https://www.faz.net/-gv6-7ivd2

Übernahmeangebot für Pharmahändler : Wenig Hoffnung auf Bietergefecht um Celesio

Medikamente in großen Mengen: Pharmahändler Celesio Bild: Franz Haniel & Cie. GmbH

Das Übernahmeangebot von McKesson für den Pharmahändler Celesio ist aus Sicht der Aktionäre unerwartet großzügig. Die Banken rechnen deshalb mit einer erfolgreichen Transaktion.

          Die Internetseite zeugt von Selbstbewusstsein. Auf www.globalhealthcareleader.de sieht alles aus, als gäbe es gar keine bessere Idee, als den europäischen Pharmahändler Celesio mit dem amerikanischen Branchenriesen McKesson zusammenzuführen und daraus einen führenden Anbieter von Dienstleistungen im Gesundheitssektor zu formen. 81.500 Mitarbeiter in mehr als 20 Ländern hätte so ein „Global Healthcare Leader“, und zusammen würden sie einen Umsatz von 150 Milliarden Dollar (umgerechnet 111 Milliarden Euro) erzielen. Alle, so wird auf der Seite ausführlichst dargestellt, würden davon profitieren: Mitarbeiter, Kunden, Pharmahersteller und Zulieferer und natürlich die Anleger.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Um das zu erreichen, plant McKesson, den Celesio-Aktionären ein Angebot über 23 Euro je Aktie zu unterbreiten. Mit Haniel, dem Großaktionär von Celesio, der schon länger auf der Suche nach einem Käufer für seinen Anteil von zuletzt noch 50,1 Prozent an dem Stuttgarter Pharmahändler war, ist McKesson schon handelseinig geworden. Die Meinung von Analysten zu diesem Angebot ist einhellig. Es sei „attraktiv“, urteilen sie. „Wir gratulieren Haniel zu diesem guten Geschäft, das sie nach ziemlich mühseligen fünf, sechs Jahren für sich selbst und die Minderheitsaktionäre ausgehandelt haben“, lautet der Kommentar von Scott Bardo von der Berenberg Bank. Die LBBW verweist darauf, dass in den Spekulationen, die es immer wieder gegeben hatte, nie ein Preis von 23 Euro genannt war, sondern höchstens ein Angebot von 22 Euro je Aktie.

          „Take the money and Rhoen“

          Warburg-Analyst Huwald weist darauf hin, dass der Preis den fairen Wert übersteige, den Warburg auf der Grundlage eines Ertragswertverfahrens selbst errechnet habe. Celesio werde mit dem 11,3fachen des für dieses Jahr erwarteten operativen Ergebnisses bewertet. Das sei nahe an dem Wert von 11,7, der bei dem Einstieg der amerikanischen Drogeriekette Walgreens beim europäischen Pharmahändler Alliance Boots bezahlt worden sei. Celesio aber sei nicht so profitabel und habe Probleme im heimischen Markt, so gibt Huwald mit Blick auf eine nun schon seit einem Jahr dauernde, verlustreiche Rabattschlacht unter den deutschen Großhändlern zu bedenken.

          „Take the money and Rhoen“ lautet die Devise der Commerzbank-Analysten. Man solle das Angebot annehmen und das Geld für Aktien des Rhön-Klinikums verwenden: „eine exzellente Alternative im deutschen Gesundheitsmarkt“, mit einem Aufwärtspotential von 25 Prozent. Die Commerzbank weist darauf hin, dass der von McKesson zugrunde gelegte Wert etwa 10 Prozent über den durchschnittlichen Bewertungen der Vergleichsgruppe liege. Diese Zahlen, die ausdrückliche Unterstützung des Geschäfts durch das Celesio-Management sowie die Tatsache, dass McKesson schon mit Großaktionär Haniel handelseinig geworden sei, lasse es zweifelhaft erscheinen, dass es irgendeine Art von Gegenangebot geben könnte.

          McKesson verspricht sich ergiebige Synergieeffekte

          Der einzige Kandidat für eine Übernahme dürfte McKesson aber nicht gewesen sein. Celesio-Vorstandssprecherin Marion Helmes wollte sich nicht dazu äußern, ob es noch konkrete Verhandlungen mit anderen strategischen Interessenten oder Finanzinvestoren gegeben habe. Jedoch hatte es im Vorfeld der Vereinbarung zwischen McKesson, Haniel und Celesio, die am vergangenen Donnerstag verkündet wurde, immer wieder Gerüchte über entsprechende Gespräche gegeben. In den Markt der Pharmahändler ist vor allem durch den Zusammenschluss von Walgreen mit Alliance Boots Bewegung gekommen, die sich dann wiederum in diesem Frühjahr mit dem Pharmagroßhändler Amerisource Bergen verbündet haben. Die so entstehenden Einkaufs- und Logistikvorteile verschaffen der Gruppe einen Vorsprung, den Konkurrenten durch ähnliche Zusammenschlüsse aufholen wollen.

          McKesson verspricht sich Synergieeffekte von 275 bis 325 Millionen Dollar jährlich ab dem vierten Jahr nach der Übernahme von Celesio. Für McKesson ist Celesio insofern eine gute Ergänzung, als es regional kaum Überlappungen gibt: Während McKesson sich bisher beinahe völlig auf Nordamerika beschränkte, ist Celesio in ganz Europa vertreten und außerdem noch in Brasilien.

          Beinahe alle Banken haben mittlerweile ihre Kursziele für die bisher noch im M-Dax notierten Celesio-Aktien auf 23 Euro angepasst und erwarten, dass das Geschäft tatsächlich abgeschlossen wird. McKesson hat aber eine Hürde eingebaut: Die Amerikaner wollen 75 Prozent des Kapitals haben. Dabei beziehen sie sich nicht auf die Aktien, von denen sie die Hälfte ja schon aus dem Hause Haniel bekommen, sondern schließen auch die Wandelschuldverschreibungen (Laufzeiten bis 2014 und 2018) mit ein, die von McKesson gekauft werden. Während Haniel von McKesson 2 Milliarden Euro kassiert, ist das gesamte Geschäft 6,3 Milliarden Euro schwer.

          Weitere Themen

          Bieter kämpfen um Osram

          Milliarden-Übernahme : Bieter kämpfen um Osram

          Der Chiphersteller AMS will die Finanzinvestoren Bain und Carlyle überbieten. Aktionäre des Lichttechnikspezialisten können daher zwischen zwei Übernahmeangeboten wählen, wenn die Finanzaufsicht grünes Licht gibt. Der Aktienkurs steigt.

          Topmeldungen

          Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

          Schwäche der EU? : Boris Trump

          Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

          Axel Voss auf der Gamescom : Zu Gast bei Feinden

          Der EU-Abgeordnete Axel Voss ist die Hassfigur der Youtuber und Gamer. Mit der Reform des Urheberrechts hat er die Szene gegen sich aufgebracht. Sein Besuch auf der Spielemesse Gamescom lief dann aber anders als erwartet.
          Noch baumelt der Golf an den Greifarmen im Zwickauer VW-Werk. Bald soll ihn das Elektromodell ID ablösen.

          VW-Werk : Zwickau wird elektrisch

          VW produziert im sächsischen Zwickau bald nur noch Elektroautos. Das Werk wird damit zum Modell für die ganze Branche. Was bedeutet das für die Arbeiter? Ein Besuch im Versuchslabor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.