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Sportartikelhersteller : Übernahmephantasie treibt Puma-Aktie auf neues Hoch

  • Aktualisiert am

An der Börse wieder ein Hingucker: Puma Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Seit Januar wirkte die Aktie von Puma bisher ziemlich ermüdet nach der Rally der vergangenen Jahre. Doch zum Wochenschluß springt sie dennoch auf ein neues Rekordhoch. Der Grund: Großaktionär Mayfair hat weiter aufgestockt.

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          Einem Anlegertraum kommt das langfristige Kursbild der Puma-Aktie gleich. Kein Wunder: Binnen fünf Jahren ist der Titel um sage und schreibe 1470 Prozent (!) schwerer geworden, auch und gerade dank der Sportmode-Strategie. Doch in der jüngeren Vergangenheit zeigte der Titel einige Ermündungserscheinungen. Nach einer Berg- und Talfahrt zwischen den Marken 220 Euro und 175 Euro stand bis Donnerstag ein mageres Jahersplus von 8,6 Prozent zu Buche. Und mit einem seut Anfang Januar aufgelaufenen Kursgewinn von 12,5 Prozent hinkte die Aktie deutlich hinter dem bullenstarken MDax her, der sich um knapp 29 Prozent verbesserte.

          Gleichwohl schafft es die Puma-Aktie zum Wochenschluß auf ein neues Rekordhoch. Bis auf 238,66 Euro ist die Notiz im Tagesverlauf gesprungen. Am Nachmittag steht ein Plus von 2,4 Prozent auf 232,85 Prozent zu Buche. Das bisherige Hoch auf Schlußkursbasis beträgt 232,17 Euro, aufgestellt am 19. Juli. Der Grund für die Kursbelebung: Der Großaktionär Mayfair, hinter dem zwei ehemalige Tchibo-Anteilseigner stehen, hat seine Beteiligung kräftig aufgestockt und schließt weitere Zukäufe nicht aus. Dies befördert Übernahmephantasien, obwohl Mayfair sich nicht entsprechend geäußert hat.

          Mayfair: Wir sind ein Finanzinvestor

          Puma-Hauptaktionär Mayfair schließt eine weitere Aufstockung seiner Anteile an dem Sportartikelkonzern nicht aus, sagte der Geschäftsführer der Beteiligungsfirma, Rainer Kutzner, am Freitag. Er beschrieb die Rolle der Hamburger Firma der früheren Tchibo-Eigner Günter und Daniela Herz bei Puma erneut als die eines Finanzinvestors. „Wir legen Geld in die Puma-Aktie an und hoffen auf eine gedeihliche Entwicklung. Das Management wird die Firma weiter entwickeln, hoffentlich so gut wie es das in der Vergangenheit getan hat.“

          Der Chart zeigt den Kursverlauf der Puma-Aktie

          Mayfair hatte seine Beteiligung an Puma auf mehr als 25 Prozent von 17 Prozent erhöht und hält nun eine Sperrminorität. Damit können wichtige Entscheidungen wie Satzungsänderungen oder Kapitalerhöhungen bei der Gesellschaft nicht mehr gegen diesen Anteilseigner durchgesetzt werden.

          Analysten raten überwiegend zum Halten

          Die Landesbank Rheinland-Pfalz bewertet die Zukäufe der Hanseaten als „positive Signalwirkung“. Analyst Christian Schindler schaut zudem in die Zukunft und fragt: „Was macht Nike?“ Seine Spekulation: „Nach dem Kauf von Reebok durch Adidas könnte Puma in das Übernahme-Zielraster von Nike geraten. Die Übernahmephantasie hat nach wie vor Aktualität.“ Gleichwohl erwartet Schindler wohl keine neue Kursrally, da er die Aktie weiter als „Marketperformer“ einstuft, also als Halteposition. Sein Kursziel steht bei 215 Euro.

          Auch aus der Sicht anderer Analysten ist Puma schon gut bezahlt. Entsprechend hat sich AC Research gerade geäußert; man den Titel als ausreichend bewertet an. Die Hypo-Vereinsbank hat in ihrem jüngsten Kommentar ein Kursziel von 228 Euro genannt und empfohlen, das Papier zu halten. Dem entspricht auch der aktuelle Rat von Goldman Sachs und der NordLB, die den fairen Wert bei 216 Euro sieht. Deutlich „bullisher“ ist Dresdner Kleinwort Wasserstein eingestellt: Für die Allianz-Tochter ist Puma nach wie vor ein Kauf und 260 Euro je Aktie wert.

          Unattraktiver als Adidas

          Die Bewertung der Aktie legt aber nicht unbedingt nahe, daß der Titel noch viel Potential hat. Mit Kurs-Gewinn-Verhältnisses von 13,7 für dieses Jahr und 17,4 für 2006 ist die Aktie unattraktiver als Adidas (17/14,6), da für Anleger inzwischen das KGV für 2006 mehr zählen sollte als dasjenige für dieses Jahr. Zudem ist Nike günstiger bewertet, hat aber auch zwei schlechte Monate an der Börse hinter sich.

          Mit seinen Zahlen zum zweiten Quartal hat Puma den Markt recht angenehm überrascht, zumal der Konzern seine Umsatzprognose erhöhte - doch hat der Ausblick den Kurs seinerzeit ins Minus drehen lassen. Die Prognose, einen Teil der hohen Erträge zu reinvestieren und deshalb für 2006 ein auf 300 bis 330 Millionen Euro sinkendes Betriebsergebnis zu erwarten, hat manchen Marktteilnehmern nicht geschmeckt. Denn Analysten hatten im Schnitt mit 400 Millionen Euro gerechnet.

          Vor diesem Hintergrund sollte die aufgefrischte Übernahmephantasie wohl besser nicht allzu sehr ausgelebt werden. Auf diesen Zug aufzuspringen, kann nach hinten losgehen. Insofern scheint die Mehrheitsmeinung der Analysten in diesem Fall einem guten Rat gleichkommen.

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