen seien für Private Equity in der Branche schwieriger, weil die Versicherer nicht mit Schulden belastet werden dürfen.

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