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Umfrage : Aktienanalysten trauen Dax kleinen Jahresendspurt zu

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Bild: Tai-Pan

Nach der jüngsten Kurstalfahrt drückt die europäische Schuldenkrise zwar weiter auf die Stimmung. Analysten billigen dem Dax bis Ende 2011 dennoch einen Anstieg auf 6000 Punkten zu.

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          Wer nach der spektakulären Talfahrt an den Börsen auf eine Erholung des Dax setzt, könnte damit goldrichtig liegen. Rezessionsängste und die Furcht vor einer Eskalation der europäischen Schuldenkrise hätten zuletzt für einen übertriebenen Ausverkauf bei Aktien gesorgt, sagt etwa Postbank-Experte Heinz-Gerd Sonnenschein. „Sobald sich die Wogen um die Schuldenprobleme in Europa etwas gelegt haben, erwarten wir eine kräftige Gegenbewegung.“

          Im Schnitt gehen 26 von Reuters befragte Strategen davon aus, dass der Dax bis Jahresende wieder Kurs auf die 6000-Punkte-Marke nimmt - vom aktuellen Stand wäre dies ein Plus von rund sieben Prozent.

          Im Vergleich zur letzten Schätzung im Juni backen die Analysten inzwischen aber deutlich kleinere Brötchen. Vor drei Monaten sahen die befragten Strategen den Dax Ende 2011 im Schnitt noch bei 7595 Punkten - selbst das Knacken des Rekordhochs von 8151 Zählern aus dem Jahr 2007 hielten einige Experten für denkbar.

          Mittlerweile sind solche Prognosen Geschichte. „Die Abwärtsbewegung der vergangenen Monate ist unglaublich, es hat die Märkte richtig erwischt“, sagt Carsten Klude, Aktienstratege bei MM Warburg. Selbst wenn der Dax bis Jahresende wieder die 6000-Marke knacken würde, wäre es mit einem Minus von gut 13 Prozent ein schwarzes Börsenjahr. Auch bis Mitte 2012 erwarten Experten lediglich einen moderaten Anstieg auf 6500 Punkte.

          Dax seit Jahreshoch um mehr als 2.600 Punkte eingebrochen

          Seit seinem Jahreshoch von 7600 Zählern Anfang Mai ist das deutsche Börsenbarometer um mehr als 2600 Punkte nach unten gerauscht. Seit Januar summiert sich das Minus im Auswahlindex der 30 größten börsennotierten Unternehmen auf gut 19 Prozent - eine bittere Erfahrung für erfolgsverwöhnte Dax-Anleger, die im vergangenen Jahr dank der brummenden Konjunktur ein Plus von 16 Prozent eingefahren hatten.

          Im laufenden Jahr hält es Warburg-Experte Klude für unwahrscheinlich, dass der Leitindex noch große Sprünge machen wird. Weltweit sei eine Abschwächung der Wachstumsdynamik zu beobachten, der sich auch Deutschland nicht entziehen könne, erklärte Klude. „Da die deutsche Wirtschaft überdurchschnittlich stark von der Produktion und vom Außenhandel abhängt und somit besonders zyklisch ist, wird das Wachstum deutlich abflachen.“ Der Konjunkturexperte sieht den Dax, in dem viele Autobauer und Chemieunternehmen vertreten sind, Ende 2011 nur bei 5350 Zähler. Noch pessimistischer sind seine Kollegen von Equinet, die nur noch ein Ziel von 5000 Punkten ausgeben.

          „Die Gefahr einer Rezession in Deutschland ist da“, warnt Equinet-Analyst Martin Possienke. Das mache schon der Ifo-Index deutlich. Das Barometer für die Konjunkturerwartungen ist derzeit im freien Fall. Die Schuldenkrise in Europa und die Furcht vor einer nachlassenden Weltkonjunktur drücken auf die Stimmung der Konzernchefs. „Europa befindet sich aus wirtschaftlicher Sicht in seiner schwierigsten Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagte Possienke. Es brauche Zeit und Geduld, um aus dem Staatschulden-Dilemma wieder herauszukommen.

          Anleger sehen sich nach Lösung im Schuldendrama

          Derzeit warten die Anleger vor allem im griechischen Schuldendrama noch auf eine durchschlagenden Lösungsansatz. Spekulationen über eine Stärkung des Euro-Rettungsschirms EFSF nährten zuletzt zwar Hoffnungen auf Fortschritte bei der Bekämpfung der Krise. Doch für Börsianer ist klar: Die Unsicherheit bleibt erst einmal groß - wie groß, zeigt sich auch an der breiten Spanne der Prognosen für den Dax, die zwischen 5000 und 6600 Punkten schwanken.

          ETX-Capital-Analyst Markus Huber, der mit 6600 Punkten als Dax-Endstand in diesem Jahr besonders optimistisch ist, setzt vor allem auf Rückenwind für das deutsche Börsenbarometer durch China. Das Wachstum in der Volksrepublik verliere vielleicht etwas an Dynamik, sei jedoch weit von einer harten Landung entfernt, sagte er. Das sollte den Dax weiter unterstützten und bei den Unternehmen für solide Ergebnisse sorgen.

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