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Unternehmen : Die Bilanzen zeigen sich erstaunlich solide

  • -Aktualisiert am

Ford setzt sich in Szene Bild: dpa

Trotz einer starken Rezession und verführerisch niedriger Zinsen haben viele Unternehmen im vergangenen Jahr Schulden und andere Verpflichtungen abgebaut. Allen voran Time Warner und King Pharmaceuticals.

          4 Min.

          Die amerikanischen Großunternehmen haben die Rezession ohne erhebliche Neuverschuldung überstanden. Eine Analyse von Bloomberg-Daten über Unternehmen aus dem Nicht-Finanzsektor im Standard & Poor's 500-Aktienindex ergab, dass die großen Unternehmen ihre Verbindlichkeiten in den Bilanzen um durchschnittlich 8,2 Prozent abgebaut haben. Zu den Verbindlichkeiten in der Bilanz eines Unternehmens gehören seine Schulden sowie alle sonstigen finanziellen Verpflichtungen wie zum Beispiel Zahlungen in Pensionspläne.

          „Einigen Unternehmen ist es weniger, anderen besser gelungen, ihren Schuldenberg abzutragen,“ urteilt Michael Yoshikami, Chef und leitender Anlagestratege von Ycmnet Advisor.

          Solide Unternehmensbilanzen vs. Verschuldung des Staates und der Verbraucher

          Die solideren Unternehmensbilanzen fallen besonders auf in Zeiten, da die Finanzen von Staat und Verbrauchern eher instabil sind. Auf den Anleihenmärkten machen sich Sorgen über die Staatsfinanzen der amerikanischen Regierung bemerkbar. Diese hatte bis zum Ende des Steuerjahres 2009 knapp 12 Billionen Dollar Staatsverschuldung angehäuft - 19 Prozent mehr als 2008.

          Bild: FAZ.NET

          Seit Beginn der Rezession haben die amerikanischen Verbraucher ihre Ausgaben eingeschränkt und einen Teil ihrer Schulden abgezahlt. Dennoch saßen sie laut Daten der amerikanischen Zentralbank vom 5. März im Januar immer noch auf Verbraucherkreditschulden in Höhe von insgesamt 2,46 Billionen Dollar, auch wenn das 4,1 Prozent weniger waren als noch zum Ende 2008.

          Der auf Großunternehmen ausgerichtete S&P 500 teilt sich nahezu gleichmäßig in Unternehmen, die ihre Verbindlichkeiten verringert haben, und solche, die sie erhöht haben. In den vergangenen 12 Monaten haben sich 218 Unternehmen unterschiedlichster Methoden bedient, um insgesamt 265 Milliarden Dollar an Verbindlichkeiten aus ihren Bilanzen zu tilgen. König der Schuldenabbauer, in Dollar und Prozent ausgedrückt, war Time Warner: Das Unternehmen verringerte seine Verbindlichkeiten um 36,4 Milliarden Dollar oder 53,2 Prozent.

          Ist es besser, Schulden abzubauen oder Bares anzuhäufen?

          194 andere Unternehmen haben die Verbindlichkeiten in ihren Bilanzen im vergangenen Jahr um insgesamt 309 Milliarden Dollar erhöht. Hier nimmt Pfizer mit einem Verbindlichkeiten-Plus von 69,1 Milliarden in einem einzigen Jahr den Spitzenplatz ein. Der Pharmariese lieh sich allein 22,5 Milliarden Dollar für die Finanzierung seiner Übernahme von Wyeth.

          Selbst innerhalb derselben Branche haben Unternehmen unterschiedliche Positionen eingenommen. Einige haben Schulden abgezahlt, um sich eine größtmögliche finanzielle Flexibilität zu erhalten, während Wettbewerber Kredite aufgenommen haben, um von den niedrigsten Zinsen aller Zeiten zu profitieren und sich mit frischen Barmitteln auszustatten. Im vergangenen Jahr zahlte King Pharmaceuticals 52 Prozent seiner Verbindlichkeiten - insgesamt 1 Milliarde Dollar - zurück. Das Biotechnologie-Unternehmen Amgen nahm 1,4 Milliarden Dollar, oder 9,1 Prozent, an neuen Verbindlichkeiten auf.

          Obgleich viele Patente bald verfallen, generierten Kings Schmerzmedikamente einen kräftigen Cashflow, so dass das Unternehmen Verbindlichkeiten abbauen konnte, erklärt Morningstar-Analystin Debbie Wang. „King will seine Bilanz bereinigen und Bares bunkern, um sich für eine Übernahme zu rüsten.“

          Auch Amgen und andere Unternehmen aus dem Gesundheitssektor scheinen auf Übernahmen aus zu sein, aber die - so Wang - hätten dafür den Weg der Kreditaufnahme gewählt. „Sie haben entschieden, angesichts der extrem attraktiven Zinsen neue Schulden aufzunehmen.“

          Insgesamt beliefen sich die Verbindlichkeiten der nicht zum Finanzsektor gehörenden S&P 500-Unternehmen in ihrem jüngsten Quartal auf 5,8 Billionen Dollar. Das sind 44 Milliarden - oder 0,75 Prozent - mehr als vor 12 Monaten. Die Unternehmen bedienten sich einer Reihe unterschiedlicher Verfahren, um ihre Bilanzen zu stärken, obgleich bei vielen von ihnen angesichts der Rezession die Absatzzahlen rückläufig waren.

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