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Versicherungen : Kein guter Zeitpunkt für die Aktie von AMB Generali

  • Aktualisiert am

AMB Generali: Solide unterwegs Bild: AP

Angesichts einer Reihe von schwachen Quartalszahlen fallen die soliden Ergebnisse des Versicherers AMB Generali am Donnerstag um so angenehmer auf. Doch die hohe Bewertung und eine erlahmende Kursdynamik sprechen gegen den Wert.

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          An einem Tag, an dem an der Börse vor allem die schlechten Ausblicke und Ergebnisse großer Dax-Konzerne das Klima bestimmen, tut es gut, den Blick vom Trauerspiel abzuwenden und zu schauen, ob sich nicht ein schönerer Anblick bietet.

          Diesen findet man zwar auch im MDax nicht, aber man muß sich ja davon nicht abschrecken lassen. Zu den positiveren Beispielen des Donnerstags zählen unter anderem die Ergebnisse der AMB Generali, deutsche Tochter des italienischen Versicherungskonzerns und obgleich eher wenig gehandelt, immerhin nach der Marktkapitalisierung siebtschwerster Wert im 50 Werte umfassenden Index.

          Kurs zuletzt mit Ermüdungserscheinungen

          Die Aktie überstand die Konsolidierung der vergangenen Monate fast schadlos. Es läßt sich lediglich zwischen Ende Juni bis Mitte Juli eine leichte Ermüdung des Aufwärtstrends verzeichnen, den das Papier Anfang 2005 einschlug. Seitdem hat es von 60 auf aktuell 109,49Euro zugelegt und liegt damit leicht unter dem Vier-Jahres-Hoch von 112,81 Euro, das sie im Juni markiert hatte.

          Bild: FAZ.NET

          Das liegt zwar auch daran, daß immer wieder darauf spekuliert wird, daß der italienische Mutterkonzern auch noch die verbleibenden 15 Prozent der Aktien übernimmt, die sich im Streubesitz befinden, doch auch an der guten Entwicklung des Unternehmens, das sich von den schlechten Jahren 2002 und 2003 sehr gut erholt hat.

          Auch im ersten Halbjahr konnte AMB Generali dank höherer Beitragseinnahmen im Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft den Gewinn deutlich steigern. Deutschlands drittgrößter Erstversicherer sieht sich damit auf gutem Weg, das Gewinnziel für das Gesamtjahr zu erreichen. „Die Entwicklung zeigt, daß wir ambitioniert und doch realistisch geplant haben“, erklärte Finanzvorstand Dietmar Meister am Donnerstag bei der Vorlage des Quartalsberichts.

          Analystenerwartungen fast punktgenau erfüllt

          In der Lebens- und Krankenversicherung erwartet AMB Generali ein Beitragswachstum über dem Marktdurchschnitt. In der Schaden- und Unfallversicherung konzentriere sich der Konzern auf risikoadäquate Zeichungs- und Tarifpolitik und rechne in diesem Bereich mit einer marktkonformen Entwicklung der Prämieneinnahmen, teilte AMB Generali weiter mit.

          Wie AMB Generali am Donnerstag mitteilte, steigerte der Konzern den Überschuß zwischen Januar und Juni gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 16 Prozent auf 172 Millionen Euro. Die gebuchten Bruttobeiträge legten zum Vorjahr um 3,8 Prozent auf 6,088 Milliarden Euro zu. Damit erreichte der Konzern nahezu exakt die von Analysten erwarteten Ergebnisse. Die Branchenexperten hatten mit einem Überschuß von 173 Millionen Euro gerechnet und bei den Bruttobeiträgen mit 6,004 Milliarden.

          AMB Generali bekräftigte, im gesamten Jahr 2006 einen Überschuß von mindestens 340 Millionen Euro zu erzielen. Bedingung sei, daß keine außergewöhnlichen Schadensfälle aufträten und negative Entwicklungen am Kapitalmarkt ausblieben.

          Riester-Rente belebt Geschäft

          Im ersten Halbjahr verzeichnete das Unternehmen vor allem wieder eine Erholung im Neugeschäft mit Lebensversicherungen, vorwiegend durch die Riester-Rente, die aufgrund der staatlichen Förderung immer mehr Vorteile gegenüber anderen Kapitalanlagen hat. In den ersten sechs Monaten 2006 verkaufte der Versicherer allein 190.000 Riester-Policen, ein Plus von 125 Prozent binnen Jahresfrist. Damit sei AMB Generali Marktführer in diesem Segment, erklärte der Versicherer.

          Insgesamt stiegen die gebuchten Bruttobeiträge im Lebensversicherungsgeschäft im Halbjahr um 6,4 Prozent auf 3,43 Milliarden Euro. Wegen Korrekturen bei den Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen schrumpfte der Spartengewinn aber um 30 Millionen Euro auf 59 Millionen.

          In der Krankenversicherung kletterten die Bruttobeiträge um 4,7 Prozent auf 828 Millionen Euro. Unter dem Strich verdiente dieser Bereich wegen höherer Rückstellungen aber nichts mehr nach 24 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

          Deutliche Ertragsverbesserungen in der Nicht-Lebensversicherung

          Die Sparte Schaden- und Unfallversicherung schrumpfte bei den gebuchten Bruttobeiträgen zwar um ein Prozent auf 1,833 Milliarden Euro, konnte aber ihren Gewinnbeitrag deutlich auf 126 (55) Millionen Euro steigern. Dies sei vor allem auf Kostensenkungen und mehr Vorsicht beim Abschluß neuer Verträge zurückzuführen. Der Konzern will das Risiko bei Neuabschlüssen insgesamt reduzieren. Dies macht sich bereits in einer günstigeren Schaden-Kosten-Quote bemerkbar - diese ging um 1,7 Prozentpunkte auf einen guten Wert von 95,7 Prozent zurück. Bis zu einem Wert von 100 sind Schadenbelastungen allein durch Prämieneinnahmen gedeckt.

          Insgesamt sind die Ergebnisse der AMB Generali als recht solide zu bezeichnen - allein es fehlt ihnen das Spektakuläre. Aus diesem Grund verzeichnet die Aktie auch Abschläge, die sich aber angesichts des schwachen Gesamtmarktes in Grenzen halten.

          Zu schaffen macht ihr auf dem Weg nach oben obendrein eine Bewertung, die mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen auf Basis der Analystenschätzungen von knapp 17 für das laufend und 15,8 für das kommende Jahr für einen Versicherer recht optimistisch bewertet ist.

          Angesichts eines volatilen Aktienmarktes scheint ihr daher derzeit auch die Luft auszugehen. Gelingt es dem Kurs nicht, die Marke von 110 Euro zeitnah zu übertreffen, so dürfte das Papier konsolidieren, was die Notierung bis in den Bereich von 100 Euro zurückführen könnte. Daher scheint momentan nicht der rechte Einstiegszeitpunkt zu sein.

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