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Vereinigte Staaten : Buffett investiert in amerikanische Banken

  • -Aktualisiert am

Der berühmte Investor Warren Buffet hat seine Beteiligung an der Großbank Wells Fargo erhöht Bild:

Für John Paulson scheint das Kurspotential der Finanztitel schon ausgereizt - er hat seine Beteiligungen stark reduziert. Die Quartalsberichte amerikanischer Profianleger geben Hinweise auf deren Anlagestrategien.

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          Unter großen amerikanischen Investoren gehen zwei Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise die Auffassungen für die weiteren Aussichten von Finanzwerten auseinander. Der berühmte Investor Warren Buffett hat im vergangenen Quartal abermals seine Beteiligungen an der Großbank Wells Fargo erhöht, die zu den größten Positionen seiner Anlage- und Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway zählt. Dazu hat Berkshire in einer Meldung an die Börsenaufsicht SEC erstmals eine Beteiligung des auf Wertpapierabwicklung spezialisierten Finanzinstituts Bank of New York Mellon ausgewiesen. Buffett, der zweitreichste Amerikaner nach Microsoft-Gründer Bill Gates, hat zudem seinen Anteil am deutschen Rückversicherer Munich Re im Oktober auf mehr als 10 Prozent aufgestockt.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Dagegen hat der Hedge-Fonds-Manager John Paulson, der 2007 mit einer Wette gegen den Häusermarkt zum mehrfachen Milliardär und Star an der Wall Street geworden war, seine Beteiligungen an amerikanischen Banken im dritten Quartal stark reduziert. Paulson, die Nummer 20 auf der Liste der reichsten Amerikaner, meldete erstmals keine Beteiligung an der führenden Wall-Street-Bank Goldman Sachs mehr. Dazu wies Paulson reduzierte Aktienbestände für die drei Großbanken Citigroup, Bank of America und J.P. Morgan Chase aus. Paulson gehörte im vergangenen Jahr zu den ersten Hedge-Fonds-Managern, die Bankaktien zu wegen der Finanzkrise stark gefallenen Kursen kauften und dann von deren Erholung profitierten. Der KBW-Branchenindex für amerikanische Banken ist seit dem Tiefstand im März 2009 um 148 Prozent gestiegen - doppelt so stark wie der breit gefasste Aktienindex S&P 500. Großanleger wie Buffett und Paulson müssen bis zu 45 Tage nach dem Ende des Quartals bestimmte Positionen veröffentlichen, die sie zum Quartalsende hielten. An der Wall Street werden die Umschichtungen dieser Star-Investoren stark beachtet, weil sie Hinweise auf eine Strategieänderung geben. Angaben zu den Gründen für die Anlageentscheidungen machen Buffett und die anderen Investoren in der Regel nicht.

          Vertauensvotum für Banken

          Die Aufstockung der Beteiligung an Wells Fargo im Portfolio von Berkshire wurde von Marktbeobachtern als generelles Vertrauensvotum für Banken interpretiert. „Warren Buffett ist jetzt vielleicht zuversichtlicher, dass der Aufschwung, wenn auch langsam, weitergehen wird“, sagte David Kass, Finanzprofessor an der Universität von Maryland, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Berkshire Hathaway hält unverändert große Anteile am Kreditkartenriesen American Express, der Großbank U.S. Bancorp sowie der Regionalbank M&T Bank. Banken hatten zuletzt von nachlassenden Ausfällen bei Verbraucherkrediten profitiert.

          Der 80 Jahre alte Buffett hatte im Oktober die Einstellung des erst 39 Jahre alten, bisher weitgehend unbekannten Hedge-Fonds-Managers Todd Combs als Verwalter eines Teils des Berkshire-Portfolios bekanntgegeben. Combs ist Fachmann für Finanzwerte. Sein Hedge-Fonds Castle Point Capital ist hauptsächlich in Aktien von Banken und anderen Finanzinstitutionen investiert. Zu den Anlagen seines Hedge-Fonds gehören Banken wie U.S. Bancorp. Der Fonds hält zudem Aktien der Wall-Street-Bank Goldman Sachs, die Buffett auf dem Höhepunkt der Finanzkrise mit 5 Milliarden Dollar gestützt hatte.

          Möglicherweise Barmittel für eine neue Übernahme

          Insgesamt hat Buffett im vergangenen Quartal laut seiner Meldung an die SEC aber mehr Aktien verkauft als gekauft. Demnach übertrafen die Verkäufe die Neuanlagen um etwa 1,2 Milliarden Dollar. Buffett hatte schon in sechs der vergangenen acht Quartale netto mehr verkauft als gekauft. Diesmal trennte er sich von Investitionen in die große Baumarktkette Home Depot und den Gebrauchtwagenhändler Carmax. Dazu reduzierte er die Beteiligung am Sportartikelhersteller Nike um mehr als die Hälfte. Insgesamt reduzierte oder eliminierte Berkshire Anteile an 12 Aktiengesellschaften. So tauchten die Namen des Müllentsorgers Republic Services und des Datenspeicheranbieters Iron Mountain nicht mehr auf der Liste der Berkhire-Anlagen auf, nachdem deren Anteile noch im ersten Quartal aufgestockt worden waren.

          Analysten glauben nun, dass Buffett mit dem Verkauf von Aktien möglicherweise Barmittel für eine neue Übernahme aufstockt. Buffett hatte sich schon von Beteiligungen getrennt, um die 26 Milliarden Dollar teure Übernahme der Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe im vergangenen Februar zu finanzieren. Unter dem Dach von Berkshire Hathaway tummeln sich mehr als 70 Tochtergesellschaften. Dazu gehören neben Burlington Northern auch große Versicherer wie General Re oder Geico.

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