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Verschobener Börsengang : Talanx müht sich an die Börse

  • -Aktualisiert am

Keine Leuchte am Emissionsmarkt Bild: dapd

An diesem Dienstag wird die Aktie des Versicherers Talanx erstmals notiert. „Voll handwerklicher Fehler“ sei der Börsengang gewesen, der nicht so verlief, wie das Unternehmen sich das wünschte.

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          Der Versicherungskonzern Talanx gibt an diesem Dienstag sein Börsendebüt. Allerdings musste Talanx den Anlegern noch einmal ein Stück entgegen gekommen und Abstriche machen. Zunächst verengten die bei der Plazierung federführenden Banken Berenberg und Deutsche Bank dem Vernehmen nach die Preisspanne für die angebotenen Aktien auf 17,80 bis 18,80 Euro je Stück.

          Eher am unteren Ende der Spanne

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Letztlich wurden die Aktien dann zu 18,30 Euro und damit eher am unteren Ende der Preisspanne ausgegeben. Talanx beschränkte sich dabei darauf, das Zielvolumen eines Emissionserlöses von 500 Millionen Euro zu erreichen und gab 25,5 Millionen Aktien aus der Kapitalerhöhung sowie 2,7 Millionen Aktien aus dem für eine Mehrzuteilung vorgesehenen Kontingent aus.

          Talanx erzielte damit einen Bruttoerlös von rund 476 Millionen Euro, nachdem der Versicherer noch vor kurzem seinen Börsengang abgesagt und die Börsenpläne laut eigenem Bekunden „für mindestens sechs Monate“ aufgegeben hatte, weil Anleger nur Aktien zum Unternehmenswert von 4 Milliarden kaufen wollten. Talanx selbst aber wollte neue Aktien nur ausgeben, wenn ein Unternehmenswert mindestens 4,8 Milliarden Euro erreicht werden würde.

          Sollten die Konsortialbanken die eingeräumte Mehrzuteilungsoption vollständig ausüben, erhielte Talanx einen zusätzlichen Bruttoerlös von etwa 50 Millionen Euro und hätte damit sein Ziel von 500 Millionen Euro leicht übertroffen. Das Angebot sei insgesamt mehrfach überzeichnet gewesen, vermeldete Talanx ohne weitere Details zu nennen.

          Indexfähig nur bei Kapitalerhöhungen

          Talanx wird auf Basis des Zuteilungspreises nun mit 4,6 Milliarden Euro bewertet. Vorstandsvorsitzender Herbert Haas sagte zur Kehrtwende beim Preis: „Das ist nicht unser Ideal, aber gerade noch akzeptabel.“ Mit dem Emissionserlös will Talanx 400 Millionen Euro an Krediten tilgen, die für den Zukauf eines polnischen Versicherers aufgenommen wurden.

          Darüber hinaus wird der japanische Versicherer und strategische Partner Meiji Yasuda wie angekündigt eine seit November 2010 gehaltene Nachranganleihe mit einem Volumen von 300 Millionen Euro zum Börsengang-Preis in Aktien wandeln. Meiji Yasuda wird damit künftig bei voller Ausübung der Mehrzuteilung einen Anteil von rund 6,5 Prozent an Talanx halten.

          Der Streubesitz betrüge voraussichtlich etwa 11,2 Prozent. Damit wird es Talanx unmittelbar nach dem Börsengang wohl kaum gelingen, in einen Aktienindex der Deutschen Börse zu gelangen. Allerdings könnte es in den kommenden Monaten zu Kapitalerhöhungen kommen, mit denen der für einen Aufstieg etwa in den MDax relevante Marktwert des Streubesitzes steigen könnte. Schließlich plant Talanx weitere Versicherer in Osteuropa und Lateinamerika zu kaufen. Anleger vergleichen Talanx wegen des ähnlichen Profils mit der Allianz und Zurich Financial.

          Kein Startschuss für weitere Börsengänge

          Ob diese so ohne weiteres möglich sein werden, muss sich zeigen. Die Begeisterung über den ersten großen Börsengang am Aktienmarkt hielt sich in engen Grenzen. „Ein Trigger, um andere Börsenkandidaten hervorzulocken, ist das sicher nicht“, sagt Analyst Heino Ruland von Ruland Research. Der Grund für den enttäuschenden Ausgabepreis sei weniger im Unternehmen selbst als in den handwerklichen Fehlern beim Börsengang zu suchen. „Da ist so viel falsch gemacht worden, so dass man nicht zu viel erwarten durfte“, so Ruland.

          „Man muss nun abwarten, wie sich die Aktie an der Börse entwickeln wird“, meint ein Händler. Möglicherweise entwickele sich die Aktie nach dem holperigen Börsengang doch noch ganz gut, denn teuer sei sie zu dem besagten Ausgabepreis nicht. „Wenn die Aktie zwischen 18,50 und 19 Euro erstmalig notiert wird, kann man recht zufrieden sein“, sagte ein Börsianer. „Ob dies jedoch ein Eisbrecher für weitere Börsengänge sein wird, bleibt abzuwarten.“

          Im außerbörslichen Handel bei Tradegate lag Talanx zum Start mit 19,29 Euro deutlich fester im Markt. Allzu große Aussagekraft sollte diesen Kursen aber nicht beigemessen werden. Das zeigte sich auch zum Handelsstart auf Xetra, wo der Kurs rasch von zunächst 19,05 Euro auf zuletzt 18,57 Euro fiel, wobei zwischenzeitlich ein Tiefkurs von 18,50 Euro erreicht wurde.

          Der Börsengang von Talanx ist der erste größere Börsengang seit dem mindestens ebenso mühsamen Börsenstart der Immobilienfirma Prime Office REIT Ende Juni des vergangenen Jahres. Das Volumen war indes nicht halb so groß gewesen wie bei Talanx. Der letzte vergleichbare Börsengang war der der GSW Immobilien im April 2011 mit einem Volumen von wenig mehr als 400 Millionen Euro. 

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