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Übernahme- und Fusionen : Phantasie beflügelt europäische Finanzwerte

  • Aktualisiert am

Aktie im Blickpunkt Bild: AFP

An der französischen Börse geht es am Freitag heiß her. Im Brennpunkt steht die Aktie der Großbank Société Générale, die angeblich mit dem UniCredito Italiano fusionieren will. Das regt die Fusionsphantasie in Europa neu an.

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          An der französischen Börse geht es am Freitag heiß her. Dafür ist nicht nur der kleine Verfall an den Terminbörsen verantwortlich, sondern die großen Finanzwerte des Landes befinden sich aufgrund von Übernahme- und Fusionsüberlegungen im Aufwind.

          Im Brennpunkt der Spekulationen steht die Aktie der französischen Großbank Société Générale, die am Freitag im Tagesverlauf Kursgewinne von bis zu knapp zwölf Prozent auf bis zu 162 Euro je Aktie verbuchen konnte. Die Aktie hat alleine seit Mitte März rund 35 Prozent zugelegt.

          Fusion zwischen Société Générale und UniCredito Italiano?

          Hintergrund sind Spekulationen und Berichte, nach denen sich die Société Générale mit der italienischen Großbank UniCredit zusammenschließen könnte. Ziel sei es, einen pan-europäischen Bankenriesen mit Interessen in Frankreich, Deutschland, Italien und Zentral- sowie Osteuropa zu schaffen, zitiert die Nachrichtenagentur Dow Jones mehrere mit der Situation vertraute Personen am Freitag.

          “Die Gespräche zwischen den beiden Banken befinden sich in einer sehr frühen Phase“, sagten die Personen. Da solch ein grenzüberschreitender Vertrag wahrscheinlich jedoch viele Probleme beinhalte, die vor einer Bekanntgabe gelöst werden müssten, könnten die informellen Gespräche zwischen den beiden Banken jederzeit wieder abgesagt werden.

          Eine Fusion zwischen UniCredit und Société Générale würde einen pan-europäischen Bankenriesen im Wert von 150 Milliarden Euro mit über 57 Millionen Kunden und fast 10.200 Filialen schaffen. “UniCredit und Societe Generale prüfen eine Fusion unter Gleichen“, sagte eine mit der Situation vertraute Person. “Ein solcher Abschluss muss von beiden gewollt sein. Die beiden Banken müssen in jedem einzelnen Detail übereinstimmen, um eine Einigung zu erzielen.“

          Einzelne Fondsmanager halten eine Fusion der beiden Banken für vernünftig. Nach der Übernahme der Hypovereinsbank durch den UniCredito Italiano in den vergangenen Monaten verfügen die beiden Insititute nicht nur über eine ähnlich hohe Marktkapitalisierung, sondern sie ergänzen sich auch sowohl von der Geschäftsstruktur her als auch von der regionalen Aufstellung. Auch die Aktie des UniCredito verbucht einen Kursgewinn von 3,3 Prozent auf 7,48 Euro.

          Bankenwerte auf breiter Basis im Aufwind

          Die Gespräche und Gerüchte bringen die nach wie vor relativ stark fragmentierte europäische Bankenlandschaft wieder in Bewegung. Das zeigt sich alleine schon daran, dass auch die Aktien andere Banken deutlich zulegen: Die Papiere der Deutschen Bank legen 3,9 Prozent zu und die der Commerzbank sogar um 4,2 Prozent. In der Schweiz steigen die Werte der Crediti Suisse und der UBS, in Spanien vor allem jene der BBVA, im FTSE jene der Barclays PLC und in Belgien jene der Dexia und der KBC Groep.

          Einigen Händlern zufolge gibt es Spekulationen, wonach auch Frankreichs größte Bank, die BNP Paribas, ein Gebot für Société Générale abgeben will und so mit der Unicredit in Konkurrenz treten wolle. Solche Gerüchte zeigen auch mit Blick auf die jüngste Entwicklung rund um die niederländische ABN Amro Holding, dass die Konsolidierung der europäischen Bankenlandschaft an Dynamik zu gewinnen scheint.

          Auf diese Weise können größere Einheiten größere Marktanteile am europäischen Markt erreichen und gleichzeitig Skaleneffekte realisieren. Das heißt, die Effizienz nimmt zu. Das dürfte dazu führen, dass andere Unternehmen auch aufgrund der immer weniger werdenden Fusions- und Übernahmeziele unter Druck geraten könnten, zu handeln. In diesem Sinne dürften vor allem die kleineren Werte wieder Übernahmephantasien erhalten. Es dürfte aus diesem Grund kaum verwundern, dass auch die Aktie der Commerzbank schon seit Wochen deutlich nach oben läuft.

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