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Spezialversicherer : Der kleine Buffett aus Virginia

  • -Aktualisiert am

Von einem Ufo oder einem Donut inspiriert? Bürogebäude von Markel in Richmond, Virginia Bild: mauritius images

Ein kleiner Spezialversicherer aus dem Bundesstaat Virginia kopiert das Geschäftsmodell von Warren Buffetts Berkshire Hathaway. Er schlägt seit Jahren den S&P 500.

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          Die Börsengiganten Amazon und Alphabet machten jüngst dicke Schlagzeilen, als deren Aktienkurse die Schallmauer von 1000 Dollar durchbrachen. In diesem Monat gelang das auch einer anderen Aktiengesellschaft, die nicht so bekannt ist, mit nur 13 Milliarden Dollar einen viel kleineren Börsenwert hat, aber bei Kennern der Wall Street wegen anderer Parallelen stark beachtet wird. Es ist die Spezialversicherungs- und Holding-Gesellschaft Markel mit Sitz in Richmond, der Hauptstadt des amerikanischen Bundesstaats Virginia. Das Geschäftsmodell von Markel ähnelt dem von Berkshire Hathaway, der in Omaha (Nebraska) beheimateten Gesellschaft des Starinvestors Warren Buffett – deren A-Aktien an der New Yorker Börse fast 260.000 Dollar kosten.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Berkshire ist damit die teuerste Einzelaktie an der New Yorker Börse und gehört mit einer Marktkapitalisierung von 420 Milliarden Dollar auch zu den führenden Aktiengesellschaften. Wie Berkshire, deren Kern ebenfalls große Versicherer sind, legt Markel die aus Prämieneinnahmen stammenden Gelder langfristig in unterbewertete Substanzaktien an. Dazu hat Markel wie Berkshire damit begonnen, ganze Unternehmen außerhalb des Versicherungsgeschäfts zu erwerben. Schließlich zeichnet sich Markel wie Berkshire auch durch eine ganz eigene Unternehmenskultur aus, die ebenfalls an Buffett erinnert.

          Buffett gilt als Ehrenmann und als Gewissen der Wall Street, zelebriert bei allem Ernst und Gewinnstreben aber auch seine Schrulligkeit – indem er auf der Hauptversammlung Ukulele spielt und mit Filmstars wie Arnold Schwarzenegger auf Berkshire getrimmte Parodien dreht. Markel beschreibt seinen Geschäftsstil als „Streben nach Spitzenleistung, ohne den Sinn für Humor zu verlieren“. Das Glaubensbekenntnis: „Ehrlichkeit und Fairness in allen unseren Geschäften“. Im jüngsten Geschäftsbericht bezeichnet der Vorstand den legendären Football-Trainer Vince Lombardi und Bruce Springsteens E Street Band als Vorbilder und unterzeichnet als „Die Band“.

          MARKEL CORP.

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          Der Aktienkurs von Markel ist zuletzt wieder etwas unter die 1000-Dollar-Marke gerutscht. Aber die Aktionäre müssen sich nicht grämen. Mit einem Kursgewinn von mehr als 130 Prozent in den vergangenen fünf Jahren haben sich die Titel besser entwickelt als der S&P 500 (+82 Prozent) und Berkshire (+107 Prozent). Im Mai kündigte Markel an, eine Versicherungsgesellschaft in München zu gründen, um nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU Kunden aus der Eurozone zu bedienen.

          Der Chefanleger und Ko-Vorstandsvorsitzende von Markel heißt Thomas Gayner, ist 30 Jahre jünger als Buffett und arbeitete als Wirtschaftsprüfer, Anlageberater und Aktienanalyst, bevor er 1990 bei Markel anheuerte. Sein Anlageportfolio hat in den vergangenen fünf Jahren bis Ende 2016 eine jährliche Durchschnittsrendite von 16 Prozent erzielt – deutlich stärker als der breiter gefasste Aktienindex S&P 500. Ein Teil dieser Rendite verdankt Gayner Buffett. Mehr als 11 Prozent des zuletzt 4,6 Milliarden Dollar schweren Investmentportfolios von Markel und damit die größte Einzelposition, entfallen auf Aktien von Berkshire Hathaway, die er seit mehr als einem Vierteljahrhundert hält. Dazu kommen Titel der Gebrauchtwagenkette Carmax, des auf alternative Anlagen wie Immobilien oder Infrastruktur spezialisierten Investors Brookfield, des Unterhaltungskonzerns Walt Disney, der Apotheken- und Pharmakette Walgreens Boots Alliance, des Spirituosenkonzerns Diageo und der Hotelkette Marriott International.

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