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Umweltaktien : Umweltaktien auch mit Rot-Grün keine Goldgruben

  • Aktualisiert am

Viel politischer Wirbel um Umweltaktien Bild: dpa

Umweltaktien feiern den Wahlsieg von Rot-Grün mit einem Kurssprung. Dabei ging es mit den Notierungen während der ersten Amtszeit nur bergab.

          Nach dem Wahlsieg von Rot-Grün übernehmen die Umweltaktien am deutschen Aktienmarkt wie nicht anders zu erwarten war die Favoritenrolle. Schließlich hatten sie im Vorfeld auch kräftig davor gezittert, dass es bei einem Regierungswechsel zu einer Beschneidung der subventionierenden Gesetze zugunsten von umweltverträglicher Energie kommt.

          Während der Gesamtmarkt weiter abschmiert, verbuchen die Branchenvertreter am Montag klare Gewinne. So gewinnt der Windkraftanlagen-Hersteller Nordex gegen 15.15 Uhr 10,00 Prozent auf 3,85 Euro, der Windparkbetreiber Plambeck 16,60 Prozent auf 9,69 Euro und der Umweltkontor 6,33 Prozent auf 3,19 Euro. Der Solarzellenproduzent Sunways klettert um 13,62 Prozent auf 2,42 Euro und dessen Konkurrent Solarworld um 9,24 Prozent auf 7,09 Euro.

          Auch einige Analysten stimmen in den Jubelchor ein und äußern sich positiv zu den Werten. Merck Finck & Co. sieht die Umweltaktien deutlich vom Ausgang der Bundestagswahl und der Stärkung der Grünen profitieren. Änderungen am Gesetz für Erneuerbare Energien sowie am garantierten Einspeisepreis seien dadurch in den kommenden vier Jahren praktisch ausgeschlossen. Nach Ansicht der Analysten sollten insbesondere Plambeck und EnergieKontor zulegen. Beide Werte sind mit “Kauf“ eingestuft.

          Analysten vergeben Vorschusslorbeeren

          Ähnlich sehen es die Experten bei WestLB Panmure. Dort erwartet man nach dem Sieg der rot-grünen Koalition bei der Bundestagswahl eine deutlich besseres Sentiment im Umweltsektor. Die Begründung fällt ähnlich wie bei Merck Fink & Co. aus. Wie es heißt, sei damit der Weiterbestand des Gesetzes für Erneuerbare Energien sichergestellt. Auch steige die Planungssicherheit für die kommenden vier Jahre deutlich. Dies erleichtere Investitionsentscheidungen. Die Aktienkurse der entsprechenden Unternehmen dürften kurzfristig deutlich zulegen können, lautet daher das Fazit. Die Analysten behalten allerdings die Ratings für Nordex (“Outperform“), EnergieKontor (“Neutral“) sowie Plambeck (“Neutral“) bei.

          In der Tat ist es so, dass die Umweltaktien wie schon am Berichtstag zunächst weiter zu den Favoriten am deutschen Aktienmarkt zählen dürften. Relativ bald dürfte es dann aber wieder zu einer gewissen Ernüchterung kommen. Schließlich erwiesen sich die Umweltaktien auch schon während der ersten Amtszeit von Rot-Grün nicht gerade als Goldgrube. Vielmehr sitzen die Erstzeichner dieser Titel auf schweren Verlusten. Und auch jetzt ist es nicht so, dass die Branche mit dem verlängerten Mandat für die bisherige Regierung eine Lizenz zum Geld drucken ausgestellt bekommt.

          Nur die Ergebnisentwicklung zählt langfristig

          In der Vergangenheit gab es jedenfalls trotz begünstigender Gesetze immer wieder Enttäuschungen auf der Ergebnisseite. Es bleibt abzuwarten, ob die Hoffnungsträger in Zukunft verlässlicher werden. Gleichzeitig darf trotz aller Existenzberechtigung den dieser Sektor natürlich hat, nicht vergessen werden, dass sich auch die Wachstumsraten der Umweltunternehmen nicht endlos in die Zukunft werden fortschreiben lassen.

          Gleichzeitig spricht zugunsten der Branchenvertreter aber die Tatsache, dass sich die Bewertung anders als früher nach den herben Kursverlusten inzwischen in vertretbaren Dimensionen bewegt. Eine ausgeprägte Kursschwäche, wie wir sie gesehen haben, wird es vermutlich selbst dann nicht mehr geben, wenn sich die erste Euphorie nach der Wahl wieder gelegt hat. Aus den zuvor beschriebenen Umständen ist dies aber kein Grund, die Kurse der Umweltaktien in den Himmel zu hieven.

          Diese Erkenntnis scheint sich mittlerweile auch an der Börse herumzusprechen. Gemessen an den Tageshochkursen, die bei Nordex 4,50 Euro, bei Plambeck 10,18 Euro, bei Umweltkontor 3,35 Euro und bei Solarworld 7,70 Euro betrugen, hat sich das Geschehen schon jetzt wieder etwas normalisiert.

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