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Marktbericht : Umbaupläne der Deutschen Bank belasten Kurs

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Jürgen Fitschen und Anshu Jain - der Vorstand der Deutschen Bank hat keine guten Nachrichten für seine Aktionäre Bild: AFP

Der Dax hat am Montag fester geschlossen. Die rote Laterne ging an die Deutsche Bank. Die Pläne zum Umbau kamen nicht gut an. Dagegen zeigten sich VW-Investoren erleichtert über das Ende des Machtkampfs.

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          Neben Griechenland stand am Montag auch die Deutsche Bank im Fokus der Märkte. Die Pläne zum Umbau der Deutschen Bank haben die Anleger nicht überzeugen können. Die Aktien verloren 4,6 Prozent an Wert und schlossen auf einem Sechs-Wochen-Tief von 30,125 Euro. Sie waren der mit Abstand schwächste Wert im Dax, der 1,9 Prozent höher bei 12.039 Punkten schloss. 

          „So grandios ist das nicht, was die Deutsche Bank da angekündigt hat. Einige hatten sich noch drastischere Einschnitte erhofft, wie die Abspaltung des gesamten Privatkundengeschäfts“, sagte ein Händler. Der Aufsichtsrat entschied sich dagegen für die „kleine“ Lösung - nur die Tochter Postbank wird verkauft. Zudem soll das verbleibende „blaue“ Filialnetz massiv ausgedünnt und die Investmentbank abgespeckt werden. Die Postbank-Aktien schossen um mehr als 13 Prozent in die Höhe, den höchsten Stand seit mehr als vier Monaten.

          Die Analysten von Equinet sehen es allerdings nicht als zu negativ an, dass die Deutsche Bank an dem Modell einer Universalbank festhält. Die stabileren Erträge im Privatkundengeschäft seien wichtig, um die stärkeren Schwankungen im Investmentbanking auszugleichen, schreibt Equinet-Experte Philipp Häßler. Die Ergebnisse für das erste Quartal bezeichnete der Analyst als stark. Sie zeigten, dass die Deutsche Bank ein starker globaler Spieler im Investmentbanking bleibe.

          Trotz einer zusätzlichen Belastung von 1,5 Milliarden Euro durch die unerwartet hohe Geldbuße reichte es bei der Deutschen Bank im ersten Quartal zu einem Überschuss von 559 Millionen Euro. LBBW-Analyst Ingo Frommen, der die Ergebnisse als „sehr solide“ bezeichnete, rechnet allerdings damit, dass weiterhin Rechtsrisiken und nun auch Restrukturierungsaufwendungen die Zahlen verhageln dürften. Die neue Strategie erscheint aus seiner Sicht noch als die beste Variante unter den zuvor diskutierten Szenarien.

          Die Investoren bei VW zeigten sich dagegen erleichtert über das Ende des Machtkampfs bei Europas größtem Autobauer. Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch ist am Wochenende überraschend zurückgetreten, nachdem er mit seinem Versuch gescheitert war, Vorstandschef Martin
          Winterkorn abzusetzen. Der Kurs der im Dax notierten Vorzugsaktien stieg um 5,3 Prozent auf 245,45 Euro. Der Machtkampf hatte das Papier zuvor merklich belastet.

          Piëchs Rückzug sei insofern gut für VW, da sich das Management nun wieder mehr auf das operative Geschäft konzentrieren könne, kommentierte DZ-Bank-Analyst Michael Punzet. Piëch war am Samstag von seinem Posten als Aufsichtsratsvorsitzender zurückgetreten und auch seine Ehefrau Ursula gibt ihr Mandat im Kontrollgremium ab. Das Präsidium des VW-Aufsichtsrats begründete den Rücktritt mit einem zerrütteten Verhältnis. „Die Nachricht kam für uns und viele andere völlig unerwartet“, schrieb Analyst Max Warburton von Bernstein Research. Dass die Marktreaktion „euphorisch“ sein werde, habe er bereits erwartet. Wie auch Analyst Stefan Burgstaller von Goldman Sachs sieht er eine Ära zu Ende gehen und verwies darauf, dass Investoren nun mit beträchtlichen Reformen rechneten.

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