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Venture Capital : Knorr steht nicht alleine da

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Im Kurs zeigt sich wenig Dynamik Bild: Knorr Capital Partner AG

Knorr Capital macht Abschreibungen auf seine Beteiligungen. Später geht's nimmer. Der Aktienkurs hatte es schon lange offenbart.

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          Knorr schreibt ab, kaum einer hätte noch damit gerechnet, jetzt, wo alle wieder optimistisch sind. „Gründe für die Entscheidung des Vorstandes, die Bilanzierung der Beteiligungen sehr vorsichtig und konservativ vorzunehmen, waren neben der schlechten Entwicklung vieler High-Tech-Branchen im zweiten Halbjahr 2001 auch das weiterhin schwierige Umfeld für Exits insbesondere über den Kapitalmarkt“, lautet die Begründung.

          Komisch, wieso gerade jetzt? Mittlerweile rechnen doch alle wieder mit steigenden Kursen und selbst am Neuen Markt erwachen manche „alten Leichen“ wieder zum Leben. Ist jetzt bei Knorr plötzlich und viel zu spät der Realismus eingekehrt?

          Zweifel am Realismus

          Nicht ungedingt. „Für das Jahr 2002 rechnet der Vorstand mit einer deutlichen Verbesserung des Ergebnisses und hat hierzu einen Maßnahmenkatalog verabschiedet, der unter anderem deutliche Kostensenkungen bewirken wird. Der Optimismus für das laufende Jahr wird zum einen durch das branchenmäßig ausgewogene und durch die umfangreichen Abschreibungen von Risiken befreite Beteiligungs- Portfolio begründet, zum anderen durch die Tatsache, dass sechs Portfolio- Beteiligungen derzeit intensiv auf die Übernahme durch industrielle Investoren oder den Börsengang vorbereitet werden“, geht die alte Leier der vergangenen Monate weiter.

          Dabei ist noch völlig offen, wie sich der Markt überhaupt entwickeln wird. „Auf Basis der neuen Bewertungen des Portfolios aus derzeit rund 60 Unternehmen wird der Net Asset Value der Gesellschaft per Jahresabschluss 2001 bei rund Euro 12,50 je Aktie liegen, der Wert der Beteiligungen bei rund 90 Millionen Euro“, heißt es zwar hoffnungsvoll. Dabei ist alles andere als klar, wie dieser Net Asset Value überhaupt zustande kommt. Wirft man einen Blick auf die einzelnen Beteiligungen und das, was sie tun, so wird man den Verdacht nicht los, diese können nach den Erfahrungen der „Internet-Bubble“ weder an der Börse noch bei strategischen Investoren jemals platziert werden.

          Beteiligungsgesellschaften sind spekulativ

          Die Börse zumindest zeigte sich in den vergangenen Monaten entsprechend skeptisch und ließ den Kurs von knapp 84 Euro zu „Hochzeiten“ der Interneteuphorie auf mittlerweile 5,75 Euro einbrechen. Aber damit steht Knorr nicht alleine da. Ob Knorr, Gold-Zack, TFG oder United Internet - wer zu „internetlastig“ ist, wird künftig Schwierigkeiten haben, Buchwerte irgendwann tatsächlich realisieren zu können. Dabei wird zwar mit allen Mitteln gearbeitet - United Internet behauptet beispielsweise, gmx erziele schwarze Zahlen, obwohl das wohl nur durch einen vorübergehenden, einmaligen Vertrag der Fall sein wird.

          Aber genau an United Internet lässt sich feststellen, was passiert, wenn wieder spekulativer Wind aufkommt. Dann heben die Aktien ab und erzielen auf tiefem Niveau eine erstaunliche Performance. So sind Beteiligungsgesellschaften in erster Linie von der Wirtschafts- und in zweiter von der Börsenentwicklung abhängig. Gerade die reinen Venture-Capital-Gesellschaften mit großem Internetanteil bergen aber ein beträchtliches Risiko. Wer auf Kursgewinne setzt, muss eine gehörige Portion Optimismus und eine spekulative Ader mitbringen.

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