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Übernahmemarkt : Private Equity erobert sich seinen Platz zurück

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Die größten Transaktionen werden in Nordamerika getätigt: Der Kaufhauskonzerns Neiman Marcus ging für 6 Milliarden Dollar über den Tisch Bild: AFP

Private Equity hat fünf Jahre nach der Finanzkrise seinen Platz im internationalen Übernahmegeschehen wieder eingenommen. Besonders viele Unternehmen werden in Amerika übernommen - in Europa lähmt die Eurokrise.

          Fünf Jahre nach dem Untergang der Investmentbank Lehman Brothers sind Finanzinvestoren (Private Equity) zwar nicht mehr die „Masters of the Universe“, als die sie sich fälschlicherweise eine Zeit lang gewähnt hatten. Aber Private Equity hat seinen angestammten Platz im internationalen Übernahmegeschehen längst wieder eingenommen, wie auch die Statistiken für das dritte Quartal und die ersten neun Monate dieses Jahres zeigen. Das große Geschäft mit dem Erwerb und Wiederverkauf von Unternehmen machen die Beteiligungsgesellschaften – wie früher – vornehmlich in Amerika. In Europa dagegen lähmt die wirtschaftliche Krise auch die Private-Equity-Aktivitäten.

          Transaktionen

          Insgesamt 666 Übernahmen im Gesamtwert von 60 Milliarden Dollar wurden im dritten Quartal rund um den Globus durch Private-Equity-Gesellschaften angekündigt oder vollzogen. Laut einer Analyse des Datenanbieters Preqin war das zwar ein leichter Rückgang zum vorangegangenen Quartal. In den ersten neun Monaten 2013 erreichte das gesamte Übernahmevolumen durch Private Equity aber mehr als 200 Milliarden Dollar – ein Plus von 19 Prozent zum Vorjahr.

          Das zeige, dass es trotz aller Skepsis noch immer genügend Investitionsmöglichkeiten gebe, kommentierte Preqin-Manager Ignatius Fogarty die Zahlen. Auf der Suche nach Kaufgelegenheiten wird die Branche derzeit vor allem in Nordamerika fündig. Von den sechs größten Transaktionen des dritten Quartals wurden fünf in den Vereinigten Staaten angekündigt.

          Finanzinvestoren auf der Pirsch

          Angeführt wird die Liste vom 6 Milliarden Dollar schweren Verkauf des Kaufhauskonzerns Neiman Marcus, der von einer Gruppe von Finanzinvestoren (TPG, Warburg Pincus) an die nächste (Ares Management, CPP) weitergereicht wurde. Insgesamt machte Amerika rund die Hälfte des gesamten Private-Equity-Markts im dritten Quartal aus.

          Während Asien starke Zuwächse sah, blieb Europa mit einem Transaktionsvolumen von 15 Milliarden Dollar um rund 50 Prozent hinter dem Vorquartal zurück. In Deutschland wurde in diesem Zeitraum keine einzige Milliardenübernahme registriert. In der Liste der größten Veräußerungen durch Finanzinvestoren rangierte der Verkauf des Badarmaturenherstellers Grohe an den japanischen Lixil-Konzern für 1,5 Milliarden Euro auf Rang drei.

          Neue Fonds

          Viele große Geldgeber suchen derzeit nach Alternativen zu den klassischen Anlageformen wie Staatspapiere oder Aktien. Daher machen sich Private-Equity-Gesellschaften Hoffnung, neue Fonds mit ausreichend Kapital füllen zu können. Insgesamt 1990 Finanzinvestoren sind derzeit laut Preqin mit Geldeinsammeln beschäftigt – ein Rekordwert. Aber das sogenannte „fundraising“ ist mühsam, im Durchschnitt dauert es 18,5 Monate bis zur letzten Unterschrift. Vor der Finanzkrise, im Jahr 2006, waren nur 11,3 Monate nötig. Und die Zahlen zeigen auch, dass viele Versicherer oder Pensionskassen inzwischen lieber größere Summen an bewährte Private-Equity-Häuser geben, als ihr Kapital auf mehrere Töpfe zu verteilen.

          „Der Markt bleibt unterteilt und eine Vielzahl von Finanzinvestoren haben im Fundraising weiterhin ihre Mühe“, analysiert Dan Gunner, leitender Analyst von Private Equity International (PEI). Im dritten Quartal wurden nach Preqin-Schätzung 179 Fonds neu aufgelegt mit zusammen 87 Milliarden Dollar Kapital.

          PEI kommt auf etwas kleinere Werte. In den ersten neun Monaten seien aber schon Fonds mit zusammen 275 Milliarden Dollar neu aufgelegt worden. Damit könnte 2013 das erfolgreichste Jahr seit Ausbruch der Finanzkrise werden, heißt es. Vom Rekordwert aus 2008 – knapp 900 neue Fonds wurden damals mit zusammen 532 Milliarden Dollar bestückt – ist die Branche aber noch weit entfernt.

          Den mit Abstand größten Topf sicherte sich im dritten Quartal CVC Capital Partners, deren neuer Europa-Fonds 10,5 Milliarden Euro umfasst. Der Finanzinvestor ist in Deutschland durch sein Investment im Spezialchemiekonzern Evonik bekannt, außerdem gehört ihm die Betreibergesellschaft der Formel 1. Auffällig ist, dass die großen Übernahmefonds im dritten Quartal zwar ihre Spitzenposition klar verteidigen konnten, für sie kamen 27,9 Milliarden Dollar neu zusammen. Viele Geldgeber suchen aber auch vermehrt Anlagemöglichkeiten in Immobilien. In diese Fonds-Kategorie flossen 18,8 Milliarden Dollar.

          Wagniskapital

          In der Finanzierung von Jungunternehmen durch Wagniskapitalfonds ist Amerika dem alten Kontinent seit jeher weit voraus. Allerdings scheint das zähe Wirtschaftsgeschehen sowohl dies- als auch jenseits des Atlantiks die Risikofreude getrübt zu haben. Sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Europa gingen die Finanzierungen von Jungbetrieben im dritten Quartal merklich zurück.

          Dafür konnte China das Interesse der Wagnisfinanzierer neu entfachen. Dort wurden laut Preqin im dritten Quartal fast doppelt so viele Transaktionen durchgeführt wie im Vorquartal. Insgesamt wurden zwischen Juli und Ende September rund um den Globus 1378 Transaktionen mit Wagniskapital verzeichnet, die zusammen einen Wert von 10,8 Milliarden Dollar hatten. Das sei der geringste Quartalswert seit Ende 2011 gewesen, heißt es in der Studie.

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