https://www.faz.net/-gv6-o78r

Versicherungen : Steuerpläne schieben Kurs der AMB-Aktie an

  • Aktualisiert am

Bild:

Zu Wochenbeginn führt die Aktie der AMB Generali den MDax an. Der Versicherungswert profitiert von Steuerentlastungsplänen der Bundesregierung und schickt sich an, den mittelfristigen Abwärtstrend zu knacken.

          2 Min.

          Schöne Nachricht für Aktionäre von AMB Generali: Die Aktie der Versicherung führt am Montag die Liste der Gewinner im MDax an. Zwie Stunden nach Handelseröffnung liegt sie mit 5,6 Prozent im Plus bei 53,72 Euro. Diesen Kurssprung haben die Anteilseigner aber nicht dem Unternehmen zu verdanken, sondern der Bundesregierung.

          Das Bundesfinanziministerium hat einen Bericht bestätigt, nach dem das erst vor zwei Jahren eingeführte Halbeinkünfteverfahren für die Unternehmen der Versicherungsbranche wieder abgeschafft werden soll. Nach Einschätzung von Analysten wird auch und gerade AMB Generali von einem solchen Schritt profitieren.

          Abschreibungen führen zu höheren Steuern

          Das Halbeinkünfteverfahren hat zwei Seiten. Zum einen die liebsame, die auch Aktionären nützt: Gewinne an der Börse und Dividenden müssen nur zur Hälfte versteuert werden. Die unliebsame: Bei Verlusten aus Aktiengeschäften folgen für Versicherungen auch noch höhere Steuern.

          Dies spiegelte sich auch im Halbjahresbericht von AMB Generali wider. Dem operativen Ergebnis von 475 Millionen Euro (nach 174 Millionen Euro in den ersten sechs Monaten 2002) standen Steuern in Höhe von 589 Millionen Euro gegenüber. 540 Millionen Euro hat der Konzern nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr bei Aktien, Beteiligungen und Investmentfonds abgeschrieben.

          „Die Steuerproblematik für deutsche Versicherer ist bei der fast nur auf Deutschland fokussierten AMB Generali der gravierendste Punkt“, urteilte die Landesbank Rheinland-Pfalz schon im August. „Ein Ärgernis ist die momentan gültige Steuerpraxis, die dazu führt, daß Abschreibungen und Abgangsverluste aufgrund der massiven Einbrüche an den Kapitalmärkten zusätzlich eine hohe steuerliche Belastung auslösen. Die Führung der AMB Generali hat in guten, sachlichen Gesprächen mit der Bundesregierung und den im Bundestag vertretenen Parteien auf diesen eklatanten Widerspruch hingewiesen und sich für eine Korrektur eingesetzt“, hatte die AMB zuvor wissen lassen. Mit Erfolg, wie sich nun zeigt.

          Rückstellungen teilweise vor der Auflösung?

          Jochem Schmitt, Analyst der Landesbank Rheinland-Pfalz, bewertet deshalb die Nachricht aus Berlin als positiv für die AMB sowie andere Versicherer. AMB habe größere Steuerrückstellungen gebildet. Diese Posten könnten nun möglicherweise teilweise aufgelöst werden. Dies würde dem Gewinn zugute kommen, nachdem die AMB nach eigenen Angaben alle stillen Lasten aus der Aktienkrise bewältigt hat.

          Sollte dies so kommen, würde die AMB einen höheren Gewinn erzielen, als der Markt bisher erwartet hat. Zudem würde möglichen entsprechenden Belastungen in der Zukunft ein Riegel vorgeschoben, was ebenfalls tendenziell dem Ergebnis zuträglich sein dürfte. Inwieweit sich diese Aussichten auf Gewinnschätzungen auswirken, ist offen.

          Aktie recht hoch bewertet

          Bisher ist die Aktie von AMB Generali nach dem - aufgrund der aktuellen Ergebnisschätzungen berechneten - Kurs-Gewinn-Verhältnis von 29,3 recht hoch bewertet. Dies gilt auch und gerade im Branchenvergleich: Allianz weist ein KGV von 22,6 auf, Münchener Rück eines von 21,7. Charttechnisch gesehen befindet sie sich am Scheideweg. Nach einem scharfen Kursverfall seit April 2002 und anschließenden Gewinnen ist sie in eine Dreiecksformation hineingelaufen, an deren Ende sich der mittelfristige Abwärtstrend und der kurzfristige Abwärtstrend treffen.

          Sollte sich der Aktienkurs weiter steigern und die Aktie aus dem Abwärtstrend ausbrechen können, setzte sie ein Kaufsignal; dies wäre bei rund 54,25 Euro der Fall. Der nächste größere Widerstand lauert danach bei 60,35 Euro, dem Mitte Juni markierten Zwischenhoch.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.