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Versicherungen : Uniqa-Aktie könnte auf Allzeithoch weiter zulegen

  • Aktualisiert am

Auch die Mannheimer gehört zu Uniqa Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Osteuropa ist immer ein gutes Stichwort, wenn es um Kursphantasie geht. Bei der österreichischen Uniqa-Versicherung sorgt die Region aber auch für ein hohe Gewinndynamik.

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          Die Uniqua-Gruppe wurde in Deutschland spätestens dadurch bekannt geworden, daß sie einst Teile der angeschlagenen Mannheimer Versicherungen übernahm. Doch in den vergangenen Monaten ist das österreichische Assekuranz-Unternehmen drauf und dran, auch als Börsen-Highflyer bekannt zu werden.

          Am Donnerstag gehörte Uniqua mit einem Kursplus von über 14 Prozent auf 20,45 Euro an der Frankfurter Börse zu den stärksten Kursgewinnern. Auch an der Heimatbörse Wien legte das Papier mit plus 9,8 Prozent auf 20,14 Euro stark zu und katapultierte sich damit auf ein Allzeithoch.

          Starkes Wachstum

          Die Entwicklung kommt nicht ohne Grund, denn die Uniqa-Gruppe konnte in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres den positiven Wachstumstrend fortsetzen. Durch starkes organisches Wachstum und erfolgreiche Akquisitionen in West-, Ost- und Südosteuropa stiegen die Prämieneinnahmen gegenüber dem Vorjahr um 26,9 Prozent auf 3,51 Milliarden Euro.

          Dies war einer der Gründe für ein starkes Gewinnwachstum, das aber auch durch gesenkte Kostenquote und einen günstigen Schadensverlauf im Berichtszeitraum sowie gute Erträge aus den Kapitalanlagen unterstütz wurde. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit stieg um 88,8 Prozent auf 157,8 Millionen Euro. Der Periodenüberschuß kletterte um 78,6 Prozent auf 100,2 Millionen Euro, das Ergebnis je Aktie um 74,5 Prozent auf 89 Cent.

          Das Hauptgeschäft macht die Uniqua, die 1997 aus der Fusion der Versicherungsanstalt der österreichischen Bundesländer und der Austria Collegialität hervorging, weiterhin in Österreich. Dort stiegen die Prämieneinnahmen um 10,6 Prozent auf 2,55 Milliarden Euro, exklusive Sparanteile aus fonds- und indexgebundener Lebensversicherung um sieben Prozent. Hier zeigt sich eine erfolgreiche Internationalisierungsstrategie, in deren Verlauf der Anteil Österreichs von 82,8 Prozent nunmehr auf 72,2 Prozent gesunken ist.

          Osteuropa-Geschäft boomt

          Dagegen stiegen die Prämieneinnahmen außerhalb Österreichs um 107,4 Prozent. Vor allem Osteuropa steht im Fokus der Österreicher, die bereits seit längerer Zeit in Kroatien, Polen, Ungarn, Tschechien, der Slowakei, Slowenien sowie in Bosnien und Herzegowina aktiv sind, in Rumänien und Bulgarien jüngst zugekauft haben und nunmehr auch in der Ukraine und in Serbien einsteigen wollen.

          Welche Einstiegsoptionen im jeweiligen Markt gewählt werden, entscheidet sich nach den Worten von Uniqa-Vorstandschef Konstantin Klien erst in den nächsten Wochen bis Monaten. Bis spätestens Mitte 2006 will man aber in beiden Ländern „in der einen oder anderen Art vertreten sein.“ Dabei zugute kommt dem Versicherer die Kooperationen mit den lokalen Gesellschaften der Raiffeisen International im Rahmen einer „preferred partnership“.

          Für das Gesamtjahr rechnet Klien mit einem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 180 Millionen Euro und einem „Ansteigen des Return on Equity auf etwa 17 Prozent nach 15,7 Prozent im Vorjahr.“ Damit hob Uniqa die Ergebnisschätzung um 20 Prozent über die bisher prognostizierten 150 Millionen Euro an. Dieser Ausblick sei konservativ.

          Dem Wachstum angemessener Bewertungsaufschlag

          Etwas Wasser in den Wein schüttete der Vorstandschef dennoch. Im vierten Quartal würden Rückstellungen im Rentenbereich gebildet. Ferner sei zu beobachten, daß sich das Trading-Ergebnis im vierten Quartal bisher „eingebremst“ habe. Obendrein werde es schwierig, an das diesjährige Wachstum im kommenden Geschäftsjahr heranzukommen. Bedauerlich ist auch, daß der Versicherer keine „Combined Ratio“, also das Verhältnis von Aufwand für Schäden und Verwaltung in Relation zu den Beitragseinnahmen ausweist. Indes läßt sich aus den veröffentlichten Daten auf eine Verbesserung schließen.

          Eine fundamentale Bewertung der Uniqa-Aktie stößt etwas auf Schwierigkeiten, da keine Analystenschätzungen vorliegen. Das liegt nicht zuletzt daran, daß rund 77 Prozent der Aktien in festen Händen von vier und zwei Drittel von zwei Aktionären sind.

          Größter Anteilseigner ist der Austria Versicherungsverein, eine der umstrittenen österreichischen Privatstiftungen, deren Vorstand der Präsident der Österreichischen Nationalbank, Herbert Schimetschek, sowie der ehemalige Uniqa-Chef Hubert Schatzdorfer angehören. Zweitgrößter Aktionär ist das BL Syndikat. Dessen Geschäftsführererin ist Friederike Petznek-Stadlbauer, die unter anderem im Aufsichtsrat der Mittelstandsfinanzierungs-AG, an der wiederum mehrere deutsche und österreichische Versicherer mittelbar und unmittelbar beteiligt sind.

          Rechnet man indes unter der Annahme einer stabilen Ergebnisstruktur die Ergebnisprognosen auf den Gewinn je Aktie um und geht man parallel von einem etwas schwächeren vierten Quartal aus, so läßt sich der Gewinn je Aktie für 2005 bei etwa 1,10 Euro taxieren. Damit wäre Uniqa mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 18 bewertet. Ausgehend von einem schwächeren Wachstum im kommenden Jahr, könnte sich das KGV dann auf 14 bis 16 reduzieren.

          Das ist für einen Versicherer schon eine relativ hohe Bewertung, wenngleich das bisherige Wachstum den Aufschlag rechtfertigt. Außerdem ist die Aktie charttechnisch auf gutem Weg.

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