https://www.faz.net/-gv6-83nmq

Unternehmenssitz : Auch in der Börsenliga ist München Serienmeister

Meisterfeier in München: Die Fans des FC Bayern jubeln ihren Spielern zu. Bild: dpa

Wo sind die Schwergewichte der deutschen Wirtschaft zu Hause? Ein Städteranking zeigt: Vor allem im Süden und Westen. Berlin rutscht stark ab.

          2 Min.

          Der Wert der großen deutschen Aktiengesellschaften steigt und steigt. Allein der Chemiekonzern Bayer hat seine Marktkapitalisierung in den vergangenen fünf Jahren von 40 auf 110 Milliarden Euro fast verdreifacht. Der Volkswagenkonzern hat nicht zuletzt aufgrund mehrerer Zukäufe von 34 auf 110 Milliarden Euro zugelegt. Beide Unternehmen stehen wie wenige andere für die Städte, in denen sie sitzen. Und so haben sie jeweils im Alleingang dafür gesorgt, dass Leverkusen und Wolfsburg in der deutschen „Börsenliga“ kräftig Boden gutgemacht haben.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Strategieberatungsunternehmen Simon-Kucher & Partners hat für diese Liga zusammengerechnet, welche deutschen Städte den größten Börsenwert auf die Waage bringen, und dafür die Marktkapitalisierung der im Dax, M-Dax und Tec-Dax vertretenen Unternehmen vom 11. Mai zur Hand genommen. Weit vorne liegt wie schon seit Jahren München. Dort sitzen nicht nur Dax-Schwergewichte wie Siemens, Allianz und Linde. Gemeinsam mit den im M-Dax und Tec-Dax gelisteten Unternehmen versammeln 13 Aktiengesellschaften einen Marktwert von 337 Milliarden Euro in der bayrischen Landeshauptstadt. Größen aus dem Speckgürtel wie Infineon in Neubiberg oder Kabel Deutschland und Pro Sieben Sat 1 in Unterföhring, die jeweils auf einen Börsenwert von 10 bis 13 Milliarden Euro kommen, sind dabei noch gar nicht mit eingerechnet.

          München und Düsseldorf sind breit aufgestellt

          Auf Platz zwei folgt mit weitem Abstand Bonn mit den früheren Staatskonzernen Deutsche Post und Telekom, die gemeinsam eine Milliarde mehr als Bayer oder Volkswagen wert sind. Deren rasanter Wertzuwachs hat ihren Heimatstädten zwar Platz 3 und 4 in der Hitliste gesichert. Georg Tacke, der Vorstandsvorsitzende der Beratungsgesellschaft Simon-Kucher, warnt aber vor der Abhängigkeit dieser Städte von einem einzigen Unternehmen. „Gerät dieses in Schwierigkeiten, ist auch die Top-Position der Stadt gefährdet“, sagt er. „München oder Düsseldorf mit zahlreichen Börsenunternehmen sind hier deutlich ausbalancierter aufgestellt.“ Die nordrheinwestfälische Metropole liegt auf Platz 5.

          Keine einzige Stadt aus dem Osten schafft es in die Top-20 der Börsenliga.

          Dass dies auch bei der starken Ausrichtung auf eine Branche gelten kann, zeigt das Beispiel Frankfurt. Mit Commerzbank und Deutscher Bank sind die zwei größten börsennotierten Konzerne der Stadt Banken, die zuletzt schwer an Wert verloren haben. Belegte Frankfurt bei einer ähnlichen Untersuchung im Jahr 2005, also vor der Finanzkrise, noch Platz 4, kommt sie jetzt nur noch auf Platz 8. Noch stärker, jeweils um zehn Plätze, sind Berlin und Wiesbaden abgerutscht. Sie tauchen gar nicht mehr unter den besten 20 auf.

          Nach dem Ausstieg der Bundeshauptstadt spielt Ostdeutschland nun für die Börse fast gar keine Rolle mehr. Mithin profitiert dort auch kaum ein Unternehmen von der aktuellen Geldschwemme an den Aktienmärkten. Auch wenn etwa in Jena mit Carl Zeiss Meditec und Jenoptik zwei im Tec-Dax gelistete Werte sitzen, reichen ihre Börsenwerte von 1,9 Milliarden beziehungsweise 630 Millionen Euro nicht aus, um die thüringische Stadt in die Bestenliste zu befördern.

          Weitere Themen

          Lufthansa fliegt aus dem Dax

          Nach 32 Jahren : Lufthansa fliegt aus dem Dax

          Trotz Staatshilfen in Höhe von 9 Milliarden Euro muss die größte Fluggesellschaft in Deutschland ihren Platz im Dax räumen. An deren Stelle tritt eine Wohnungsgesellschaft.

          Topmeldungen

          Michael Zahn hat sich mit Äußerungen zur Wohnungspolitik in Berlin nicht überall beliebt gemacht.

          Deutsche-Wohnen-Chef Zahn : Der unbeliebte Vermieter

          Nach 14 Jahren hat die deutsche Hauptstadt wieder einen Dax-Konzern. Michael Zahn ist der Mann, der ihn führt. Doch viele Berliner sind auf den Immobilienmanager nicht gut zu sprechen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.