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Türkei : Anhaltendes Trauerspiel am türkischen Finanzmarkt

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Noch ein kranker Mann am Bosporus: Regierungschef Ecevit Bild: AP

Noch immer hält der kranke Regierungschef Ecevit stur an seinem Stuhl fest. Aktien, Renten und türkische Lira fallen mittlerweile im Gleichklang.

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          Das alte Lied um den kranken Mann am Bosporus nimmt bedohliche Züge an. Sowohl der türkische Aktien- und Rentenmarkt als auch die türkische Lira zeigen den zweiten Tag in Folge eine erschreckende Einmütigkeit nach unten, nachdem Regierungschef Bülent Ecevit trotz seiner Gesundheitsprobleme Rücktrittsforderungen weiterhin ablehnt.

          Am Morgen verlor der Istanbuler National-100-Aktienindex über fünf Prozent auf unter 10.000 Punkte, die Rendite für die im April 2003 fällige Anleihe stieg um 3,8 Prozentpunkte auf 77,40 Prozent, und die Lira gab 2,7 Prozent auf 1.661.000 Lira pro Dollar nach. Seit Anfang Mai, als der 77-jährige Ecevit zum ersten Mal ins Krankenhaus eingeliefert wurde, hat die Landeswährung damit gegenüber dem Dollar um 17 Prozent abgewertet. Der Aktienindex verlor seither ein Viertel seines Wertes.

          Latente Sorge um politische Stabilität

          Während der neunwöchigen fast ununterbrochenen Abwesenheit Ecevits haben sich die Konflikte innerhalb der Dreiparteienkoalition verschärft, womit die latente Sorge des Auslands um die politische Kontinuität in der Türkei wächst. Dass Ecevit am Montag zum ersten Mal seit einem Monat mit den Koalitionsspitzen zusammentraf, konnte die Märkte nicht beruhigen. Vielmehr befeuerten seine zunehmenden Sprechprobleme die Sorgen um seine Gesundheit.

          Weiterhin weigert sich Ecevit trotz der Gerüchte, er leide seit Jahren unter der Parkinsonschen Krankheit, über die Bestimmung eines Nachfolgers zu diskutieren. Der drohende Zusammenbruch seiner Regierung würde das Wirtschaftsprogramm gefährden, von dem der Internationale Währungsfonds (IWF) sein 16 Milliarden Dollar schweres Hilfsprogramm abhängig macht.

          Erst bescheidene Fortschritte

          Seit der Finanzkrise vom vergangenen Frühjahr beugt sich die Regierung Ecevit wohl oder übel dem verstärkten Druck der internationalen Finanzorganisationen zu strukturellen Wirtschaftsreformen. Der größte Schuldner des IWF dürfte dort bis zum Jahresende Verbindlichkeiten in Höhe von 23 Milliarden Dollar angehäuft haben. Dazu kommen sechs Milliarden Dollar von der Weltbank, schätzen die Anlagestrategen von Morgan Stanley.

          Bei genauerem Hinsehen erweisen sich die bisherigen Fortschritte noch als recht bescheiden. Auch der IWF bemängelt, dass die Türken vor allem bei der Privatisierung - etwa der Turk Telekom - nur wenig vorangekommen sind. Auch die für einen EU-Beitritt grundlegenden gesetzlichen Reformen treten in wichtigen Punkten - wie etwa dem Minderheitenschutz - auf der Stelle. Fast unnötig zu erwähnen, dass auch der türkische Finanzmarkt für Investoren bis auf Weiteres tabu bleiben sollte.

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