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Unternehmenssanierung : Arques büßt für abermaligen Chefwechsel

  • Aktualisiert am

Arques-Vorstandschef Martin Vorderwülbecke geht überraschend Bild: ddp

Die Aktie der Beteiligungsgesellschaft ist nun sehr günstig. Trotz mehrerer Wechsel im Top-Management hat sich operativ wenig verändert. Analysten senkten zwar ihre Kursziele deutlich, empfehlen Arques aber weiter zum Kauf.

          Mit einem Kursabschlag von 18,4 Prozent büßten die Aktien von Arques schon in der vergangenen Woche für das Kommen und Gehen im Vorstand. Der Kursverfall setzte sich auch am Montag morgen mit einem Minus von mehr als drei Prozent fort.

          Der Grund: Abermals wird der Chef ausgewechselt. Nach nur neun Monaten gibt der Vorstandsvorsitzende Martin Vorderwülbecke aus persönlichen Gründen sein Amt an den bisher für Akquisitionen zuständigen Vorstand Michael Schumann ab.

          Schumann erklärte, 2007 habe Arques die Zielmarke von 200 Millionen Euro beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen übertroffen. Genaue Zahlen gibt es Ende März. Bereits durch die Insolvenz der ehemaligen Tochter Arquana zu Beginn des Monats war die Aktie der Beteiligungsgesellschaft unter Druck geraten. Seitdem hat der Kurs fast 38 Prozent verloren.

          Rasanter Kurseinbruch. Der Chart ist extrem angeschlagen und dürfte sich vorerst nicht stärker erholen.

          Der erst im Mai 2007 auf den Vorsitz gerückte Martin Vorderwülbecke wird Ende des Monats die Starnberger Beteiligungsgesellschaft verlassen. Sein Vorgänger und langjähriger Geschäftspartner, der Arques-Gründer Peter Löw, hatte ebenfalls überraschend im vergangenen Jahr dem Unternehmen den Rücken gekehrt.

          Ende 2007 hatte außerdem der für das Sanierungsgeschäft verantwortliche Vorstand Markus Zöllner das Unternehmen verlassen. Als Zöllners Pläne im Oktober bekanntgeworden waren, hatte das Unternehmen Gerüchte über einen bevorstehenden Abschied des 47 Jahre alten Vorstands Vorderwülbecke noch dementiert.

          Seit Jahresbeginn ist die Aktie besonders stark unter Druck geraten, nachdem die Druckerei-Gruppe Arquana wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag gestellt hatte. Zwar hatte sich Arques schon zuvor vom letzten Anteil an Arquana getrennt.

          Vorderwülbeckes Nachfolger wird der 46 Jahre alte Michael Schumann, der von 2003 an Arques mit aufgebaut hatte. Er leitet bisher die Abteilung Akquisitionen, seit 2006 als Vorstand. Vorderwülbecke begründete seinen Abschied mit „Bedenken, sich nochmals langjährig zu binden“. Der Aufsichtsrat habe ihm zuvor die Verlängerung seines Vertrages angeboten, der im Herbst 2008 ausläuft.

          Börse zweifelt wieder einmal am Geschäftsmodell

          Die Arques Industries AG betreibt ein Geschäft, das leicht überheblich wirken kann: Die Beteiligungsgesellschaft will aus den Fehlern anderer Gewinne machen. Die Idee funktioniert so: Arques kauft zu einem Spottpreis heruntergewirtschaftete Unternehmen auf, bringt die Aktien an die Börse, saniert sie und verkauft die Beteiligung wieder.

          Das Konzept war so einleuchtend, so simpel und zunächst so erfolgreich, dass Arques-Gründer Peter Löw gegen alle Konventionen in der behäbigen Deutschland AG verstoßen konnte. Er sei ein „brillanter Verkäufer mit ausgeprägtem Hang zu skurrilem Verhalten“, bescheinigte ihm selbst die sonst so zurückhaltende „Börsen-Zeitung“. Der Stil kam offenbar an. Die Arques-Aktie war eine Zeitlang der Liebling der Anleger.

          Löw ist ein derart guter Verkäufer, dass er sogar seine Anteile an Arques im vergangenen Frühjahr fast vollständig abgestoßen und so ein Vermögen von mehr als 100 Millionen Euro flüssig gemacht hat. Hätte er noch etwas gewartet, wäre sein Gewinn deutlich geringer ausgefallen.

          Denn Anfang des Jahres beantragte Arquana die Insolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Das Druckunternehmen heißt nicht nur so ähnlich wie Arques, es ist auch eine Schöpfung des Beteiligungsunternehmens, das seinen Sitz in feinster Lage am Starnberger See bei München hat.

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