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Übernahmekampf Dell gegen HP : Wer ist 3 Par?

3Par: Zukünftig Standard oder nur ein Versuch von vielen? Bild: AP

HP und Dell kämpfen um die Übernahme des Speicherspezialisten 3Par. Um Geld geht es nicht, das Volumen ist klein. Doch jeder von beiden will dem anderen keinen Vorteil im Zukunftsmarkt des „Cloud-Computing“ gönnen.

          Zwischen den beiden amerikanischen PC-Herstellern Dell und Hewlett-Packard tobt ein heftiger Übernahmekampf um den Datenspeicherspezialisten 3PAR. Nach dem dieser Mitte August schon der Übernahme durch Dell für 18 Dollar je Aktie oder 1,15 Milliarden Dollar zugestimmt hatte, legte HP ein Angebot von 24 Dollar je Aktie vor, worauf 3Par zu Verhandlungen bereit erklärte.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das überbot Dell wieder mit 24,30 Dollar, doch jetzt ist HP bereit, sogar 27 Dollar je Aktie zu zahlen, immerhin 50 Prozent mehr als das ursprüngliche Angebot, das Dell einmal gemacht und 3Par akzeptiert hatte.

          Synergien durch die Wolke

          3Par sieht sich selbst als weltweit führenden Anbieter im Bereich Utility Storage. Das sind Speicherlösungen, die für das sogenannte Cloud Computing entwickelt wurden, also Netzwerke von Rechenzentren, die Speicher- und Rechenleistungen für Kunden übernehmen und untereinander optimal verteilen. Dadurch sollen Ressourcen effizienter genutzt werden. Die Ausfallsicherheit soll durch Redundanzen gewährleistet werden.

          Im Grunde geht es wieder einmal um Einsparpotential, weil sich unternehmen erhoffen, die eigenen Computertechnikabteilungen und Investitionen in die Informationstechnik verringern zu können. Größere Firmen setzen dagegen auf „private Wolken“ und erhoffen sich Einsparungen durch Zentralisierung - im Grunde also der Weg zurück zu einen modernen Version des firmeneigenen Rechenzentrums.

          3Par für sich in Anspruch, dass durch Einsatz seiner Bausteine, ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis ermöglicht wird, weil IT-Organisationen Speicherkapazität wie Energielieferungen zu behandeln und nur für die jeweils auch genutzte Kapazität zu zahlen. Kunden könnten ihre Gesamtdatenkosten um bis zu 50 Prozent senken. Die Speicherlösungen seien selbstverwaltende, inhärent effizient und dynamisch anpassbare. Damit zielt das Unternehmen auf Kunden, die IT-Dienstleistungen bereitstellen.

          Ein kleiner Fisch

          Große Umsätze hat 3Par damit bislang noch nicht gemacht. In dem im März abgelaufenen Geschäftsjahr flossen knapp 195 Millionen Dollar in die Kassen, gerade einmal 5 Prozent mehr als im Jahr davor.

          Gewinne macht das 1999 gegründete Unternehmen, das seit 2002 Produkte auf dem Markt hat und 2006 an die Börse ging bisher noch nicht. Im vergangenen Geschäftsjahr betrug der Verlust 3,2 Millionen Dollar, mehr als dreimal so viel wie im Jahr davor. Operativ macht 3Par allerdings schon seit dem Geschäftsjahr 2008/2009 Gewinne. Analysten rechnen auch für das laufende Jahr mit dem Vorstoß in die schwarzen Zahlen.

          Vorbehalte gegen und Potential für die Wolke

          Für HP und Dell ist allerdings die Technik wichtig. Offenbar sehen beide Hersteller, die sich verstärkt auf das Geschäftskundensegment konzentrieren, weil sie im heftigen Preiskampf mit den fernöstlichen Herstellern offenbar weniger Zukunft sehen, in den Lösungen von 3Par einen entscheidenden künftigen Kostenvorteil.

          Die Umsätze im Bereich „Cloud-Computing“ sollen in den kommenden fünf Jahren durchschnittlichen um rund 20 Prozent wachsen und im Jahre 2014 fast 150 Milliarden Dollar erreichen, so die Prognose des Marktforschungsinstituts Gartner, die Hälfte der Umsätze soll in den vereinigten Staaten gemacht werden. Indes sehen die Analysten noch viele Vorbehalte. Zahlreiche Unternehmen prüften den Einsatz, seien aber längst nicht überzeugt, dass die Angebote wirklich die Anforderungen erfüllten.

          Dennoch bereiten sich die Hersteller darauf vor. HP etwa übernahm erst dieser Tage hatte das im Cloud Computing aktive Unternehmen Stratavia geschluckt. Der Preis blieb geheim.

          Keine Frage der Mittel

          Angesichts der Größe von 3Par können sich die Konzerne den Übernahmekampf locker leisten. Das ursprüngliche Angebot von Dell betrug gerade einmal 1,13 Milliarden Dollar, jetzt ist HP bei 1,7 Milliarden Dollar. Die großen Konzerne verfügten zuletzt über liquide Mittel von jeweils mehr als 10 Milliarden Dollar. Dell wies sogar ein Nettovermögen von 7,2 Milliarden Dollar aus, während HP Nettoschulden von 5,3 Milliarden hat.

          Der Übernahmekampf könnte also durchaus noch etwas weitergehen. Nach Aussage von Dell-Sprecher David Frink ist das Unternehmen bislang nicht von 3Par über ein höheres Gebot von HP unterrichtet worden: Einen Schlussstrich hat der Konzern aber wohl nicht gezogen: „Wir werden die Situation bewerten und im besten Interesse unserer Kunden und Anteilseigner handeln“, sagte Frink.

          „Kann man damit Geld verdienen?“

          Die Aktie von 3PAR legte im nachbörslichen amerikanischen Handel 6,9 Prozent auf 27,82 Dollar zu. Genauso wie sich nur spekulieren lässt, ob Dell noch einmal nachlegt - immerhin hatten sie das erste HP-Gebot nur um 30 Cents je Aktie übertrumpft- genauso uneins sind Beobachter: Manche glauben an ein neues Gebot, andere sehen das Ende der Fahnenstange erreicht. Abhängig ist dies wohl weit weniger vom derzeit erreichten Preis als davon, wie viel wert den Konzernen die Technik von 3 Par und der Erfolg ist, einen Konkurrenten ausgestochen zu haben. Das lässt sich letztlich schwer beurteilen.

          Mike Shinnick, Vermögensverwalter bei Wasatch Advisors hat am Sinn des Ganzen seine Zweifel: „Die wahre Frage ist doch, ob man damit Geld verdienen kann. Das ist sehr fraglich.“

          Der Aktienkurs von 3 Par, der am 12. August noch bei 9,65 Dollar notierte, stieg am Donnerstag im nachbörslichen Handel auf 27,80 Dollar. Offenkundig sehen die Anleger noch Spielräume. Ein um 1 Dollar höheres Angebot würde Dell auch nur 63 Millionen Dollar kosten. In Frankfurt kletterte der Kurs am Freitag um 6,7 Prozent auf 22,20 Euro oder umgerechnet schon 28,23 Dollar.

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