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Aktien-Angst : „Wir halten die Sorgen für übertrieben“

Der Bulle steht für die guten Börsenzeiten, der Bär für die schlechten. Bild: Picture-Alliance

Diese Woche hat Aktionären viel Verlust gebracht. Die Angst ist groß, dass es so weitergeht. Doch der Chefstratege der Deutschen Bank rät zur Ruhe.

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          Für Anleger, die deutsche Aktien haben, waren die vergangenen Tage alles andere als sonnig: Mehr als 1000 Punkte hat der deutsche Aktienindex Dax seit Montag vergangener Woche verloren, auch am Freitag starteten die Aktienmärkte erst mal schlecht. Was ist da los?

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für die Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, versucht, Anleger in Deutschland ein wenig zu beruhigen. Es gebe Bedenken – aber mit einem großen Abschwung an den Börsen rechnet er nicht. „Es gibt Sorgen an den Märkten um China, das Wachstum der Weltwirtschaft und die Zinserhöhung in den Vereinigten Staaten.“ Das bewege den Dax verständlicherweise. Immerhin hingen 25 bis 30 Prozent der Gewinne im deutschen Leitindex an der Automobilindustrie. Und rund 80 Prozent der Gewinne seien von den Zyklen des Welthandels und der Weltwirtschaft abhängig. „Da merkt man globale Sorgen sofort.“

          Die große Frage im Moment sei, ob das Wachstum der Weltwirtschaft selbst unter China und der Zinserhöhung in Amerika leiden wird. Der Anlagestratege der Deutschen Bank jedenfalls ist optimistisch: „Ich halte die Ängste um China im Augenblick für übertrieben.“ An den internationalen Finanzmärkten werde eine „harte Landung“ in China eingepreist. Die Märkte rechneten also damit, dass das Wachstum in China deutlich zurückgehen werde. „Es mag zwar sein, dass China langfristig Probleme bekommt“, sagt Ulrich Stephan. „Aber kurz- bis mittelfristig sollte China administrativ und finanziell die Möglichkeiten haben, das Schlimmste zu verhindern - dies allein schon durch 3,5 Billionen Dollar Devisenreserven.“

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          Die chinesische Regierung dürfte weitere Konjunkturprogramme auflegen, um die Wirtschaft anzuregen, „vor allem in der Baubranche“. Außerdem hätte die chinesische Notenbank aus Sicht der Deutschen Bank noch Spielraum für Zinssenkungen oder eine Senkung der Mindestreserve für Banken - auch das könnte die Konjunktur möglicherweise stützen. Die Deutsche Bank jedenfalls rechnet für das zweite Halbjahr mit einem Wachstum in China von sieben Prozent plus und von 6,5 bis 7 Prozent im Jahr 2016 - mehr als der Markt glaubt. Wenn die Bank recht hat und die Ängste an den Märkten um China derzeit übertrieben sind, könnte es auch für Aktien Kurspotential geben.

          Zinserhöhung in Amerika sorgt ebenfalls für unheilvolle Melange

          Das zweite Thema, das sich in den Börsenberichten im Augenblick mit dem ersten zu einer unheilvollen Melange vermischt, ist die Zinserhöhung in Amerika. Was bedeutet sie für Anleger hierzulande? Stephan meint, dass die amerikanische Notenbank Fed jetzt im September die Zinsen tatsächlich anheben wird, allen Unkenrufen zum Trotz. An den Finanzmärkten sei die Meinung allerdings höchstens 50 zu 50, eine Zinserhöhung werde also noch nicht eingepreist. Deshalb spricht einiges dafür, dass auch die Devisenmärkte noch einmal reagieren dürften. „Der Dollar könnte noch mal stärker werden“, glaubt Stephan. Ansonsten halte er zwar Reaktionen der Aktien- und Anleihemärkte für wahrscheinlich, meint aber, diese würden nicht von Dauer sein. „Zum Termin selbst könnten sich die Märkte - in Abhängigkeit von der Fed-Kommentierung - möglicherweise kurz erschrecken.“ Dann aber werde sich der Blick wieder auf Fundamentaldaten wie die Unternehmensgewinne richten.

          Wie ist man da also als Anleger im Moment gut aufgestellt? Raus aus allem und nur Kasse halten? Die Deutsche Bank sieht, ganz im Gegenteil, im Augenblick gute Chancen, gerade in den Vereinigten Staaten. Amerika sei für Anleger immer noch attraktiv, sagt Stephan.

          „Wir blicken vor allem auf Immobilien, Unternehmensanleihen guter Bonität, nichts mit Öl, und auf Aktien von Unternehmen, die ihr Geschäft primär im heimischen Markt tätigen.“ Amerikanische Aktien seien zwar höher bewertet als europäische. Dafür hätten sie einen anderen Vorteil: „Amerikanische Aktien sind sehr stabil.“ Interessant seien zum Beispiel amerikanische IT-Aktien, Pharmawerte und Biotechnologie. Auch europäische Aktien sind aus Sicht des Anlagestrategen attraktiv. „Die schwachen Kurse im Augenblick hängen mit China zusammen - wir halten diese Sorgen aber ja für übertrieben.“

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