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Turbulenzen an der Börse : Kommt jetzt der große Kurssturz?

Der deutsche Leitindex Dax hat innerhalb einer Woche acht Prozent verloren - so viel wie seit vier Jahren nicht mehr. Bild: dpa

In der vergangenen Woche hat sich der Markt bedrohlich zur Seite geneigt - Richtung Depression. So etwas haben wir seit der Finanzkrise nicht mehr gesehen. Geht das jetzt so weiter?

          Der legendäre Investor Warren Buffett hat es schon immer gewusst: „Der Markt ist ein betrunkener Irrer, der zwischen Euphorie und Depression hin und her schwankt“, sagte er im Frühjahr. Und er scheint Recht zu haben, wie die vergangene Woche gezeigt hat. In der hat sich der Markt bedrohlich zur Seite geneigt, Richtung Depression.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das war heftig. So eine harte Woche haben die Anleger schon lange nicht mehr erlebt. Acht Prozent rauschte der Dax in den Keller, der höchste Wochenverlust seit vier Jahren. Seit dem Höchststand vom April hat er schon fast 20 Prozent verloren und ist wieder auf 10.000 Punkte gefallen. Einzelne Aktien haben seitdem sogar mehr als 30 Prozent abgegeben. Alle Gewinne des Jahres 2015 sind damit fast wieder weg. Der Dax ist dabei in bester Gesellschaft. Auch an der Wall Street, in Tokio, in London, an allen wichtigen Börsenplätzen der Welt stürzten die Aktienkurse ab. Weltweit wurden in wenigen Monaten fast 9000 Milliarden Euro Börsenwert vernichtet, das ist dreimal so viel wie die deutsche Wirtschaftsleistung eines Jahres.

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          Dabei hätten sich die Anleger eigentlich freuen können, denn die monatelange Griechen-Krise hat sich mit dem Abschluss des dritten Hilfspakets erst einmal beruhigt. Doch stattdessen blickte man nach China, wo sich die schlechten Nachrichten häufen. Die Aktienkurse dort brachen so stark ein, dass sich die Regierung genötigt sah, in den Markt einzugreifen und mit eigenen Aktienkäufen die Preise etwas zu stabilisieren. Konjunkturdaten fielen mau aus. Die Abwertung des Yuan zum Dollar, die erste seit vielen Jahren, schien die Ängste vor einem schwächeren Wachstum zu bestätigen. All das passiert vor dem Hintergrund einer bis vor kurzem sicher scheinenden Zinserhöhung in Amerika im September, die das Ende des billigen Geldes einläuten würde. Dieses Geld war der Haupttreiber der Aktienhausse in den vergangenen Jahren. Das macht die Anleger sowieso schon seit längerem nervös.

          Chinas Schwäche ernsthafte Bedrohung für deutsche Unternehmen

          All diese schlechten Nachrichten treffen auf einen Aktienmarkt, der sich schon im siebten Jahr eines Aufschwungs befindet. Alle stellen sich darum nur noch eine Frage: Ist diese lange Hausse jetzt womöglich vorbei? Die Analysten in den Banken wiegeln schnell ab und sprechen verharmlosend von einer „willkommenen Korrektur innerhalb eines intakten Börsenaufschwungs“. Doch ganz so einfach ist es nicht.

          China ist immerhin nach den Vereinigten Staaten die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Einige deutsche Exportfirmen machen dort einen Großteil ihrer Geschäfte. Volkswagen steht dabei an der Spitze, ein Drittel des Umsatzes wird in China erwirtschaftet, der Chiphersteller Infineon macht 20 Prozent seines Geschäfts dort, etwas mehr als BMW. Für Adidas sind es rund 12 Prozent. Am Gewinn sind die Anteile Chinas teilweise noch höher, weil zum Beispiel Autobauer dort höhere Preise verlangen können und größere Modelle verkaufen. Für die Ergebnisse solcher Unternehmen ist die Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums eine ernsthafte Bedrohung, vor allem wenn sie wie Volkswagen kaum vom boomenden amerikanischen Markt als Ausgleich profitieren können.

          Weniger gut erklärbar ist allerdings, warum auch fast alle anderen Dax-Unternehmen so stark fallen, auch wenn sie mit China nur wenig Geschäfte machen. Gut, die Versorger Eon und RWE kämpfen immer noch mit den Folgen der Energiewende. Aber warum stürzt die Aktie der Deutschen Telekom in zwei Wochen um 14 Prozent ab? Warum verliert Fresenius Medical Care 17 Prozent, obwohl die Firma vor allem in Nordamerika Geld verdient? Mit China haben diese Unternehmen wenig zu tun.

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