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Vereinigte Staaten : Prosperierende Unternehmen - schwacher Arbeitsmarkt

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Das Tanken macht keinen Spass mehr ... Bild: dapd

Die Wirtschaftsentwicklung in den Vereinigten Staaten ist gespalten. Während die Unternehmen des Landes von geld- und fiskalpolitischen Strategien in aller Welt profitieren können, bleiben Immobilien- und Arbeitsmarkt sehr schwach.

          3 Min.

          Die Wirtschaftsentwicklung in den Vereinigten Staaten ist gespalten. Während die Unternehmen des Landes, allen voran die international aufgestellten, von der gewaltigen geld- und fiskalpolitischen Strategien, mit denen Zentralbanken und Regierungen in aller Welt auf die Wirtschafts- und Finanzkrise reagierten, profitieren können, bleiben Immobilien- und Arbeitsmarkt schwach.

          Die Unternehmen verbuchen deutlich zunehmende Auftragseingänge und können bei hohen Margen und steigender Arbeitsproduktivität sogar Rekordgewinne erzielen. Dazu tragen mehrere Faktoren bei. Erstens haben die Unternehmen in den vergangenen Jahren massiv rationalisiert und zögern nun im künstlich induzierten, fragilen Aufschwung, ihre Investitionen und damit die Kosten gleich wieder hoch zu fahren.

          Unternehmen können gute Gewinne erzielen ...

          Zweitens profitieren die international tätigen Unternehmen von der fiskal- und geldpolitisch extremen Strategie der Vereinigten Staaten. Sie führt in einem Umfeld mit hohem Risikoappetit zu einem schwachen Dollar, der sich bei der Umrechung der im Ausland erzielten Gewinn vorteilhaft bemerkbar macht. Drittens nehmen die Unternehmen jede Möglichkeit war, um Dienstleistungs- und Produktionsprozesse an preisaggressive Anbieter auszulagern. Auf diese Weise haben die Arbeitnehmer in weiten Teilen der Welt kaum Verhandlungsmacht und können kaum steigende Löhne durchsetzen (siehe auch: „2012 sind Gewinne von 1.000 Milliarden möglich“).

          Bild: Gallup

          Besonders extrem ist die Entwicklung im Technologiebereich. Während die so genannten Smartphones in weiten Teilen der Welt für teures Geld reisenden Absatz finden, werden sie in Asien zu Lohnfertigern zu günstigsten Konditionen in großen Stückzahlen gefertigt. Genau aus diesem Grund können Firmen wie Apple die unterschiedlichen Lohnkosten in aller Welt ausspielen und enorme Gewinne erzielen, während die Arbeitslosigkeit im Binnenmarkt weiterhin sehr, sehr hoch bleibt.

          Das jedoch ist kein sonderlich gutes Zeichen für den amerikanischen Binnenmarkt. Immerhin hängt dessen Entwicklung zu mehr als 70 Prozent direkt oder indirekt vom Konsum der heimischen Bevölkerung ab. Da ihre Einkommen bei steigenden Preisen nominal stagnieren, können sie ihren Lebensstandard kaum halten und angesichts der enormen Schulden kaum steigern. So kann es kaum verwundern, dass das Vertrauen der Bevölkerung und der Unternehmen in die wirtschaftliche Entwicklung trotz der gewaltigen Stimulierungsmaßnahmen und Transferzahlungen des Staates bei enormen Budgetdefiziten und explodierenden Staatsschulden immer weiter zurückgeht.

          ... während das allgemeine Wirtschaftsvertrauen immer schwächer wird

          Während die produzierenden Unternehmen noch von einer guten Auftragslage profitieren können, zeigt der am Mittwoch veröffentlichte Einkaufsmanagerindex im nicht produzierenden Gewerbe eine deutliche Verschlechterung an. Der vom Institute for Supply Management betreute Index ist im April auf 52,8 zurückgegangen, nachdem er im Februar noch ein Zwischenhoch von knapp 60 hatte ausbilden können. Der Index hat nicht nur die Erwartungen enttäuscht, sondern befindet sich auf dem Weg nach unten nur noch knapp über der Marke von 50, die die Grenze zu einer wirtschaftlichen Kontraktion andeutet.

          Nicht nur im Dienstleistungsbereich trübt sich die Stimmung ein. Sondern die vom Marktforschungsinstitut Gallup bereitgestellten Konsumenten-Stimmungsindizes zeigen schon seit Wochen eine stetige Verschlechterung an. Die Entwicklung steht im scharfen Kontrast zu der Stimmung noch vor einem Jahr, die sich stetig verbessert hatte. Sie lässt sich möglicherweise mit der Lage am Arbeitsmarkt erklären. Dort entspannt sich die Lage zwar etwas, allerdings auf einem sehr schwachen Niveau. Gemäß dem am Mittwoch veröffentlichten ADP National Employment Report wurden im April 179.000 neue Jobs geschaffen, während ein Plus von knapp 200.000 erwartet worden war. Eine Zahl in dieser Größenordnung jedoch trägt noch nicht zum Rückgang der Arbeitslosigkeit bei, da sie gerade einmal den Zuwachs der arbeitsfähigen Bevölkerung ausgleichen kann.

          Die weiter gefasste Arbeitslosenrate U6, die auch jene einschließt, die gerne mehr arbeiten würden, lag bei schön gerechneter Basis im März noch bei knapp 16 Prozent und deutet stark auf strukturelle Probleme des Landes hin. Da nicht absehbar ist, wie sie trotz ausufernder Defizite bereinigt werden, ist fraglich, ob in den Vereinigten Staaten allgemeiner Wirtschaftsoptimismus angebracht ist. Anleger werden nur in jene Unternehmen investieren, die sich trotz solcher Faktoren robust entwickeln können. Zum Beispiel in Papiere wie die von Dwight & Church (siehe auch:Church & Dwight bieten Anlegern reizvolle Renditen).

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