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Versicherungen : Generali-Aktionäre sitzen zwischen den Stühlen

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Erstmals seit den 70er Jahren hat Generali Verluste gemacht. Gleichzeitig tobt ein Machtkampf um Italiens größte Versicherung. Seit September schneidet die Aktie trotzdem deutlich besser als der Sektor ab.

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          Im Versicherungssektor geht es derzeit turbulent zu. Wie turbulent zeigt sich auch an den von Generali für das Geschäftsjahr 2002 vorgelegten Zahlen. Denn da ist der größte italienische Versicherer erstmals seit den 70er Jahren ins Minus abgerutscht.

          Wegen hoher Abschreibungen wurde ein Rekordverlust von 754 Millionen Euro verbucht. Im Vorjahr hatte die Versicherung noch einen Gewinn von 1,1 Milliarden Dollar erzielt. Beim Investment-Portfolio seien Abschreibungen über 3,998 Milliarden Euro vorgenommen worden, teilte das Unternehmen mit. Trotzdem soll eine Dividende von 0,28 Euro gezahlt werden.

          Von Reuters befragte Analysten hatten den Netto-Verlust im Durchschnitt mit 715 Millionen Euro erwartet. Die Abschreibungen hatten sie zwischen 1,7 und 3,5 Milliarden Euro prognostiziert. Fondsmanager Alfredo Rotemberg vom Armada International Equity Fund zeigte sich dennoch nachsichtig. „Es handelt sich um kein spezifisches Problem von Generali, sondern um ein Problem der ganzen Branche. Die Versicherungen haben massive Schwierigkeiten mit ihren Beteiligungen und sie müssen diese abschreiben“, lautet seine Bestandsaufnahme.

          Typisch italienische Übernahmeschlacht

          Einzigartig und unternehmensspezifisch ist allerdings die Schlacht, die hinter den Kulissen um Generali abläuft. Dabei geht es um Macht und Einfluss auf die Geschicke des viertgrößten europäischen Versicherer. Aktuell versucht Italiens zweitgrößte Bankengrupe UniCredito Holding zusammen mit Verbündeten ihren Anteil an Generali zu erhöhen. Ziel ist es, die Versicherung unabhängiger von Mediobanca zu machen.

          Die größte Investmentbank des Landes hält derzeit mit 13,6 Prozent das größte Paket an Generali und war mit dafür verantwortlich, dass in den letzten vier Jahren gleich drei Vorstände bei Generali ausgewechselt wurden. Bei UniCredito ist man davon überzeugt, dass bei stabileren Strukturen die Ergebnissituation bei Generali weitaus besser sein könnte als sie sich aktuell gestaltet.

          Zum Showdown in dieser Außeinandersetzung wird es vermutlich bei der Hauptversammlung am 26. April kommen. Dann wird sich zeigen müssen, ob die Gruppe um UniCredito tatsächlich wie spekuliert auf einen Anteil von 19,3 Prozent kommt und damit Mediobanca den ersten Rang streitig machen kann.

          Aktie besser als der Branchendurchschnitt

          Der Machtkampf hat dazu beigetragen, dass die Aktie von Generali seit September deutlich besser als andere europäische Versicherungen abgeschnitten hat. Der Titel hat seitdem sogar zugelegt, während andere Institute wie die Allianz kräftig unter die Räder kamen. Dies hat dazu geführt, dass das Unternehmen mit 25,7 Milliarden Euro zum größten europäischen Branchenvertreter gemessen an der Marktkapitalisierung aufgestiegen ist.

          Gestützt werden dürfte der Aktienkurs auch durch den für 2003 in Aussicht gestellten Gewinn von 931 Millionen Euro. Die Rückkehr in die Gewinnzone soll durch höhere Prämien und sinkende Kosten ermöglicht werden. Dazu sollen im Zuge eines Dreijahresplanes 2.800 Stellen abgebaut und somit die Belegschaft um fünf Prozent verringert werden. Wird der Plan konsequent umgesetzt, dürfte das dabei helfen, dass die Generali-Aktie weiter besser abschneidet als der Sektor.

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