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Versicherungen : Medicare-Reform treibt Humana-Aktie

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Bild: FAZ.NET

Gesundheitsreformen bedeuten hierzulande in der Regel nichts gutes. Die Reform des amerikanischen Medicare-Programms hingegen hilft zumindest der Aktie des Versicherers Humana.

          3 Min.

          Sozialpolitik ist in den vereinigten Staaten ein schwieriges Thema, besonders wenn es um die Krankenversicherung geht. Manch eine amerikanische Regierung, zuletzt die Clinton-Administration, konnte sich mit Reformplänen nicht durchsetzen, die die Versorgung der amerikanischen Bevölkerung verbreitern sollte.

          Ein Ansatz für eine allgemeine Krankenversicherung ist das sogenannte Medicare-Programm, das 42 Millionen ältere und behinderte Menschen einschließt. Die Bush-Regierung hat nun mit der größten Reform in 40 Jahren begonnen, die im kommenden Jahr mehr Menschen in den Genuß von Medicare, vor allem die Erstattung der Kosten für rezeptpflichtige Medikamente bringen soll.

          Reformprogramm erweitert Kundenbasis

          Bislang hat sich die Reform erfolgreich angelassen. Nach vorläufigen Zahlen wird das Programm im kommenden Jahr 21 Millionen Amerikaner einschließen. Eine Million davon wird zum ersten Mal eine Kostenerstattung in diesem Bereich erhalten. Insgesamt hat die Bush-Administration 70 Prozent ihrer Zielmarke von 30 Millionen erreicht.

          Positiv sind diese Nachrichten nicht nur für die Versicherten, sondern auch für die Versicherer, die im Rahmen des Programms Policen anbieten, wie etwa Humana. Die Aktie des Versicherers verzeichnete am Donnerstag mit einem Plus von 14 Prozent ihren stärksten Kursanstieg in fünf Jahren, nachdem das Unternehmen bekannt gab, daß sich die Zahl der mit von Humana angebotenen Medicare-Policen für Medikamenten-Erstattung Begünstigten sich zum Jahresbeginn 2006 auf 1,7 Millionen verdreifachen wird.

          Gleichzeitig bekräftigte Humana seine Prognose für das kommende Jahr, 2,70 Dollar je Aktie verdienen zu wollen. Bis zum Ende des kommenden Jahres soll die Zahl der Versicherten in diesem Programm weiter auf 2,2 Millionen kräftig steigen. Im Komplettprogramm „Medicare Advantage“ will Humana zum selben Zeitpunkt 1,1 Millionen Kunden haben.

          Gewinn 2005 deutlich belastet

          Patrick Hojlo, Analyst bei Credit Suisse First Boston, hält dieses Ziel indes für schwer erreichbar. Dazu müßte das Unternehmen die Hälfte seiner Medicare-Medikamenten-Kunden für einen Umstieg gewinnen: Derzeit liege die Konversionsrate aber bei lediglich 15 bis 20 Prozent.

          In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres steigerte der Versicherer die Umsatzerlöse um 8,7 Prozent auf 10,76 Milliarden Dollar. Indes ging der Betriebsgewinn um 4,8 Prozent auf 351,48 Millionen Dollar zurück. Dank geringerer Steuerrückstellungen stieg der Nettogewinn jedoch auf 243,88 Millionen Dollar oder 1,51 Dollar je Aktie.

          Dabei litt Humana besonders unter einem schwächeren dritten Quartal, in dem die Erstattungskosten um 21 Prozent auf 3,09 Milliarden Dollar gestiegen waren. Das drückte den Reingewinn von 52 Cents im Vorjahresquartal auf 30 Cents. Indes kostete ein außergerichtlicher Vergleich allein 27 Cents pro Aktie. Das Verfahren hatte sich sechs Jahre lang hingezogen.

          Dies war auch der Hauptgrund, warum Humana seine Prognosen für das laufende Jahr von 2,23 bis 2,25 Dollar je Aktie auf 1,86 bis 1,88 Dollar senken mußte. Ein andere Grund waren Ausgaben im Zusammenhang mit dem Hurrikan „Katrina“, die mit zehn Cents je Aktie ins Kontor schlagen. Indes waren all diese Dinge bekannt und in Analystenprognosen sowie im Kurs enthalten, so daß die Beilegung der Klage eher als positive Meldung aufgefaßt wurde.

          Bullenstarke Kursentwicklung

          Diese Umstände erklären auch das nach dem Kursanstieg recht hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 26,3 auf Basis des laufenden Jahres. Für das kommende Jahr gehen Analysten zuletzt im Durchschnitt von einem Gewinn je Aktie in Höhe von 2,72 Dollar aus. Das verleiht dem Papier mit einem KGV von 20,3 eine relativ hohe Bewertung.

          Grund ist eine bullenstarke Kursentwicklung seit dem Frühjahr 2003. Damals notierte das Papier noch bei 8,81 Dollar, am Donnerstag schloß die seit 1980 an der New York Stock Exchange notierte Aktie 528 Prozent höher auf Allzeithoch. Allein in den vergangenen 18 Monaten lief ein Kursplus von 241 Prozent auf.

          Der größte Teil dieser Entwicklung dürfte auf die erwarteten Profite aus der Bush-Reform basieren. Ob aber alle Erwartungen in Erfüllung gehen werden, muß sich im kommenden Jahr weisen. Dies bedeutet, daß die Humana-Aktie zwar weiterlaufen sollte, aber sich Rückschlagspotential aufbaut. Dies könnte die Notiz in den Bereich von 45 Dollar zurückwerfen. Insofern sind trotz der verlockenden charttechnischen Lage Absicherungsstrategien sicher nicht von Nachteil.

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